Klimakterium virile – die Wechseljahre des Mannes

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Das Klimakterium virile ist natürlicher Bestandteil des männlichen Alterungsprozesses und geht mit einem abnehmenden Testosteronspiegel einher. Es kommt vor allem zu psychosozialen Belastungen und zurückgehender sexueller Aktivität.

Grundsätzlich bewirken Androgene – allen voran das Testosteron – den Unterschied zwischen Mann und Frau. Warum sich die von Männern dominierte Medizin bis heute mehr mit den weiblichen als den männlichen Geschlechts­hormonen beschäftigt hat, liegt schlichtweg an der Zielgruppe der Patienten: Urologen haben diesbezügliche Nachteile gegen­über den Gynäkologen, weil Männer keine monatlichen Hormonumstellungen zu ertragen haben, nicht schwanger werden können und auch keine »Pille« brauchen.

Ohne die ­Erfindung der hormonellen Antikonzeptiva wäre die Forschung nicht so schnell in die Details des weiblichen Hormonhaushaltes vorgedrungen, so die Meinung zahlreicher Experten.

 

Klimakterium virile – keine richtige Andropause

Meist erst wenn es »im Bett« nicht mehr klappt oder wenn es beispielsweise durch ­eine Prostatahyperplasie zu Harnverhaltungen kommt, geht Mann zum Männerarzt. Urologen sind dann gefordert, sich mit dem männlichen Hormonhaushalt zu beschäftigen.

Wobei auch der Mann zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr an hormonelle Veränderungen leidet. Bei vielen Männern wird in dieser Phase ein Abfall der Testoste­ron-Produktion und in Einzelfällen ein Androgenmangel beobachtet. Die unten angegebenen Werte des Serumtestosterons sind mit einer enormen Streubreite nach oben und unten gemessen worden, ein Zeichen für ihre Variabilität.

Parallel dazu steigt das ­Luteinisierungshormon (LH) als physiologischer Stimulierungsfaktor stetig an. Nur die Östrogenspiegel bleiben beim Mann über die Jahre ­immer gleich. Ein totaler Ausfall der Androgenproduk­tion wird fast nie beobachtet, weshalb man auch nicht wirklich von der ­Andropause sprechen kann. Klimakterium virile ist die zutreffendste aller Bezeichnungen geworden, wobei eine Testosteronsubstitution nur in ausgewählten Fällen zu empfehlen ist, den solange die Hypothalamus-Hypophyse-Gonaden-Achse funktionsfähig ist, bringt die Substitution wenig.

 

Die Beschwerdebilder des ­Klimakterium virile

Die Beschwerden im Klimakterium virile sind ähnlich wie bei Frauen und sind auf den beschleunigten Rückgang des freien Testoste­rons zurückführen. Es kommt zu Leistungsabfall, Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Schlafunregelmäßigkeiten, Abnahme der Muskelmasse, Merk- und Konzentrationsschwäche, Abfall von Libido und Potenz sowie einer geringeren Rasurfrequenz.

Das typisch soziale »männliche Verhalten« schwindet, der Mann beginnt bezüglich Kompromissbereitschaft und Aggressivität der Frau ähnlicher zu werden.

Die Androgene prägen den Phänotypus »Mann« mit den entsprechenden Folgewirkungen, wenn deren Konzentration merklich absinkt. Potenzstörungen durch Androgenzufuhr zu beheben wäre naheliegend, ist jedoch nur in ausgesuchten Fällen erfolgreich – nämlich bei Hypogonadismus.

Das Prostatakarzinom Bei der Androgensubstitution kann ein bestehendes Prostatakarzinom Wachstumsimpulse empfangen. Ob Androgene ein Prostatakarzinom als solches wirklich auslösen können, ist nicht geklärt aber eher unwahrscheinlich.

Es gibt epidemiologische Befunde, denen zufolge erhöhte Testosteronspiegel mit einer erhöhten Prostatakarzinom-Inzidenz einhergehen – so beispielsweise bei Schwarzafrikanern. Unter der japanischen Bevölkerung verhält es sich genau umgekehrt: niedrige Spiegel führen zu niedriger Karzinomfrequenz. Übersiedeln Japaner nach Amerika, weisen sie nach einer Generation das selbe Prostata-Karzinomrisiko auf wie die dort einheimische Bevölkerung. Bekanntlich hat eine dauernde antiandrogene Therapie die selben Auswirkungen wie eine Kastration, d.h. die Prostatakarzinom-Häufigkeit geht gegen Null.

 

Klimakterium virile mit geringen spürbaren Auswirkungen

Es steht fest, dass es das Klimakterium des Mannes – Klimakterium virile – gibt. Wegen des langsamen, jahrelang verlaufenden Abfalls der Testosteronspiegel sind die hormonellen Veränderungen und ihre spürbaren Auswirkungen allerdings viel geringer ausgeprägt als bei der Frau. Bis zu einer Hormonersatztherapie beim Mann ist noch viel Forschungsarbeit vonnöten.

Quellen:

http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00120-011-2559-x

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=climacterium+virile

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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