MERS-Coronavirus verursacht schwere, teils tödliche Infektionen

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Durch die weltweite Reisetätigkeit, auch in entlegenere Gebiete, werden immer öfter Virusinfektionen importiert. Das MERS-Coronavirus ist ein derartiges Beispiel.

Die MERS-Coronavirus-Infektion muss bei Reiserückkehrern mit schwerer respiratorischer Symptomatik differentialdiagnostisch in Erwägung gezogen werden. Das MERS-Coronavirus kommt von der Bezeichnung Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus.

Katar und Korea. So verursachte das MERS-Coronavirus 2015 durch einen infizierten Reisenden, der von Qatar nach Korea zurückkehrte, den bislang größten bekannten Ausbruch nosokomialer Infektionen außerhalb Saudi Arabiens: 175 Personen wurden mit dem MERS-Coronavirus infiziert, von 27 Todesfällen wurde berichtet, tausende Menschen kamen in Quarantäne.

Arabischen Halbinsel mit Schwerpunkt in Saudi-Arabien. Das MERS-Coronavirus ist seit dem Jahr 2012 bekannt. Es ist eine zoonotische Infektion, die von infizierten Dromedaren – derzeit hauptsächlich auf der arabischen Halbinsel – auf den Menschen übertragen wird.

Bei sehr engem Kontakt – wie beispielsweise der Pflege von Erkrankter – kann das MERS-Coronavirus auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Seit September 2012 wurden über 1300 Fälle bestätigt, 36% der Infizierten erlagen der Infektion, berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO fact sheet No 401, June 2015).

Die meisten MERS-Coronavirus-Fälle stammen somit aus Ländern des Mittleren Ostens, von wo aus Reisende die Erreger in viele Länder importierten. So kam es beispielsweise durch einen Export aus dem Oman in Thailand 2015 zu einem MERS-Coronavirus-Ausbruch (WHO disease ourtbreak news June 20, 2015).

Aber auch nach Mitteleuropa wurde MERS bereits eingeschleppt. Einige schwerkranke Patienten wurden zur Therapie in europäische Länder eingeflogen, manche dieser Patienten wurden in weiterer Folge die Quelle nosokomialer Infektionen und infizierten das betreuende Personal, z.B. in Großbritannien.

 

Klinisches Bild des MERS-Coronavirus

Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen präsentieren sich MERS-Coronavirus-Infektionen klinisch mit einer akut beginnenden, grippeähnlichen Erkrankung. Bei schweren Verläufen kann sich eine Pneumonie entwickeln, die in ein akutes Atemnotsyndrom übergehen kann.

Ein häufiges Begleitsymptom einer MERS-Coronavirus-Infektion ist Durchfall, in manchen Fällen kann auch Nierenversagen auftreten. Schwere Verläufe treten überwiegend bei Personen mit chronischen Grunderkrankungen auf – wie beispielsweise Diabetes, einer Krebserkrankung oder Immunsuppression.

 

Differenzialiagnose bei Reiserückkehrern mit möglicher MERS-Coronavirus-Infektion

Bei Reiserückkehrern mit einer schweren respiratorischen Infektion, die aus MERS-Coronavirus-Endemiegebieten – insbesondere aus der arabischen Halbinsel – kommen, sollte daher differenzialdiagnostisch auch bei Menschen ohne die oben erwähnten Grunderkrankungen an eine MERS-Coronavirus-Infektion gedacht werden.

Fazit. Die labordiagnostische Absicherung erfolgt mittels PCR aus tiefem respiratorischen Sekret und/oder Blut. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass auf Grund der massiven Reisetätigkeit importierte Virusinfektionen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Für die gezielte labordiagnostische Abklärung – die in jedem Fall erfolgen sollte – sind die Erhebung der Reisanamnese und die Kenntnis über die jeweilige epidemiologische Situation in dem Reisegebiet notwendig. Eine Hilfestellung für die betreuenden Ärzte bieten dabei die Homepages der WHO sowie von ProMedMail.

Quellen: www.who.int/csr/don/en/www.promedmail.orghttp://www.virologie.meduniwien.ac.at/home/upload/vei/2015/1315.pdf

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Rainer Müller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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