Konjugierte Linolsäuren: Schlankmacher, Allheilmittel?

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Wenn man » Konjugierte Linolsäuren « googelt, bekommt man sofort vielversprechende Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Doch Vorsicht scheint geboten zu sein.

Konjugierte Linolsäuren – CLA abgekürzt aus dem Englischen Conjugated Linoleic Acid – sind zweifach ungesättigte Fettsäuren, die natürlicherweise in der Milch und dem Fleisch von Wiederkäuern vorkommen. Konjugierte Linolsäuren werden oft als natürlich Schlankmacher und Allheilmittel angeboten. Hochdosierte Kapseln dieser Verbindungen stehen als Nahrungsergänzungsmittel in den Regalen von Drogerien und Supermärkten oder lassen sich im Internet bestellen.

Konjugierte Linolsäuren sollen verbrennen, Muskelmasse aufbauen, schön machen, gegen Entzündungen helfen und sogar vorbeugend gegen Krebs. Doch diese Versprechungen müssen mit Vorsicht betrachtet werden. Was ist wirklich wahr? Was weiss man?

 

Wie Konjugierte Linolsäuren das Körperfett und Muskelmasse beeinflussen

Konjugierte Linolsäuren kommen vor allem in Rindfleisch und Milchprodukten, Pflanzenöl und Meeresfrüchten vor. Bakterien, die im Darm von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Lämmern leben, können ebenfalls CLA aus Linolsäure gewinnen.

Konjugierte Linolsäuren sind eine Mischung von verschiedenen Isomeren, die alle verschiedene natürliche Formen der Linolsäure – einer so genannten »Freien Fettsäure« – sind. Forschungen haben gezeigt, dass viele der physiologischen Eigenschaften der CLA überwiegend den beiden wichtigsten Formen der CLA – nämlich c-9,t-11 CLA und t-10,c-12 CLA – zuzuordnen sind.

Die Art und Weise, wie CLA die Körperkomposition verbessert, wird noch immer untersucht. Konjugierte Linolsäuren haben ­gezeigt, dass sie die Aktivität von Lipoproteinlipase reduzieren. Das Enzym Lipoproteinlipase wird von den Zellen benötigt, um Fett aus der Blutbahn aufzunehmen. Gleichzeitig steigert CLA die Aktivität eines Enzyms, dass den Abbau von Fett beschleunigt. Die Speicherung von Fett wird damit herabgesetzt, Fett wird in höherem Ausmaß verbrannt und es wird daher weniger Muskelzellgewebe für die Energiegewinnung während eines katabolen Zustandes verbraucht. Das führt zu einer Verringerung der Fettmasse und zu einer Zunahme von Muskelmasse.

Eine Nahrungsergänzung mit CLA hat in einer Studie bei verschiedenen Tierarten eine Reduktion der Körperfettmasse bewirkt. Speziell bei Mäusen, Ratten und Hühnern hatte eine Fütterung mit CLA-Zusatz über 4 bis 8 Wochen zu einer Reduktion des Körperfettes um 60% geführt, die reine Muskelmasse erhöhte sich um 14%. Ähnliche Effekte wurden bei Schweinen, Ratten und Hühnern berichtet. Beim Menschen hat eine Nahrungsergänzung mit CLA die Muskelmasse bei Sportlern erhöht.

 

Konjugierte Linolsäuren und Ausdauertraining

Der Effekt von CLA, so scheint es, bedarf einer anabolen Stimulierung, wie z.B. durch Ausdauertraining. Die Wirkung von CLA auf die reine Muskelmasse kann durch ihre Fähigkeit der Steigerung der Insulin-Sensibilität erklärt werden. Bei normalgewichtigen und leicht übergewichtigen Menschen hat CLA den Körperfettanteil und das Körpergewicht reduziert. Es scheint, dass CLA die Anlagerung von Fett in den Zellen verhindert, indem es die Zerlegung von Nahrungsfetten beschleunigt. Es unterstützt den Körper auch beim Abbau von bestehenden Fettspeichern und beugt der Speicherung von Fett vor. Das Fett in der Blutbahn wird vom Körper zur Energiegewinnung herangezogen – haupt­sächlich von den Muskelzellen.

Auch Untersuchungen an Schweinen haben ergeben, dass die mit CLA zugefütterten Tiere wesentlich mehr Muskelgewebe und weniger Fett aufwiesen als die Tiere, die kein CLA erhalten hatten. Auf den Menschen umgelegt (kann man das?), resultiert daraus ein strafferer Körper mit höherem Muskeltonus und weniger Fettanteil.

