Künstliches Hüftgelenk und dennoch sportlich aktiv

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Ein künstliches Hüftgelenk darf heutzutage nicht am Sport hindern. Denn immer mehr Menschen wollen auch mit der neuen Hüftprothese sportlich aktiv bleiben.

Ein künstliches Hüftgelenk darf heutzutage für die meisten Patienten kein Hindernis darstellen, um anspruchsvolle körperliche Aktivitäten zu unternehmen. Schließlich wollen sie auch mit einer neuen Hüftprothese sportlich aktiv sein wollen. Tatsächlich erlauben moderne Materialpaarungen für den Ersatz von Hüftpfanne und Hüftkopf mittlerweile einen aktiveren Lebenswandel, auch wenn ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wurde.

 

Experten empfehlen Sport für Patienten, die ein künstliches Hüftgelenk bekommen haben

Die neuen Materialien machen es möglich, dass ein künstliches Hüftgelenk bei Belastung deutlich weniger Abriebpartikel erzeugt.  Schließlich war das bisher eine der Hauptursachen, das sich ein künstliches Hüftgelenk lockert.

Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. empfiehlt daher heute allen Patienten mit Hüftprothese regelmäßig moderaten Sport, etwa Schwimmen oder Radfahren, zu betreiben. Zudem rät die Fachgesellschaft, bereits vor dem Eingriff mit dem Arzt zu besprechen, welche Sportarten man nach der Implantation ausüben möchte.

Danach richten sich dann Materialzusammensetzung und Größe der Hüftprothese sowie die Art ihrer Verankerung im Knochen. Heute hält ein künstliches Hüftgelenk bei 90 Prozent der Patienten 20 Jahre.

Empfehlenswerte Sportarten für Menschen, die ein neues künstliches Hüftgelenk bekommen haben und weitehin sportlich aktiv bleiben wollen

  • Aerobic (ohne Sprünge)
  • Aquajogging
  • Wandern und Bergwandern (mit Stöcken zur Abminderung von Stoßbelastungen)
  • Bowling
  • Darts
  • Ergometertraining
  • Golf
  • Gymnastik
  • Krafttraining (angeleitet durch eine Fachkraft)
  • Laufen (Laufband)
  • Radfahren
  • Reiten
  • Rudern
  • Schwimmen
  • Tennis (Doppel)
  • Tanzen
  • (Nordic-) Walking

 

 

Weniger Implantat-Lockerungen

Denn ein wesentlicher Grund für die verlängerte Haltbarkeit ist der deutliche Rückgang an Implantat-Lockerungen. „Inzwischen haben wir es mit deutlich verbesserten Materialien zu tun, die wesentlich weniger Abrieb erzeugen“, sagt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE. „Die seit den 1960er-Jahren häufig verwendeten relativ weichen Polyethylenpfannen (PE) in der Gleitpaarung mit einem Metallkopf, beziehungsweise Metallpfannen in Kombination mit einem Metallkopf, erzeugten selbst bei moderater körperlicher Belastung relativ viel Abrieb“, erläutert der Orthopäde, der Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig ist.

Doch Abrieb kann in der Implantat-Umgebung eine Entzündung auslösen. Diese führt zu Knochenabbau rund um die Prothese. Dadurch geht der Halt im Implantatlager verloren, das Kunstgelenk lockert sich und muss ausgewechselt werden.“ Um einem Prothesenverschleiß vorzubeugen, rieten Ärzte früher ihren Patienten deshalb, das künstliche Gelenk möglichst nur zurückhaltend zu belasten. „Viele Patienten haben sich deshalb eher zu wenig bewegt“, so Heller.

Doch diese Empfehlung sei überholt: „Die neuen Materialien tolerieren deutlich mehr Aktivität.“ Ende der 1990er-Jahre kam das hochvernetzte und wesentlich abriebfestere Polyethylen (HXPE) auf den Markt. Bei den danach entwickelten Vitamin E-haltigen HXPE-Pfannen konnten die Abriebraten in Kombination mit einem Keramikkopf sogar noch weiter reduziert werden. „Mit der Einführung verschleißresistenter Materialien sind wichtige Voraussetzungen für eine stärkere Belastung künstlicher Hüften erfüllt“, sagt Heller. „Tägliche moderate Bewegung ist heute bei jedem Patienten möglich und gewünscht.“

 

Muskelkräftigung unterstützt ein künstliches Hüftgelenk

Grundsätzlich ist eine gezielte Muskelkräftigung rund um das Implantat sogar gut für die Haltbarkeit der Prothese. „Die allgemein bekannte Empfehlung zu schonenden und zyklischen Ausdauersportarten wie Schwimmen, Wandern, Radfahren oder Golf frühestens ab drei, besser erst sechs Monate nach der Operation, behält in jedem Fall ihre Gültigkeit“, sagt Professor Dr. med. Florian Gebhard, Präsident der AE aus Ulm.

Wenn allerdings höhere Belastungen geplant sind – etwa durch Skifahren im Urlaub –, so sollte dies in jedem Fall vorab individuell vom Arzt abgeklärt und freigegeben werden. Dies betont Gebhard, der auch Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Ulm ist.

Leistungssport mit künstlicher Hüfte werde jedoch weiterhin nicht empfohlen, da er die Haltbarkeit der Prothese erheblich verkürzen könne. Heute ist die Gleitpaarung von hochvernetzten Polyethylen-Pfannen mit einem Keramikkopf die am häufigsten eingesetzte Materialkombination in der Hüftendoprothetik. Nur Gleitpaarungen aus Keramikinlay und Keramikkopf erzeugen einen noch geringeren Abrieb. „Deshalb werden sie oft für jüngere Patienten gewählt“, sagt Heller.

Es sei jedoch eine sehr individuelle Entscheidung, welche Gleitpaarung verwendet werde, betont Heller. „Sie hängt nicht nur vom Alter und Aktivitätslevel des Patienten ab. Schließlich spielen auch die gewünschten Sportarten und die anatomischen Voraussetzungen eine Rolle. Grundsätzlich muss all das vor dem Eingriff abgeklärt werden.“

Zur Operation sollte man eine der etwa 550 Kliniken mit einem EndoCert-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) aufsuchen – denn die Expertise der Klinik trage wesentlich zu einem guten Ergebnis bei, so die Vorstandsmitglieder der AE.

Literatur:

Endoprothetik – Ein wahrer „Fortschritt“? Carsten Perka, Viktor Janz Klinikarzt 2018; 47(07): 308–314 DOI: 10.1055/a-0643-2328

Endoprothesen und Sport Cassel M, Brecht P, Günther K-P, Mayer F Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 2017 (68), Nr. 2 DOI: 10.5960/dzsm.2016.267


Quelle: AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V.

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