Küchenschelle oder Kuhschelle in der Pflanzenheilkunde

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Die Küchenschelle oder Kuhschelle wurde schon von Hippokrates als Heilmittel eingesetzt: bei Erkältungen, Kopfschmerzen, Angst, Hysterie und zur Förderung der Menstruation.

Die Kuhschelle oder Küchenschelle ist im Garten als Frühlingsbote beliebt. Die als Zier- aber auch Heilpflanze eingesetzten Pulsatilla-Arten erinnern in ihrer glockenförmigen Blütengestalt an eine Schelle, die man den Kühen umhing. Diese Beziehung kommt ebenfalls im wissenschaftlichen Namen zum Ausdruck, denn Pulsatilla leitet sich vom lat. »pulsare« = anschlagen, anklingen, läuten ab.

Bei der Kuhschelle oder Küchenschelle handelt sich um niedrige Stauden mit senkrechter Wurzel und langgestielten grundständigen, meist fiedrig zerteilten oder fingerförmig gegliederten Blättern. Die Hochblätter sind von der Blüte etwas entfernt, sind dreiblättrig und sitzend.

Die Blütenhüllblätter sind kronblattartig gestaltet und können eine blaue, violette, weiße oder gelbe Farbe haben. Die Staubblätter treten zahlreich auf, und die Früchtchen besitzen lange federartige, bleibende Griffel. Die Blüten stehen immer einzeln.

Die meisten Pulsatilla-Arten gehören zu den Frühlingsblühern. Die Gattung ist über die gemäßigte Zone der nördlichen Halbkugel verbreitet und geht weit bis ins Innere Asiens hinein. Pulsatilla vulgaris (Gewöhnliche Kuhschelle) und Pulsatilla pratensis (Wiesen-Kuhschelle) sind 20–40 cm hohe ausdauernde Kräuter, die auf Weiden, Wiesen, Heidewiesen und sonnigen Hügeln gedeihen und von März bis Mai – je nach Standort – blühen.

Vorsicht ist angezeigt, den die Kuhschelle oder Küchenschelle kann die menschliche Haut sehr stark reizen. Sie gilt deswegen auch giftig und wird als Heilpflanze nur sehr niedrig dosiert bzw. mittlerweile nur noch homöopathisch eingesetzt.

 

Kuhschelle oder Küchenschelle in der Naturheilkunde

Für pharmazeutische Zwecke kultiviert man beide Arten, so dass man unter Pulsatilla herba (Herba pulsatillae) meist eine Mischung der verschiedenen Arten von Kuhschelle oder Küchenschelle versteht. Wichtige Inhaltsstoffe der Pflanzen sind Protoanemonin im ­frischen Kraut und Anemonin in der getrockneten Droge – weiters Gerbstoffe, Saponin und harzartige Substanzen.

Während der Saft des frischen Krautes eine starke Reizwirkung auf die Schleimhäute besitzt, geht diese beim Trocknen verloren. Schon die keltischen Priester sollen Pulsatilla als Arznei verwendet haben.

Auch in der Antike wurde die Kuhschelle von Hippokrates als Heilmittel eingesetzt. Im Laufe der Jahrhunderte geriet die Kuhschelle in Vergessenheit und wurde erst in der zweiten Hälfte des 18. Jh. als Arznei in der Augenheilkunde gebraucht.

Die Anwendungen reichen von Erkältungen und Kopfschmerzen, Angst, Hysterie und zur Förderung der Menstruation Die Heilpflanze fördert auch verschiedene Stoffwechselvorgänge, bringt die Körperflüssigkeiten in Bewegung, was beispielsweise bei Erkältung und Husten die Symptome verbessert.

Der in Wien tätige Arzt Ferdinand Bernhard Vietz erwähnt sie in seinen »Icones Plantarum« (1804) als Arznei bei nächtlichen Knochenschmerzen und äußerlich bei »Verhärtungen und Geschwüren«.

In der Gegenwart wird die frische blühende Pflanze wie oben erwähnt ausschließlich in der Homöopathie verwendet: bei venösen Störungen im Bereich des Kleinen Beckens und Menstruationsbeschwerden sowie nervösen Störungen, die in Verbindung mit dem weiblichen ­Zyklus stehen, rheumatische Erkrankungen, akute und chronische Rhinitis.

Da die Küchenschelle bzw. Kuhschelle unter Naturschutz steht, sollten wild wachsende Pflanzen nicht geerntet werden.

Weitere Informationen:

Küchenschelle – Pulsatilla vulgaris – homöopathisch angewendet. MEDMIX 08/2008

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11108581

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?cmd=Link&dbFrom=PubMed&from_uid=21642205

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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