Kreuzschmerz – Anamnese, Diagnose, Diagnostik

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Kreuzschmerz und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen führen am häufigsten zu Arbeitsausfällen. Wie sehen kluge Diagnostik und Therapie bei Kreuzschmerz aus?

Tatsächlich stehen Kreuzschmerz, Rückenleiden sowie andere Muskel-Skelett-Erkrankungen an der Spitze der Ursachen für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle. Denn diese Beschwerden verursachen nahezu jeden fünften Fehltag.

 

Diagnose bei Kreuzschmerz

Im Vordergrund der Diagnosestellung bei Kreuzschmerz steht die Anamnese beziehungsweise die Befragung des Patienten zur Vorgeschichte. Damit erfährt der Arzt die genauen Symptome sowie die dadurch bedingten Einschränkungen und Probleme.

Eine fachkundige körperliche Untersuchung nach der Anamnese ergänzt die Diagnose. Dabei steht im Vordergrund die gezielte Fahndung nach sogenannten Warnzeichen („red flags“), die einen Anhalt für eine gefährliche oder ernsthafte Erkrankung geben. Damit ist es bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit möglich, zwischen nicht spezifischen und spezifischen Ursachen zu differenzieren.

 

Nicht spezifische Kreuzschmerz

Der nicht spezifische Kreuzschmerz umfasst 60 bis 80 Prozent aller Rückenleiden. Im Gegensatz zum spezifischen Kreuzschmerz lassen sich dabei die Schmerzen nicht eindeutig einer krankhaften organischen Veränderung zuordnen. Bei erstmalig aufgetretenen akuten, nicht spezifischen Kreuzschmerz ohne Warnhinweise erfolgt eine ausführliche Information des Patienten über die gute Prognose und wenn nötig die Behandlung des Symptoms Schmerz. Die Patienten sollen sich nicht schonen und möglichst aktiv bleiben. Bei einem Großteil von 80 Prozent verschwinden die Schmerzen innerhalb von vier Wochen wieder.

 

Spezifische Kreuzschmerzen

Bei spezifischen Kreuzschmerzen lassen sich die Beschwerden in Einklang mit krankhaften Veränderungen an der Wirbelsäule bringen. Tumoren und Entzündungen sind eher seltene Ursachen. Häufiger sind dagegen Wirbelkörperverformungen auf dem Boden einer Osteoporose. Am häufigsten findet man verschleißbedingte Erkrankungen, wozu letztendlich auch Bandscheibenvorfälle gehören. Fortgeschrittene Lähmungen und fehlende Kontrolle über Stuhlgang und Wasserlassen bedürfen einer umgehenden Abklärung und Operation innerhalb von sechs Stunden. Bei allen anderen Veränderungen ist eine nicht operative Behandlung möglich und zunächst angezeigt.

 

Bildgebung bei Kreuzschmerzen

Wenn aktivitätseinschränkende Rückenschmerzen länger als vier bis sechs Wochen bestehen oder gar zunehmen, so ist die Durchführung einer bildgebenden Diagnostik ebenso in Erwägung zu ziehen wie beim Vorliegen von Warnzeichen. In der Regel liefert die Kernspintomografie die meisten Informationen. Röntgenuntersuchungen sind dadurch dennoch nicht gänzlich verzichtbar. Die Bildgebung muss immer in Einklang mit den Beschwerden und Symptomen gebracht werden und kann nie alleine eine Behandlungsdiagnose liefern. Spezifische Ursachen sind an der Stelle zu diagnostizieren oder auszuschließen.

Gerade nicht spezifische Rückenschmerzen sind oft nicht nur organisch bedingt. Entsprechend des bio-psycho-sozialen Modells haben auch Faktoren aus dem sozialen Bereich und der Psyche einen Einfluss, nach denen entsprechend gesucht werden muss und die einer Berücksichtigung bei therapeutischen Ansätzen bedürfen. Eine multidisziplinäre Abklärung ist daher ein wichtiger Baustein am Übergang zur Chronifizierung nach drei Monaten oder bei chronischen Schmerzzuständen. Chronischer, nicht spezifischer Kreuzschmerz hat eine schlechte Prognose im Hinblick auf die Rückkehr zur Arbeit. Multimodale, interdisziplinäre Behandlungsprogramme (Arzt, Bewegungstherapeut, Psychologe) mit hoher Therapieintensität haben die besten Aussichten auf Erfolg.

Quelle: Deutscher Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie 2016

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Alfred Felsberger

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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