Jodmangel in der Schwangerschaft

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Jodmangel in der Schwangerschaft kann fatale Folgen haben – bis hin zur Fehl- oder Frühgeburt, wobei bereits geringer Jodmangel in der Schwangerschaft der Hirnentwicklung des Kindes schadet.

Jodmangel in der Schwangerschaft tritt deswegen so häufig auf, da sich während einer Schwangerschaft der Jod-Bedarf verdoppelt. Jod wird für den Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt, für eine normale Schilddrüsenfunktion benötigt eine werdende Mutter in der Frühphase der Schwangerschaft etwa 50 Prozent mehr an Schilddrüsenhormonen.

Durch eine Hormonmessung im mütterlichen Blut in der frühen Schwangerschaft lässt sich ein Jodmangel nachweisen und entsprechend behandeln. Der Schilddrüsenfunktionstest beruht auf einer Messung des sogenannten Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) im Blut. Ist dieser Wert erhöht und werden zudem normale oder erniedrigte Werte des Schilddrüsenhormons Tetrajodthyronin (fT4) gemessen, ist dies ein Anzeichen für eine Unterfunktion der Drüse. Zu niedrige TSH-Werte weisen auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin.

Empfohlen wird, dass schwangerschaftsbedingte Veränderungen der Schilddrüsenwerte von eigenständigen Schilddrüsenfehlfunktionen abgegrenzt werden. Neben Jodmangel kann auch eine gestörte, fehlgeleitete körpereigene Abwehr Ursache für eine Schilddrüsenfehlfunktion sein. Besonders bei Frauen mit Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Typ-1-Diabetes und bei Frauen mit gehäuften Schilddrüsenerkrankungen in der Familie sollte bereits vor der Schwangerschaft die Schilddrüsenfunktion kontrolliert werden, raten Experten.

Nimmt eine Frau bereits Schilddrüsenhormone ein, muss die Dosis in der Schwangerschaft entsprechend angepasst werden. Wenn etwa unter der bisherigen Thyroxindosis eine normale Funktion vorliegt, so wird diese in der Regel um 30 Prozent erhöht.

Ein Jodmangel in der Schwangerschaft kann fatale Folgen haben – bis hin zu Fehl- oder Frühgeburt. Schon ein geringer Jodmangel in der Schwangerschaft schadet der Hirnentwicklung des Kindes. Es kann Sprach- und Hörbeeinträchtigungen verursachen, die geistige Entwicklung verzögern und die Motorik einschränken. Aufgrund einer wichtigen britischen Studie empfehlen Experten schwangeren Frauen die Einnahme von Jodtabletten.

 

Wesentliche Studie zu Jodmangel in der Schwangerschaft in Südengland 2013

Forscher hatten in Südengland jahrelang etwa 1000 Kinder von der Schwangerschaft ihrer Mütter bis zum Grundschulalter begleitet. Die Ergebnisse der Studie wurden 2013 in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht.

Bei zwei Drittel der Studienteilnehmerinnen wurde mittels Harntest ein Jodmangel in der Schwangerschaft festgestellt worden. Ihre Kinder hatten im Alter von acht Jahren häufiger schlechtere Ergebnisse im sprachlichen Teil eines Standard-Intelligenztests für Kinder als der Durchschnitt, und im neunten Lebensjahr fielen sie bei einer schulpsychologischen Untersuchung durch verminderte Fähigkeiten in Lese-Tests auf. „Sie waren langsamer, machten mehr Fehler und verstanden den Text schlechter als Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft ausreichend mit Jod versorgt waren“, berichtet Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). „Die Unterschiede in der kognitiven Entwicklung, also in Bezug auf die verstandesmäßigen Fähigkeiten, waren statistisch eindeutig. Eine Folge könnten schlechtere Schulnoten sein.“

 

Jodmangel in der Schwangerschaft als die wichtigste vermeidbare Ursache für einen Hirnschaden des Kindes

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrachtet Jodmangel in der Schwangerschaft als die wichtigste vermeidbare Ursache für einen Hirnschaden des Kindes. „Am meisten betroffen sind Entwicklungsländer. Doch auch die entwickelten Länder sind keineswegs immun, wie die aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt“, warnt Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Vize-Präsidentin der DGE und Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen. Auch in Deutschland hätten viele Frauen einen Jodmangel in der Schwangerschaft. Etwa ein Fünftel der Frauen habe schon vor der Schwangerschaft eine leichte Schilddrüsenvergrößerung, Struma genannt, die auf einen Mangel zurückzuführen ist.

Als lebenswichtiges Spurenelement muss Jod über die Nahrung aufgenommen werden. Seit bald 100 Jahren sind die Konsequenzen eines Jodmangels bekannt. Reagiert wurde darauf durch das Anreichern von Speisesalz mit Jod und die Verwendung dieses jodierten Salzes in der Nahrungsmittelindustrie. Seit einigen Jahren gibt es einen umgekehrten Trend. Professor Schatz: „Meersalz wird als ‚natürlicher‘ angepriesen und jodfreies Salz wird weltweit vermehrt von Lebensmittelherstellern eingesetzt. Wir gehen wieder einem Jodmangel entgegen, der nicht sein müsste.“

Mit Jod angereichertes Speisesalz allein ist für Schwangere nicht ausreichend, um das Joddefizit zu senken. „Wir empfehlen weiterhin, dass Schwangere und auch stillende Mütter nach Rücksprache mit ihrem Arzt Jodtabletten einnehmen“, betont Professor Führer. Die WHO empfiehlt bei Schwangerschaft und in der Stillzeit eine Jodaufnahme von insgesamt 250 Mikrogramm (µg) pro Tag.

Da mit der Nahrung täglich etwa 100 µg aufgenommen werden, heißt das konkret, dass die Schwangere pro Tag eine Tablette mit 100-150 µg Jod nehmen sollte. Die DGE-Vize-Präsidentin ergänzt: „Wir beobachten, dass Jodtabletten zu wenig verordnet werden.“ Auch dies könnte zu einer Zunahme von Jodmangel in der Schwangerschaft beigetragen.

Literatur:

Bath SC., Steer CD., Golding J., Emmett P., Rayman MP.: Effect of inadequate iodine status in UK pregnant women on cognitive outcomes in their children: results from the Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC). Lancet 2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)60436-5.

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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