MERS-Coronavirus verursacht schwere, teils tödliche Infektionen

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Durch die weltweite Reisetätigkeit, auch in entlegenere Gebiete, werden immer öfter Virusinfektionen importiert. Das MERS-Coronavirus ist ein derartiges Beispiel.

Eine MERS-Coronavirus-Infektion muss bei Einreisenden, Touristen und Reiserückkehrern mit schwerer respiratorischer Symptomatik differentialdiagnostisch in Erwägung gezogen werden.  Zum ersten Mal nach fünf Jahren ist in England wieder ein Fall des Middle East respiratory syndrome – eine Infektion mit dem MERS-Coronavirus – diagnostiziert worden, wie das European Centre for Disease Prevention and Control“ (ECDC) aktuell berichtet. Die betroffene Person aus dem Mittleren Osten wird derzeit im „Royal Liverpool Hospital“ behandelt und ist stabil. Man sucht Kontaktpersonen des Fluges SV123 der Saudi Arabian Airlines nach Großbritannien am 16. August.

Ausbruch in Katar und Korea. 2015 verursachte das MERS-Coronavirus durch einen infizierten Reisenden, der von Qatar nach Korea zurückkehrte, den bislang größten bekannten Ausbruch nosokomialer Infektionen außerhalb Saudi Arabiens: 175 Personen wurden mit dem MERS-Coronavirus infiziert, von 27 Todesfällen wurde berichtet, tausende Menschen kamen in Quarantäne.

Arabischen Halbinsel mit Schwerpunkt in Saudi-Arabien

Das MERS-Coronavirus ist seit dem Jahr 2012 bekannt. Es ist eine zoonotische Infektion, die von infizierten Dromedaren – derzeit hauptsächlich auf der arabischen Halbinsel – auf den Menschen übertragen wird. Bei sehr engem Kontakt – wie beispielsweise der Pflege von Erkrankter – kann auch von Mensch zu Mensch eine Ansteckung erfolgen. Seit September 2012 wurden über 1300 Fälle bestätigt, 36% der Infizierten erlagen der Infektion, berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO fact sheet No 401).

Die meisten MERS-Coronavirus-Fälle stammen somit aus Ländern des Mittleren Ostens, von wo aus Reisende die Erreger in viele Länder importierten. So kam es beispielsweise durch einen Export aus dem Oman in Thailand 2015 zu einem Ausbruch (WHO disease ourtbreak news June 20, 2015).

Einige schwerkranke Patienten wurden zur Therapie in europäische Länder eingeflogen, manche dieser Patienten wurden in weiterer Folge die Quelle nosokomialer Infektionen und infizierten das betreuende Personal, beispielsweise in Großbritannien. In Deutschland und Österreich wurde von erkrankten Touristen aus Saudi Arabien berichtet.

 

Klinisches Bild des MERS-Coronavirus

Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen präsentieren sich MERS-Coronavirus-Infektionen klinisch mit einer akut beginnenden, grippeähnlichen Erkrankung. Bei schweren Verläufen kann sich eine Pneumonie entwickeln, die in ein akutes Atemnotsyndrom übergehen kann.

Ein häufiges Begleitsymptom einer MERS-Coronavirus-Infektion ist Durchfall, in manchen Fällen kann auch Nierenversagen auftreten. Schwere Verläufe treten überwiegend bei Personen mit chronischen Grunderkrankungen auf – wie beispielsweise Diabetes, einer Krebserkrankung oder Immunsuppression.

 

Differenzialiagnose bei Reiserückkehrern mit möglicher MERS-Coronavirus-Infektion

Bei Reiserückkehrern mit einer schweren respiratorischen Infektion, die aus MERS-Coronavirus-Endemiegebieten – insbesondere aus der arabischen Halbinsel – kommen, sollte daher wie eingangs betont wurde, unbedingt eine dementsprechende Differenzialdiagnose durchgeführt werden. Eine labordiagnostische Absicherung erfolgt mittels PCR aus tiefem respiratorischen Sekret und/oder Blut.

Grundsätzlich muss hervorgestrichen werden, dass auf Grund der massiven Reisetätigkeit importierte Virusinfektionen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Für die gezielte labordiagnostische Abklärung – die in jedem Fall erfolgen sollte – sind die Erhebung der Reisanamnese und die Kenntnis über die jeweilige epidemiologische Situation in dem Reisegebiet notwendig.

Quellen: www.who.int/csr/don/en/www.promedmail.orghttp://www.virologie.meduniwien.ac.at/home/upload/vei/2015/1315.pdf

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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