 

Konjungierte Linolsäuren in Tierversuchen am Prüfstand

Weitere Studien an Zellgeweben von Tier und Mensch haben gezeigt, dass CLA günstige Aus­wirkungen auf den Körper haben kann. Es wurde gezeigt, dass das Risiko für gewisse Karzinome, Herzerkrankungen und Diabetes gesenkt werden konnte. Weiters soll die Immunabwehr und die »Körperkomposition«, das Verhältnis von Fett zu Muskelmasse, verbessert werden.

Die Körperkomposition durch konjungierte Linolsäuren

Der gesundheitliche Nutzen von CLA für die Körperkomposition scheint durch t-10,c-12 CLA hervorgerufen zu werden und kann durch seine folgenden Eigenschaften erklärt werden:

  • Steigerung des Fettabbaus
  • Hemmung der Befüllung von Fettzellen mit Fett
  • Hemmung der Vermehrung von Fettzellen
  • Gesteigerter Energieverbrauch

 

Kritisch: Deutsche Forscher entdecken, dass konjugierte Linolsäuren die Ausschüttung von Insulin stimulieren.

In einer Studie von Wissenschaftler der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit Tübinger Experten konnte vor einigen Jahren gezeigt werden, dass Konjugierte Linolsäuren in der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung von Insulin stimulieren. Valide Langzeitstudien am Menschen fehlen bisher, doch unter dem erwähnten Aspekt ist nicht abzusehen, was passiert, wenn jemand die Substanz über mehrere Jahre einnimmt.

Zuvor hatten Studien am Menschen keine Nebenwirkungen durch eine Nahrungsergänzung mit CLA, die beide Formen, c-9,t-11 CLA und t-10,c-12 CLA im Verhältnis von 50 : 50 enthält, ergeben. Eine Studie an übergewichtigen Männern mit Zeichen von prä-klinischem Diabetes hat gezeigt, dass eine Nahrungsergänzung mit CLA mit o. a. Verhältnis von 50 : 50 keinen Einfluss auf den Insulin- und Glukosestoffwechsel hatte. Ein Zusatz von angereichertem t-10,c-12 CLA Isomer allein hat jedoch Insulin und Glukosespiegel erhöht. Es gab aber keine Berichte über unerwünschte Wirkungen auf den Leber- und Glukosestoffwechsel bei mäßig bis stark übergewichtigen Menschen, die eine Nahrungs­ergänzung mit CLA erhielten.

Mehrere klinische Studien haben gezeigt, dass Menschen unter hohen CLA-Dosen entweder mehr oder weniger Insulin ausschütten und unter Umständen eine Insulinresistenz entwickeln. Die deutschen Forscher unterstreichen, dass nun der Mechanismus bekannt ist, mit dem die Substanzen auf die Bauchspeicheldrüsenzellen einwirken.

Konjugierte Linolsäuren greifen an einem ganz bestimmten Rezeptor an − ist der Blutzuckerspiegel hoch, schütten die Zellen daraufhin innerhalb von Sekunden vermehrt Insulin aus. Das haben die Forscher an Mäuse- und an Menschenzellen gezeigt, und zwar mit CLA-Mengen, die auch im Blut vorliegen können, wenn derjenige konjugierte Linolsäuren in Kapselform zu sich nimmt. Milch und Fleisch hingegen sind in dieser Hinsicht unbedenklich, da sie keine so hohen Mengen enthalten.

Es gibt keine Untersuchungen, ob Menschen, die regelmäßig mehrere Gramm der Substanzen schlucken, dadurch irgendwann Diabetes entwickeln. Denkbar wäre auch das Gegenteil, dass den Bauchspeicheldrüsenzellen die wiederholte Stimulation guttut und sich CLA als Arzneimittel gegen Diabetes Typ II eignet. Das alles müssen zukünftige Studien erst zeigen.

Zu bedenken ist aber: Konjugierte Linolsäuren wirken wie ein Arzneimittel und sind deshalb nicht unbedenklich einzunehmen. Gefordert sind seriöse Langzeitstudien am Menschen.

Quellen:

J. Schmidt, K. Liebscher, N. Merten, M. Grundmann, M. Mielenz, H. Sauerwein, E. Christiansen, M.E. Due-Hansen, T. Ulven, S. Ullrich, J. Gomeza, C. Drewke, E. Kostenis: Conjugated Linoleic Acids Mediate Insulin Release through Islet G Protein-coupled Receptor FFA1/GPR40, The Journal of Biological Chemistry, 2011.

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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