Konflikte in Paarbeziehungen

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Wichtiger Prädiktor für Trennung und Scheidung ist die individuelle emotionale Erregung während der Diskussionen in Paarbeziehungen.

Lassen sich Trennung oder Scheidung vorhersagen? Und wie lassen sie sich verhindern? Warum Prävention von Trennung und Scheidung? Über Kulturen hinweg bezeichnen Männer und Frauen eine stabile und andauernde Partnerschaft als zentralen und bedeutsamen Aspekt ihres Lebens. Allerdings werden in Deutschland mindestens 40 Prozent der Ehen zukünftig in Scheidung enden und viele Paarbeziehungen sind durch chronische Konflikte und Krisen gekennzeichnet, die für viele Partner und besonders für die Kinder (pro Jahr sind circa 150 000 minderjährige Kinder von Scheidung betroffen) oft sehr psychosoziale Langzeitbeeinträchtigungen nach sich ziehen.

Die Tatsache, dass einerseits Trennungen und Scheidungen sehr häufig sind und andererseits eine zufriedenstellende Partnerschaft einen wichtigen Faktor zur Aufrechterhaltung des Wohlbefindens und der Gesundheit der Betroffenen und ihrer Familien darstellt, verdeutlicht den großen Bedarf an frühzeitigen und ökonomischen Interventionen zur Förderung der langfristigen Zufriedenheit der Partner und zur Prävention von Problemen in Paarbeziehungen.

Ziel von Präventionsangeboten wie zum Beispiel das „EPL: Ein Partnerschaftliches Lernprogramm“ ist es, angemessene Kommunikation und Problemlösung zu fördern sowie die Aufmerksamkeit der Partner füreinander zu verbessern, wobei beziehungsrelevante Erwartungen und Einstellungen sowie der Bereich der Sexualität Berücksichtigung finden. Die Kurse werden in Gruppen zu vier Paaren an einem Wochenende von zwei zertifizierten Trainern durchgeführt. Da Partnerschaftskonflikte einen wichtigen Bestandteil des Zusammenseins darstellen, geht es nicht darum, diese zu verhindern, sondern vielmehr die Kompetenzen des Paares für den Umgang mit zukünftigen Konflikten zu steigern. In der Regel berichten Paare nach der Teilnahme am EPL eine hohe Zufriedenheit mit dem Programm. In drei Langzeitstudien an 180 Paaren mit Katamnesen von elf bis 25 Jahren konnte gezeigt werden, dass die Scheidungsrate um circa 50 Prozent gesenkt werden kann. Die Ergebnisse dieser prospektiven Längsschnittstudien verdeutlichen den Einfluss universeller Partnerschaftsinterventionen auf die Funktionsfähigkeit von Paaren über einen Zeitraum bis zu 25 Jahren.

 

Können wir Scheidung vorhersagen?

Als bedeutsamster empirischer Prädiktor für Trennung und Scheidung hat sich die individuelle emotionale Erregung während partnerschaftlicher Konfliktdiskussionen herausgestellt. Die Sprachgrundfrequenz (f0) als vokaler Index emotionaler Erregung basiert auf der menschlichen Stimme. Höhere f0-Werte werden als höhere Stimmlage wahrgenommen und hängen mit einer Reihe ungünstiger Partnerschaftsfaktoren (zum Beispiel mehr negatives und weniger positives Kommunikationsverhalten) zusammen.

Statement zu Paarbeziehungen von Professor em. Dr. Kurt Hahlweg, Niedersachsenprofessor für Klinische Psychologie und Psychotherapie, TU Braunschweig, Institut für Psychologie, Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Diagnostik im Rahmen des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie „Beziehung und Gesundheit“, 2016.

Literatur

Hahlweg, K., Richter, D.: Prevention of marital instability and distress. Results of an 11-year longitudinal follow-up study, Behavior Research and Therapy, 2010, 48 (5), S. 377-83. doi: 10.1016/j.brat.2009.12.010 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26192131

Hahlweg, K. et al: Predicting Long-term Risk for Relationship Dissolution Using Nonparametric Conditional Survival Trees, Journal of Family Psychology, 2015, Vol. 29 (6), S. 807-817, doi: 10.1037/fam0000134 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20053393

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