Inhalative Asthmabehandlung bei Kindern

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In der inhalativen Asthmabehandlung bei Kindern ergeben sich besondere Probleme, denen mit geeigneten Inhalationsgeräten und adäquate Inhalations­technik zu begegnen ist.

Ein Großteil der pädiatrischen Asthmabehandlung ­erfolgt auf dem topischen, d.h. inhalativen Weg. ­Dazu ergeben sich bei Kindern aber besondere Probleme und Schwierigkeiten, welchen durch geeignete Inhalationsgeräte und adäquate Inhalations­technik zu begegnen ist. Eine genaueste Schulung ist deshalb essenziell.

 

Asthmabehandlung – small airway targeting

Grundvoraussetzung der pädiatrischen Asthmabehandlung ist ein Erreichen der kleinen Luftwege, das so genannte small airway targeting. Dazu sollte das Aerosol einen mittleren aerodynamischen Massendurchmesser von etwa 2µ haben, die Streuung um diesen Idealdurchmesser sollte möglichst gering bleiben.

Forderungen an das Gerät

Small Airway Targeting:
Entsprechende Partikelgröße = »Respirable particles« von 2–5 mm (Grundsätzliche Charakterisierung des Aerosols durch MMAD und geometrische Standarddeviation)
Stabilität: Reproduzierbare Leistung über lange Zeit
Interface: Vermeidung von Störfaktoren am Weg vom Gerät zum Patienten
Hygiene: Keimfreiheit und Reinigbarkeit (Trocknung)
Aerosol-Verträglichkeit: Beachtung von Osmoralität, pH und Temperatur

Neben diesen Überlegungen zur Aerosolqualität ist natürlich bei allen Inhalationsgeräten auf Einfachheit, Robustheit und adäquate Hygiene zu achten.

 

Verneblergeräte

In der pädiatrischen Asthmabehandlung sind vorwiegend Düsen-Verneblergeräte zum Einsatz gekommen. Da die vorliegenden Geräte einen Nebelausstoß haben, der deutlich unter den inspiratorischen Flußraten von auch kleinen Kindern liegt, ergibt sich das grundsätzliche ­Dosie­rungsproblem, dass kleine Kinder in Relation zur Größe ihres Respirationstraktes mehr inhalieren als größere Patienten. Die Aerosoldepositionsverteilung zwischen oberem und unterem Luftweg zeigt ebenfalls altersabhängige Unterschiedlichkeiten. Für exakt zu dosierende Substanzen ist deshalb das Düsenverneblergerät eine problematische Inhalationsform.

Neuere Gerätekonstruktionen, wie Atemzugsverstärkung und adaptative Systeme machen das Thema noch komplexer. Letztlich ergibt sich für Verneblergeräte auch noch das Problem der Kosten und der etwas schwierigeren Hygiene. Aus allen dargestellten Gründen werden Ver­neb­ler­geräte heute nur mehr in Ausnahmefällen als Langzeitinhalationsprinzip in der pädiatrischen Asthmabehandlung verwendet; nach wie vor haben sie aber einen bedeutenden Platz in der Erstversorgung von neuen, d.h. nicht auf andere Inhalationsformen geschulten Patienten. Grund­sätz­lich ist hier als »Interface« ein Mundstück vorzuziehen; bei Kindern unter 4 Jahren müssen Masken verwendet werden.

 

Dosieraerosol

Bei einem Dosieraerosol ergibt sich für Kinder zwei grundsätzliche Probleme. Einerseits ist durch die anatomischen Verhältnissen der Abstand zwischen Düse und ­Rachenhinterwand gering; aufgrund der hohen Initialgeschwindigkeit des Sprühstoßes wird ein Großteil des Medika­mentes auf der Rachenhinterwand im­paktiert und geht damit für die Inhalation verloren.

Zweites Problem ist die bei ­Kindern meist mangelnde Koordination zwischen manueller Auslösung und Inhalationsmanöver. Beide Nachteile werden durch die Verwendung von Vorschaltkammern, sogenannte Spacern kompensiert. Diese entfernen die Düse weit vom Rachen und neutralisieren effektiv Koordinationsprobleme. Typische Spacerprobleme sind falsche Größe und elektrostatische Aufladung. Ersterem ist mit unterschiedlich großen Spacern, letzterem mit Metallspacern oder Detergentien zu begegnen. Spezielle Konstruktionen für Säuglinge und Kleinkinder erlauben auch eine hocheffektive Asthmabehandlung bei kleinsten Patienten.

 

Atemzugsaktivierte Inhalationssysteme

Bei diesen Pulverinhalatoren wird das Aerosol durch den Atemzug des Patienten selbst entleert. Vorteil dieser Applikationsform ist das Vermeiden eines Koordinationsproblems zwischen Auslösung und ­Inhalation. Allerdings benötigen diese Inhalatoren eine inspiratorische Minimalströmung zur effektiven Entleerung des Wirkstoffes, und diese ist in der Regel erst ab einem Alter von 4 Jahren erreichbar. Bei Patienten mit akutem Asthma ist gelegentlich eine solche Minimalströmung ebenfalls nicht erzielbar; dementsprechend sind atemzugsaktivierte Inhalationssysteme nicht ideal zur akuten Asthmabehandlung geeignet. Alle Pulverinhalatoren sind feuchtigkeitsempfindlich.

Fazit. Aus den dargestellten Gesichtspunkten ergibt sich ein altersbezogenes Schema zur Auswahl des geeigneten Inhalationsgerätes. Die so getroffene richtige Geräte­wahl in Kombination mit einer sorgfältigen Schulung von kindlichem Patienten und Eltern ist Voraussetzung für eine effektive pädiatrische Asthmabehandlung.

Quellen:

Inhalative Asthma­­therapie bei Kindern. Univ.-Prof. Dr. Maximillian Zach. MEDMIX 2/2005

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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