Impingement-Syndrom bei Schulterengpass

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Für das Impingement-Syndrom – einer Funktionsstörung der Schulter infolge chronischer Überbelastung – stehen zahlreiche Therapienoptionen zur Verfügung.

Grundsätzlich ist bei Schulterschmerzen eine genaue und rasche Abklärung der Ursache bedeutend. Nur dann kann eine Therapie zielgerecht angreifen und wirken. Für die Schulter gilt – wie auch für die meisten anderen rheumatischen Erkrankungen gilt, dass frühzeitige Diagnose und Therapie die Chancen auf eine komplette Ausheilung erheblich verbessern. Das Impingement-Syndrom verursacht dauerhafte Beschwerden in der Schulter, bei den vor allem Überkopfarbeiten den betroffenen Patienten chronische Schmerzen bescheren.

 

Was das Impingement-Syndrom ist

Das Impingement-Syndrom wird auch als Schulterengpass-Syndrom bezeichnet. Man bezeichnet damit eine Funktionsstörung der Schulter infolge einer chronischen Überbelastung.

Die sogenannte Rotatorenmanschette – eine Gruppe von vier Muskeln im Schulterbereich – ist für das Drehen und Heben unserer Arme verantwortlich. Auch in der gesunden Schulter haben diese Muskeln zwischen dem Oberarmkopf und dem darüber liegenden Schulterdach nur wenig Platz. Wenn nun durch eine Erkrankung der Schulterraum verengt ist, so reiben die Sehnen bei jeder Bewegung am knöchernen Schulterdach und werden eingequetscht. Das verursacht erhebliche Schmerzen.

 

Charakteristische Beschwerden beim Impingement-Syndrom

Das Impingement-Syndrom ist die häufigste Störung des Schultergelenkes und tritt meist um das fünfzigste Lebensjahr auf, bei Frauen gleich häufig wie bei Männern. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden an dieser Erkrankung.

Die Ursachen für das Impingement-Syndrom sind Über- und Fehlbelastungen der Schultermuskeln mit Verdickungen der Sehnen, ein Schulterhochstand durch eine schlechte Haltung aber auch schlecht verheilte Knochenbrüche am Oberarmkopf. Begünstigt wird diese Erkrankung durch Kalkablagerungen in den Sehnen und durch eine Abnützung des Schultereckgelenkes (AC-Gelenk), das ein Teil des Schulterdaches ist.

Die Beschwerden treten oft schleichend auf und werden über viele Monate ignoriert. Folgende sind charakteristisch:

  •  beim seitlichen Heben des Armes zwischen 80 und 120 Grad. Schmerzen werden an der seitlichen Schulterpartie verspürt und können in den Oberarm ausstrahlen. Häufig treten diese Beschwerden beim Bügeln, Fenster putzen oder anderen Bewegungen, bei denen die Arme hochgehalten werden, auf.
  • Das seitliche Anheben des Armes gegen Widerstand verstärkt die Schmerzen.
  • Wechselnd starke Spontan- und Ruheschmerzen. Das Liegen in der Nacht auf der betroffenen Schulter wird oft als sehr unangenehm empfunden.
  • Typische Bewegungsschmerzen: das Einschlagen der Hand auf dem Rücken (Schürzengriff), kombinierte Bewegungen wie Mantel anziehen oder Drehbewegungen mit gebeugtem Vorderarm (Schraubenzieherbewegung) sind schmerzhaft.
  • Reibegeräusch bei Bewegung.
  • Schmerzhafte Druckpunkte an der seitlichen und vorderen Schulterpartie.

 

Patienten beschreiben die Beschwerden oft sehr ungenau: von einer Ausstrahlung in den Arm oder den Rumpfbereich. Bei akuten auftretenden Beschwerden können selbst minimale Bewegungen der Schulter mit starken, heftigen Schmerzen verbunden sind. Die Schulter wirkt wie völlig eingesteift.

 

Diagnose bei Verdacht auf ein Impingement-Syndrom

Eine exakte Diagnose bei einem Impingement-Syndrom wird mittels Röntgenaufnahmen, Ultraschall und Magnetresonanz der Schulter durchgeführt. Die Bestimmung der Schulterhöhe, also des Freiraumes zwischen Oberarmkopf und Schulterdach, ist dabei entscheidend.

