Musiktherapie zur Schmerzbehandlung wirkungsvoll

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Die häufig unterschätzte Musiktherapie kann bei chronischen Schmerzen die Schmerzbehandlung effektiv unterstützen, sie wirkt aber auch z.B bei Parkinson.

Dass sich die wohltuende Wirkung von Musik auch zur Behandlung diverser Leiden nutzen lässt, war schon in der Antike bekannt. So ließ etwa der alttestamentarische König Saul gerne den Harfenspieler David zur Linderung seiner Schwermut herbeirufen. Auch in der griechischen Medizin setzten Ärzte die Musiktherapie in Form von Heilgesängen ein, um die Beschwerden ihrer Patienten zu lindern.

Aus wissenschaftlicher Sicht konnte in Studien bewiesen werden, dass durch die Musiktherapie im Körper ein heilsamer Hormon-Cocktail freigesetzt wird. Dieser hilft bei der Linderung von Schmerzen und kann so das Wohlbefinden steigern. Die Österreichische Schmerzgesellschaft widmet aktuell auf ihrer Jahrestagung in Zell am See dieser nichtmdikamentösen Schmerzbehandlung einen eigenen Schwerpunkt.

Musiktherapie beeinflusst positiv die Hormonproduktion

Musik wird gerne als Droge bezeichnen, was gar nicht so falsch ist. „Musik entspannt und verbessert die Stimmung“, sagt Univ.-Prof. Dr. Günther Bernatzky, Dozent an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg und Präsident der Jahrestagung der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) in Zell am See, vom 11. bis 13. Mai 2017. „Dabei werden auch eine ganze Reihe körpereigener Hormone aktiviert“.

So sorgen schon ein paar Takte harmonischer Musik für die vermehrte Ausschüttung der Glückshormone Serotonin und Dopamin. Zudem steigt auch der Oxytocin-Spiegel, der unter anderem für die Glücksgefühle während des Stillens sorgt. Gleichzeitig ist bereits nach wenigen Minuten deutlich weniger vom Stresshormon Cortison im Blut nachweisbar.

„Zwar wissen wir noch nicht genau, auf welchen Wegen Musik im Einzelnen wirksam wird, dennoch zeigen viele neue Studien, dass bereits das selektive Hören von bestimmter standardisierter Musik sowohl bei akuten als auch bei chronischen Schmerzen oder bei Parkinson bzw. bei Stress eine deutliche Verbesserung bringt“, fasst Prof. Bernatzky den Stand der noch jungen Forschung zu diesem Thema zusammen.

Für die ÖSG sind diese Erkenntnisse Grund genug, dem Thema auf der bevorstehenden Jahrestagung einen eigenen Schwerpunkt zu widmen. „Alle unsere bisherigen Studien zeigen, dass moderne Therapiemethoden sich nicht auf die rein medikamentöse Therapie allein beziehen sollten. Auch in ihrer Wirkung verifizierte Komplementärmethoden wie zum Beispiel die Musikstimulation sollten eingesetzt werden“, so Schmerzexperte Prof. Bernatzky.

Musiktherapie als wirksame Schmerzbehandlung

Die positiven Effekte der Musiktherapie zeigte sich beispielsweise in einer Studie mit 65 Patienten, die an schmerzhaften Wirbelsäulensyndromen litten. Dabei wurden die Patienten einerseits mit den gleichen Medikamenten und einer standardisierten Physiotherapie behandelt, die Hälfte von ihnen erhileten aber zusätzlich eine Musiktherapie mittels CD-Spieler und Kopfhörer. Damit hörten sie täglich 25 Minuten Musik und eine vorangestellte Entspannungsanleitung.

Nach drei Wochen waren die Unterschiede signifikant: Während die Schmerzen in der Musiktherapie-Gruppe durchschnittlich um 50 Prozent reduziert werden konnten, war in der Kontrollgruppe ein Rückgang von nur zehn Prozent messbar. Ebenso hatte sich auch die Schlafqualität der Musiktherapie-Patientten deutlich stärker verbessert.

In einer anderen Arbeit, die im Krankenhaus Hallein durchgeführt wurde, konnte gezeigt werden, dass bei Patienten, die am Tag vor sowie rund um eine Operation Musik und Entspannungsanleitung hörten, der Verbrauch von Schmerzmitteln um 54 Prozent und jener an Schlafmitteln um 63,6 Prozent sank. Dabei war das Wohlbefinden in der Musikgruppe signifikant größer.

Musiktherapie bei Parkinson: Zusätzliche Dopamin-Dosis lindert Parkinson-Symptome

In einer Studie zur Musiktherapie-Anwendung mit insgesamt 63 Parkinsonpatienten zeigte sich, dass bereits unmittelbar nach Aufsetzen der Kopfhörer das Zittern nachließ und sich die Gangrhythmizität signifikant verbesserte. Zudem besserten sich auch die Angstzustände der Musiktherapie-Patienten. „Das Hormon Dopamin, das bei Parkinsonpatienten zu wenig vorhanden ist, wird beim Hören von stark rhythmisch akzentuierter Musik im Hirn vermehrt produziert und lindert das Zittern und verbessert die Gangprobleme“, erklärt Prof. Bernatzky.

Musiktherapie aus der Apotheke

Welche Art von Musik diese heilsame Wirkung entfaltet, hängt zwar auch von individuellen Vorlieben ab – dennoch gibt es verallgemeinerbare Muster: Klassische Musik wirkt auf viele Menschen beruhigend, Rock und Pop hingegen haben einen anregenden Effekt und mildern die Wirkung der klassischen „Immunkiller“ wie Stress oder Müdigkeit. Lady Gagas Single „Alejandro“ oder der U2-Hit „Beautiful Day“ haben eine stimmungsaufhellende und leistungssteigernde Wirkung. Die wissenschaftliche Erklärung dafür liegt im Tempo der Lieder: „Normale Körperfunktionen laufen bei 72 Herzschlägen pro Minute ab. Bei einem Tempo von mehr als 72 beats per minute wirkt Musik aufputschend, bei weniger wirkt Musik dagegen beruhigend“, erklärt Prof. Bernatzky.

Prof. Bernatzkys Musiktherapie-Programm ist unter dem Titel „Entspannung bei Schmerzen“ nicht nur im Buchhandel, sondern auch in Apotheken verfügbar (ISBN-Nr: 973-3-9502441-1-3). „Ein ein- bis zweimal tägliches Hören dieser standardisierten speziellen Musik fördert den Behandlungserfolg einer multifaktoriellen Schmerztherapie um bis zu mehr als 40 Prozent“, fasst Prof. Bernatzky die Erfahrungen des klinischen Einsatzes seiner Playlist zusammen. „Darüber hinaus  waren  weniger Medikamente notwendig, wodurch Nebenwirkungen gesenkt  und Kosten verringert wurden“.

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