Das menschliche Gehirn fit halten

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Das menschliche Gehirn kann durch körperliche Fitness jung gehalten werden. Experten enthüllen dazu nun wichtige Erkenntnisse – vor allem hinsichtlich der Gehirnalterung.

Die menschliche Gehirn muss gesund sein, um Fähigkeiten zu lernen, zu planen und Entscheidungen zu treffen sowie für das Erinnerungsvermögen. Mit fortschreitendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Gehirns ab, gleichzeitig werden vaskuläre und degenerative Veränderungen im Gehirn immer häufiger beobachtet. Parallel dazu steigt das Risiko für Demenz ab dem 65. Lebensjahr rasant an.

Sehr viele Menschen leiden heute an Demenz. Die Zahl wird sich in den nächsten 20 Jahren Prognosen zu Folge verdoppeln. Die Alterung des Gehirns zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen, um damit Demenz und Pflegebedürftigkeit zu reduzieren, ist ein bedeutendes Thema in der Medizin. Laut einer unlängst veröffentlichten Studie der Med Uni Graz kann gute körperliche Fitness nicht nur das Herz sondern auch das menschliche Gehirn bis ins hohe Alter fit und jung halten.

 

Menschliche Gehirn von Personen mittleren bis höheren Alters umfassend analysiert

WissenschafterInnen der Medizinischen Universität Graz rund um Univ.-Prof.in DDr.in Helena Schmidt, Leiterin der Forschungseinheit „Genetische Epidemiologie“ am Institut für Molekularbiologie und Biochemie, beschäftigten sich mit der Bedeutung eines gesunden Herzens für die Gehirnfunktion und die Entwicklungen von Denk- und Gedächtnisprozessen im Alter und haben dabei vor allem die körperliche Fitness der StudienteilnehmerInnen unter die Lupe genommen.

Gute körperliche Fitness kann nicht nur das Herz sondern auch das menschliche Gehirn bis ins hohe Alter fit und jung halten.

„Insgesamt nahmen 877 Grazerinnen und Grazer mit einem Durchschnittsalter von 65 Jahren an der Studie teil und absolvierten einen Fitness-Test, bei dem das Körpergewicht, der Puls im Ruhezustand und die maximale Herzfrequenz bei einem Belastungstest am Ergometer berücksichtigt wurden“, beschreibt Helena Schmidt den Ablauf. Zusätzlich wurden das Gedächtnis, motorische Fähigkeiten sowie exekutive Gehirnfunktionen analysiert.

Zur umfassenden Erhebung des Gesundheitszustandes führten die ForscherInnen auch MRT-Scans durch, um mögliche Gehirnschädigungen bedingt durch vaskuläre oder degenerative Veränderungen zu erkennen.

Die Studie wurde im Rahmen der Austrian Stroke Prevention Study – einer populationsbasierenden Studie in der Grazer Bevölkerung, die seit 1991 an der Universitätsklinik für Neurologie von Univ.-Prof. Dr. Reinhold Schmidt geleitet wird (in Kooperation mit der Klinischen Abteilung für Kardiologie, Univ.-Prof. Dr. Robert Zweiker) – durchgeführt.

 

Kampf gegen Alzheimer & Demenz: Herz- und Hirngesundheit im Fokus

Die Forscher fanden deutliche Hinweise darauf, dass körperliche Fitness älterer Personen deren Gehirnfunktion positiv beeinflusst. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass ein höheres Fitness-Niveau mit besseren globalen kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang gebracht werden kann. Insbesondere erzielten fitte StudienteilnehmerInnen bessere Resultate in den kognitiven Domänen Gedächtnis, exekutive Funktion und motorische Fähigkeiten. Der breite positive Effekt von Fitness auf die kognitiven Funktionen des Gehirns war unabhängig vom Alter und Geschlecht zu beobachten, wurde allerdings bei Übergewichtigen abgeschwächt.

 

Das menschliche Gehirn und seine Alterungsprozesse durch hohes Fitness-Niveau verlangsamen

„Jene TeilnehmerInnen, die im Rahmen der Untersuchung das höchste Fitness-Level aufwiesen, befinden sich in Hinblick auf kognitive Funktionen des Gehirns in einem Zustand, der dem von bis zu 7 Jahre jüngeren Personen gleicht“, verdeutlicht Helena Schmidt die Erkenntnisse der Studie. Ältere Menschen, die sehr fit sind, haben demnach ein »jüngeres« Gehirn im Vergleich zu jenen Gleichaltrigen, deren Fitnessniveau niedrig ist.

„Angesichts der Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit einer Alzheimer-Erkrankung sich von 0,5% bei den 65-Jährigen, auf 6-8% bei den 85-Jährigen erhöht, sich also praktisch alle 5 Jahre verdoppelt, ist die Wirkung von Fitness auf die Gehirnalterung als klinisch relevant einzustufen. Es ist daher von enormer Wichtigkeit, dass wir den Zusammenhang zwischen der Herz- und Hirngesundheit besser verstehen“, betont Helena Schmidt.

Wichtige Fragen wie: „Über welche Mechanismen beeinflusst Fitness die kognitive Fähigkeiten im Alter? bzw. Ist es möglich durch ein verstärktes Training zur Steigerung der Herzgesundheit eine bessere Gehirngesundheit in jedem Alter zu erreichen?“ können wir derzeit noch nicht beantworten. Auch wenn Fitness-Training eine bessere Gehirngesundheit vielleicht nicht garantieren kann, so kann man mit körperlicher Fitness positive Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden erreichen. „Regelmäßige Bewegung sollte daher unbedingt angestrebt werden“, fasst Helena Schmidt zusammen.

Weitere Informationen und Literatur:

Univ.-Prof.in DDr.in Helena Schmidt; medunigraz.at

http://www.neurology.org/content/early/2016/01/06/WNL.0000000000002329.long

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Rainer Müller

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