Grundsätzlich sollten bei Schulterbeschwerden immer gleichzeitig die Halswirbelsäule, das Ellbogengelenk und die Gelenke am Brustbein untersucht werden, da Ausstrahlungsschmerzen zu Fehldiagnosen führen können. Die aktive Beweglichkeitsprüfung und eine Reihe von Funktionstests für jeden einzelnen Muskel bringen schließlich die entscheidenden diagnostischen Hinweise.

Differentialdiagnose bei Schulterschmerzen. Alle Oberbauchorgane – Leber und Gallenblase – können bei Erkrankung mit Schulterschmerzen vergesellschaftet sein. Weiters kann ein linksseitiger Schulterschmerz eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße signalisieren. Außerdem können krankhafte Prozesse an der Wirbelsäule sowie Druckschädigungen von Nerven (Nervenkompressionssyndrome) Schulterbeschwerden vortäuschen.

 

Impingement-Syndrom-Therapie

Für das Impingement-Syndrom gibt es zahlreiche verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Bei akut aufgetretenen Beschwerden wird vorerst medikamentös behandelt. Die Therapie erfolgt mit meist mit Antirheumatika, die entzündungshemmend und schmerzstillend wirken.

Neben der oralen Verabreichung hat sich vor allem die Gabe von Infusionen mit hochdosiertem Vitamin-B-Komplex in der Impingement-Syndrom-Therapie als effizient erwiesen.

Besonders wirksam ist die Infiltration der Schulter mit Lokalanästhetika unter Zusatz von winzigen Kortisonmengen. Die Substanzen werden direkt unter das Schulterdach gespritzt und lösen die Entzündung auf. Meist sind mehrere Injektionen als Serie notwendig.

Gerade im akuten Stadium kann sich der Patient auch durch lokale Kältetherapie Linderung verschaffen. Diese Kältetherapie sollte 2 x täglich über jeweils 15 Minuten durchgeführt werden, in dem vorgefertigte Kältebeutel –wie beispielsweise tiefgefrorene Erbsen oder ein Plastiksack mit Eiswürfel – lokal aufgelegt werden. Idealerweise sollte man unter dem Eisbeutel ein Stofftuch verwenden, um lokale Kälteschäden an der Haut zu vermeiden.

Im akuten Stadium sollte man als Maßnahmen zur Impingement-Syndrom-Therapie die Schulter ruhig halten und Überkopfbewegungen vermeiden. Weiters wirken Elektrotherapie, Ultraschall und vor allem Akupunktur hervorragend gegen die Schmerzen.

 

Chronisches Impingement-Syndrom

Bei chronischen Verlaufsformen steht die Bewegungstherapie mit Muskelaufbau im Vordergrund. Trainiert werden anfangs jene Muskeln, die den Schulterraum erweitern, wie die Rückenmuskulatur und der Bizeps. Erst später werden die Rotatoren gestärkt.

Chronische Beschwerden werden mit örtlichen Wärmeanwendungen in Form von Schlammpackungen, Massagen, Bädern aber auch Elektrotherapie, Ultraschall und Akupunktur behandelt.

Ein weiteres sehr wirksames Mittel zur konservativen Therapie ist die niedrig dosierte Strahlentherapie. Durch die Applikation von Röntgenschwachstrahlen werden Entzündungen und kleine Kalkablagerungen aufgelöst.

Operative Maßnahmen kommen lediglich bei akutem Muskelabriss im Schulterbereich oder aber bei schweren anatomischen Veränderungen wie großräumigen Verkalkungen oder schweren Abnützungen der Gelenkflächen zum Einsatz.

Man darf jedoch nicht vergessen, dass im Anschluss an eine Schulteroperation die Funktion erst nach ca. einem Jahr wieder hergestellt ist und konsequente Heilgymnastik angesagt ist, um überhaupt ein gutes funktionelles Resultat zu erzielen.

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Dr. Thomas Schwingenschlögl

Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie sowie Ernährungsmediziner Zusatzausbildungen: Österreichisches Ärztekammerdiplom für Akupunktur Österreichisches Ärztekammerdiplom für Ernährungsmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Kurmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Notfallmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Neuraltherapie Österreichisches Ärztekammerdiplom für Manuelle Medizin (Chirotherapie) Ordination: Reisenbauerring 5/1/5, A - 2351 Wiener Neudorf Ordinationszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag von 8.00 bis 14.00 Uhr Mittwoch von 8.00 bis 18.00 Uhr Tel: 02236 / 865 910 E-Mail: gesundheit@dr-schwingenschloegl.at Wahlarzt für alle Kassen.

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