Erhöht Metformin das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen?

0

Die langfristige Einnahme von Metformin soll das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson bei Typ-2-Diabetes-Patienten erhöhen.

Dr. Yi-Chun Kuan – Neurologin am Shuang Ho, Hospital der Taipei Medical University – präsentierte am kürzlich abgehaltenen 13. Internationalen Kongress zu Alzheimer und Parkinson Ende März 2017 in Wien die Auswertung der Daten von mehr als 9000 Patienten mit Typ-2-Diabetes unter Metformin aus der National Health Insurance Research Database von Taiwan, wobei sich ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen ergab. In dieser Metaanalyse wurden 4651 Typ-2-Diabetes-Patienten unter Metformin mit 4651 gematchten Kontrollen ohne Metformin verglichen (1). Nach Adjustierungen wie für Alter, Geschlecht und Schwere des Diabetes fand sich die kumulative Inzidenz für Parkinson und Alzheimer Demenz nach 12 Jahren signifikant erhöht (p <0.001). 

Die Ergebnisse waren dahingehend auch überraschend, da neuere Forschungen vermuten ließen, dass die Anwendung von Metformin sogar gegen neurodegenerative Erkrankungen schützen sollte. „Wir interessierten uns für eine mögliche protektive Wirkung von Metformin. Allerdings war dann genau das Gegenteil zu verzeichnen“, betonte Dr. Yi-Chun Kuan. Gleichzeitig forderte die Neurologin groß angelegte, prospektive Studien in anderen Ländern, um ihre Ergebnisse zu evaluieren.

 

Erhöhtes Risiko für Neurodegenerative Erkrankungen unter Metformin und unzureichenden Vitamin B12-Spiegel

Prof. Dr. Helmut Schatz aus Bochum von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie betonte in seinem Online-Blog, dass die Studie trotz der großen Patientenzahl und der Dauer von vielen Diskutanten und Kommentatoren als „konfus“ und schlecht präsentiert beurteilt wurde. Grundsätzlich stehen die präsentierten Daten im Gegensatz zu vielen positiven Berichten über pleiotrope Wirkungen von Metformin, wobei allerdings auch schon früher negative Berichte über ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen unter dem Biguanid Metformin zu finden waren. Die Diskutanten forderten auch entsprechende Daten über Insulin und Sulfonylharnstoffe, auch im Internet wurde die Posterpräsentation heftig kritisiert. Als negative Wirkung durch Metformin wurde schon in den 1960er Jahren in Wien beschrieben, dass durch den Wirkstoff Vitamin B12 vermindert resorbiert werden kann, was zu Neuropathien führen könnte. Deshalb sollte man unter Metformin regelmässig den Vitamin B12-Spiegel kontrollieren und eventuell substituieren. Diese Forderung findet sich auch im neuesten Statement der US-amerikanischen Diabetologen, in Europa wird dies zu wenig beachtet.

Quellen:

http://blog.endokrinologie.net/alzheimer-parkinson-metformin-diabetespatienten-3266/

http://www.medscape.com/viewarticle/877965-print

Share.

About Author

MEDMIX Online-Redaktion

Blick in den Newsroom der MEDMIX Print- und Onlineredaktion in Zusammenarbeit mit AFCOM – Verlag und Medienproduktionen.

Comments are closed.