Morbus Menière – Schwindel, Übelkeit, Erbrechen

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Morbus Menière zeigt sich klinisch in erster Linie durch extremen Schwindel, mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen. Heilung gibt es keine, nur die Symptome werden behandelt.

Bei Morbus Menière – einem Klassiker unter den Schwindelformen – handelt es sich um eine Erkrankung des Innenohres. Sie tritt sehr selten auf und geht mit verschiedenen Symptomen einher, die unterschiedlich lang und sowohl gleichzeitig als auch nacheinander auftreten können. Dies macht eine exakte Diagnose sehr schwierig. So ist Morbus Menière ein hochdramatisches Krankheitsbild, das nur klinisch diagnostiziert werden kann.

Morbus Menière äußert sich in erster Linie durch extremen Schwindel, der auch mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen einhergehen kann. Zudem kann es zu Ohrgeräuschen, Schwerhörigkeit oder Druckgefühl auf dem betroffenen Ohr kommen. Mitunter können beide Ohren gleichzeitig betroffen sein; in den meisten Fällen ist aber zuerst ein Ohr, im späteren Krankheitsverlauf, der sich über Jahre hinweg ziehen kann, dann auch das zweite Ohr betroffen.

Im Jahre 1861 beschrieb der französische Arzt Prosper Menière – 1799 bis 1862 in Paris – die typischen Symptome von anfallsartigem Schwindel verbunden mit fortschreitender Schwerhörigkeit und Ohrgeräuschen. Zur sogenannten »Menière`schen Trias« gehören Drehschwindelattacken, die mindestens 20 Minuten aber auch stundenlang anhalten können. Symptomatisch sind ein einseitiges, meist niederfrequentes Ohrgeräusch – dem Tinnitus – sowie anfallsweise eine Hörminderung und oft auch ein Druckgefühl im betroffenen Ohr.

Am häufigsten erkranken Menschen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Bei 20 bis 30 Prozent sind beide Ohren betroffen. Menière vermutete damals bereits, dass diese Gleichgewichtsstörung mit dem extremen Schwindel in den Bogengängen des Ohres ihren Ursprung hat. Dieser Ansatz war zu dieser Zeit sehr revolutionär.

 

Endolymphe, Perilymphe und Hydrops

Heute weiss man, dass eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Innenohr die Erkrankung auslösen kann. Die sogenannte Endolymphe – eine kaliumreiche Flüssigkeit, die der intrazellulären Flüssigkeit ähnelt und für die Funktion des Gleichgewichtsorgans unverzichtbar ist – wird bei den betroffenen Patienten entweder im Übermaß produziert oder schlecht abgeleitet, wodurch der sonst eher schmale Endolymphe-Schlauch prall gefüllt wird. Experten sprechen im Zusammenhang mit dieser pathologischen Zunahme (Hydrops) der Endolymphe im Innenohr vom endolymphatischen Hydrops der Cochlea.

Dabei wir die Membran überdehnt, die einreißen kann, wodurch es zu einer Vermischung von Peri- und Endolymphe kommen kann. Die Perilymphe – Lymphe vom lateinischen Wort lympha, das für „klares Wasser“ steht, peri ist griechisch und steht für „nah“ – ist eine Flüssigkeit zwischen häutigem und knöchernen Labyrinth des Innenohres, die die häutigen Bogengänge und den Schneckengang umgibt und für die Funktion des Gehörs notwendig ist. Die Perilymphe – vermutlich ein Plasmafiltrat über eine Blut-Perilymph-Schranke – ist höchstwahrscheinlich Ausgangsprodukt für die Endolymphe. Histologisch ist übrigens der Hydrops erst nach dem Tod nachweisbar.

 

Ursachen von Morbus Menière

Über die Ursachen von Morbus Menière ist nach wie vor wenig bekannt. Man nimmt an, dass es bei einem Morbus Menière-Anfall zum oben beschriebenen Flüssigkeitsanstieg im Innenohr kommt. Wodurch dieser bedingt ist, konnte bisher nicht abschließend geklärt werden. Es werden aber Stress und psychische Belastungen als mitbestimmende Faktoren vermutet. Auch Durchblutungsstörungen, Lärmbelastung, Viruserkrankungen oder eine gewisse erbliche Veranlagung werden mit Morbus Menière in den Zusammenhang.

Patienten mit Morbus Menière müssen intensiv informiert werden, um die Ängste, die die Anfälle bei Morbus Menière auslösen, zu erklären und zu behandeln. Denn es besteht durchaus die Gefahr, dass sich die Krankheit bei Nichtbehandlung mit einer Angst- und Panikstörung überlagert.

 

Wie wird Morbus Menière behandelt?

Bislang gibt es keine kausale Behandlung, um Morbus Menière vollständig zu heilen, nur die Symptome können gelindert werden. Dies kann vor allem in der Akutphase durch verschiedene Medikamente wie Thiethylperazin oder Dimenhydrinat versucht werden, bringt aber nicht immer oder nur sehr kurzfristigen Erfolg – wichtig ist Bettruhe für Betroffene. Der oben beschriebene endolymphatische Hydrops wird mit Betahistin behandelt.

In schweren Fällen, in denen z. B. schon eine starke Schwerhörigkeit aufgetreten ist oder der Leidensdruck durch die Symptome sehr hoch ist, kann eine Operationen infrage kommen. Allerdings ist diese immer irreversibel, d. h. in ihrer Wirkung nicht mehr rückgängig zu machen. Bei der Operation wird der Gleichgewichtsnerv durchtrennt und es kommt zur Taubheit des Ohres.

Bei Patienten mit Morbus Menière ist die Druckregulierung des Mittelohrs schlechter – eine zusätzliche Belüftung des Mittelohrs kann daher Anfälle verhindern und der Entwicklung von Hydrops entgegenwirken. Die Methode der Wahl zur willkürlichen Belüftung des Mittelohrs ist die Valsalva-Methode (siehe Abbildung). Sie kann spontan und ohne Hilfsmittel durchgeführt werden und wird oft mit anschließendem Druckausgleich durch Gähnen oder Kauen kombiniert. Durch die Valsalva-Methode kommt es zu einen kurzzeitigen Anstieg des Mittelohrdrucks, der dann anschließend durch den Druckausgleich wieder verschwindet, wodurch ein optimaler Effekt im Innenohr erzielt wird.

 

Labyrinth-Anästhesie bei Morbus Menière

Eine schonende Behandlungsoption bei Morbus Menière ist die Labyrinth-Anästhesie, bei der das Gleichgewichtsorgan durch eine Injektion eines Lokalanästhetikums direkt ins Ohr ausgeschaltet wird. Die Wirkungsdauer ist von Patient zu Patient unterschiedlich – von jahrelang bis kaum. Ein Vorteil der Labyrinth-Anästhesie ist, dass das Gleichgewichtsorgan nicht endgültig lahmgelegt wir, wobei allerdings das Auftreten von Schwerhörigkeit durch die Labyrinth-Anästhesie möglich ist – allerdings nur vorübergehend.

Quelle: http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/menieres-disease/basics/definition/con-20028251

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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