Interaktionen durch Alternativ- und Komplementärmedizin bei Krebs

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Krebspatienten greifen oft zu alternativ- und komplementärmedizinischen Methoden für andere Beschwerden, wobei mögliche Interaktionen zu berücksichtig sind.

Besonders ältere Krebspatienten neigen dazu, auch komplementär- oder alternativmedizinische Behandlungsmethoden – auch für andere Beschwerden – einzusetzen. Dies könnte laufende Krebsbehandlungen jedoch negativ beeinflussen aufgrund möglicher Interaktionen.

 

Interaktionen durch aktive Inhaltsstoffe von Heilpflanzen und Co.

Alternativ- oder komplementärmedizinische Heilmethoden werden häufig als harmlos eingeschätzt und können in vielen Fällen auch zur Linderung von Unwohlsein oder bestimmten Beschwerden beitragen. Doch obwohl die meisten dieser Behandlungen als „natürlich“ gelten, sind häufig aktive Inhaltsstoffe enthalten, die chemisch oder biologisch mit anderen Therapien zu Interaktionen führen können.

Problematisch im Sinne von Interaktionen: Nur wenige Onkologen wissen, welche alternativen Heilmittel von ihren Patienten zusätzlich eingenommen werden.

Im Zuge aktueller Forschungsarbeiten untersuchten Wissenschafter Medikamente, die besonders von älteren Krebspatienten eingenommen werden und kommen dabei zu dem Schluss, dass 26 Prozent der befragten Patienten zu alternativ- oder komplementärmedizinischen Methoden greifen. „Nur wenige Onkologen wissen, welche alternativen Heilmittel von ihren Patienten zusätzlich eingenommen werden,“ so Ginah Nightingale, Professorin am Jefferson College of Pharmacy an der Thomas Jefferson University. „Patienten gehen davon aus, dass Heilmittel dieser Art sicher, natürlich und ungiftig sind und sehen daher keine Notwendigkeit, ihren Arzt über deren Einnahme zu informieren, speziell wenn dieser nicht explizit danach fragt.“

 

Interaktionen durch verschiedene natürliche Heilmittel

Doch eine Reihe dieser Heilmittel sind in der Lage, mit bestimmten Krebstherapien Interaktionen einzugehen. Beispielsweise schwächt die Einnahme von Johanniskraut manche Krebstherapien ab, wodurch diese an Wirkung verlieren. Andere hingegen können mit bestimmten Anästhetika – die bei Krebsoperationen eingesetzt werden – Interaktionen bewirken.

Doch nicht alle Interaktionen sind bekannt bzw. ausreichend untersucht. Weil alternativ- und komplementärmedizinische Substanzen als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft werden, fallen sie nicht unter die Kontrolle der Food and Drug Administration (FDA). Aus diesem Grund kann sowohl die Dosierung als auch die Wirkung und somit die Reaktion im Körper je nach Produkt und Patient variieren.

Patienten kombinieren häufig „natürliche“ Heilmittel bzw. Nahrungsergänzungsmittel mit systemischen Chemotherapien, Strahlentherapien und/oder operativen Eingriffen. Dies kann in manchen Fällen jedoch Interaktionen hervorrufen, Sicherheit und Wirksamkeit dieser Behandlungen massiv beeinträchtigen.

Gerade bei älteren Krebspatienten wird die ohnehin schon sehr lange Medikamentenliste durch den Gebrauch von alternativ- oder komplementärmedizinischen Heilmitteln noch länger. „Die gleichzeitige Einnahme von so vielen Medikamenten erhöht das Risiko für potenzielle Wechselwirkungen und Interaktionen,“ so Nightingale. „Die potenziellen klinischen Auswirkungen von alternativ- und komplementärmedizinischen Heilmittel sind besonders für Onkologen, aber auch anderes medizinisches Personal, von großer Bedeutung.“

Patienten kombinieren diese als „natürlich“ bezeichneten Heilmittel häufig mit systemischen Chemotherapien, Strahlentherapien und/oder operativen Eingriffen. Die sich daraus entwicklenden Interaktionen können in manchen Fällen jedoch die Sicherheit sowie die Wirksamkeit der Behandlungen massiv beeinträchtigen.

 

Verschiedene Experten beurteilten in der Studie mögliche Interaktionen

Im Zuge der Untersuchung wurden ältere Krebspatienten der Senior Adult Oncology Multi-Disciplinary Clinic befragt. Während ihres Besuchs wurden sie von Experten aus fünf verschiedenen Gebieten untersucht, darunter Onkologen, Geriater, klinische Pharmazeuten, Sozialarbeiter und Ernährungsberater. Als Teil dieser Untersuchung, wurden die Patienten zudem geboten, die von ihnen eingenommenen Medikamente zu vorzulegen.

Dabei stellte sich heraus, dass 26 Prozent der befragten Patienten – zusätzlich zu ihrer Behandlung – zu alternativ- und komplementärmedizinischen Heilmittel greifen, wobei dies besonders bei Frauen über 80 der Fall war. Beispielsweise nahmen die Patienten alternative Heilmittel zur Behandlung von Makuladegeneration, zur Verbesserung der Gelenksgesundheit, sowie Probiotika und Vitamin- und Mineralstoffpräparate ein. Die potenziellen Effekte dieser Substanzen wurden in der aktuellen Studie zwar untersucht, doch weiß man bei vielen Substanzen, dass sie biochemische Effekte auf den Körper haben können bzw. in der Lage sind, mit anderen Substanzen zu interagieren.

„Es ist wichtig, ein entsprechendes Screening durchzuführen, um die Medikamente, die insbesondere von älteren Krebspatienten eingenommen werden, zu untersuchen – darunter auch jene der Kategorie Alternativ- und Komplementärmedizin,“ so Dr. Nightingale. „Das Medikamenten-Repertoire der Patienten sollte klar und deutlich dokumentiert werden, um sicher zu gehen, dass die Einnahme etwaiger Substanzen mit dem behandelnden Arzt ausreichend abgestimmt wurde.“

Quelle: Ginah Nightingale, Emily Hajjar, Krystal Guo, Stephanie Komura, Eric Urnoski, Jocelyn Sendecki, Kristine Swartz, Andrew Chapman. A pharmacist-led medication assessment used to determine a more precise estimation of the prevalence of complementary and alternative medication (CAM) use among ambulatory senior adults with cancer. Journal of Geriatric Oncology, 2015; DOI: 10.1016/j.jgo.2015.07.003

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About Author

Dipl.-Ing. Alexandra Springler

Seit 2011 ist Dipl.-Ing. Alexandra Springler MEDMIX- und AFCOM-Mitarbeiterin. Nach Abschluss ihres Biotechnoligiestudiums ist sie nun in der Forschung tätig und absolviert zur Zeit ihr Doktorat.

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