Ist das Herz der Sitz der Seele?

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Zwar vermuten Experten den Sitz der Seele im zentralen Nervensystem im Gehirn, doch das Herz ist jenes Organ, das auf Emotionen automatisch am stärksten reagiert.

In zahlreichen Kulturen der Menschheit wurde in Jahrtausenden dem Herz als Sitz der Seele eine herausragende Bedeutung in unserem Seelenleben zugeschrieben. Die beschriebenen modernen, psychokardiologischen Aspekte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen jedenfalls durchaus die Annahme zu, dass das Herz der Sitz der Seele sein könnte.

 

Neue Erkenntnisse zum Herz als Sitz der Seele

Auch starke positive Emotionen – wie ein Lottogewinn, die Geburt eines Kindes oder die Wiederbegegnung mit einem geliebten Menschen – können einen sogenannten emotionalen Herzinfarkt auslösen. Man spricht in diesem Zusammenhang vom „Happy Heart-Syndrom“ im Gegensatz zum durch starke negative Emotionen ausgelösten „Broken-Heart-Syndrom“.

Emotionaler Dauerstress – beispielsweise durch Ärger oder Angst – und Depression sind eigenständige, unabhängige Risikofaktoren, an einer Herz-Kreislauferkrankung zu erkranken. In ihrer Wirkung sind sie mindestens gleich bedeutend wie die physischen Faktoren Bluthochdruck, zu hoher Cholesterinspiegel, Übergewicht, Diabetes, Rauchen und Bewegungsmangel. Die psychischen Faktoren wirken sich auch negativ auf den Heilungsverlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Lebensqualität mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.

In der Therapie und Rehabilitation von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt die Psychotherapie eine entscheidende Rolle, um Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität wieder herzustellen bzw. zu verbessern.

 

Direkte Datenautobahn Gehirn – Herz

Wer etwas am Herzen hat, hat tatsächlich ein höheres Risiko, früher oder später an einer Herz-Kreislauferkrankung zu leiden! Was die Volksweisheit in Millionen Gedichten, Liedern und Zeichnungen ausdrückt, kann die Wissenschaft inzwischen seriös beweisen: Das Herz ist jenes Organ, das auf Emotionen in jeder Ausdrucksweise automatisch am sensibelsten, stärksten und unmittelbarsten reagiert, weil es über den direktesten Draht zum Gehirn verfügt! Zwar ortet man in der Wissenschaft den Sitz der Seele nach wie vor im zentralen Nervensystem im Gehirn.

Zunehmend in den Fokus der Forschung gerät die „Datenleitung“ – jene psychokardiologischen Parameter, die Herz und Seele mit einander verknüpfen und emotionale Stressimpulse vom Gehirn in die Herzzellen transportieren. Es handelt sich dabei um drei „Datenautobahnen“, die nach neuesten Erkenntnissen in starker Intervention miteinander stehen:

  • Erstens das autonome Nervensystem, das sehr sensibel reagiert. Wenn wir beispielsweise an unsere erste Liebe denken, verstärkt sich der Herzschlag automatisch – wir brauchen nur daran zu denken!
  • Zweitens das Endokrine System mit einer Reihe schon bekannter Stresshormone, aber auch Hormone, die wir aus anderen Zusammenhängen kennen – zum Beispiel aus dem Essverhalten, die ebenso als Stresshormone wirken.
  • Und schließlich das überraschendste: das Immunsystem, das neben der Infektabwehr über eine neuroaktive Signalwirkung verfügt. Dem Körper ist es offenbar egal, ob Belastungen von Viren und Bakterien auf ihn einströmen oder ob es sich um mentale Belastungen handelt. Bei einem Stresstest reagiert das Immunsystem.

Quelle: Kardiologie Kongress Innsbruck 2016, Thema „Das Herz als Sitz der Seele“

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MEDMIX Online-Redaktion

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