Im Mathematikunterricht Motivation fördern

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Lehrer können in Mathematik die Motivation fördern, wenn sie die individuelle Leistungsentwicklung ihre Schülerinnen und Schüler über die Zeit hinweg beurteilen.

Psychologinnen und Psychologen der Universitäten Mannheim und Augsburg sowie dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung haben in einer groß angelegten Längsschnittstudie herausgefunden, dass das Motivation fördern im Mathematikunterricht mit der Beurteilung der individuelle Leistungsentwicklung verbunden ist. anstatt soziale Vergleiche im Klassenverbund anzustellen.

Mit dem Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen verschlechtert sich häufig die Motivation vieler Schülerinnen und Schüler. „Lehrkräfte können dieser Entwicklung entgegenwirken und Motivationseinbußen abfedern, wenn sie die individuelle Leistungsentwicklung beurteilen“, sagt Oliver Dickhäuser, Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Mannheim. Aus der pädagogisch-psychologischen Forschung ist bekannt, dass Lehrkräfte sich darin unterscheiden, welche Maßstäbe sie bei der Bewertung von Schülerleistungen anlegen – man spricht in der Forschung von Bezugsnormen. Eine soziale Bezugsnormorientierung äußert sich in der Tendenz, Leistungen Einzelner primär im Vergleich mit anderen Schülerinnen und Schülern zu beurteilen. Eine individuelle Bezugsnormorientierung zeigt sich darin, dass Lehrkräfte Leistungen eher im Verlauf der Zeit – also im Sinne einer individuellen Verbesserung oder Verschlechterung – beurteilen.

Befragung von 1641 Schülerinnen und Schülern

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen hat Dickhäuser nun in einer groß angelegten Studie den Zusammenhang zwischen der Bezugsnormorientierung von Lehrkräften einerseits und motivationalen Überzeugungen von Schülerinnen und Schülern andererseits untersucht. Zu diesen Überzeugungen zählt zum Beispiel, wie gut man seine eigenen Fähigkeiten einschätzt (das sogenannte Fähigkeitsselbstkonzept) und ob man glaubt, seine Fähigkeiten steigern zu können (die sogenannte implizite Fähigkeitstheorie). Dafür befragten sie 1641 Gymnasialschülerinnen und -schüler aus 69 Klassen fünfmal im Verlauf des fünften und sechsten Schuljahrs. Die erste Datenerhebung fand zu Beginn der fünften Klasse statt. Die Befragten gaben an, welche Mathematiknoten sie auf dem Abschlusszeugnis der vierten Klasse hatten. Außerdem beantworteten sie Fragen zu ihrem Fähigkeitsselbstkonzept und zu ihrer impliziten Fähigkeitstheorie.

Zu Beginn des sechsten Schuljahrs wurde dann die aktuelle Bezugsnormorientierung einer Lehrkraft durch die Schülerinnen und Schüler erfragt. Insgesamt gab es sechs Fragen. Drei Fragen bezogen sich auf die individuelle Bezugsnorm („Mein Lehrer meint, ein gutes Ergebnis in Mathe ist, wenn man sich verbessert hat“). Die drei anderen Fragen bezogen sich auf die soziale Bezugsnorm (Mein Lehrer meint, ein gutes Ergebnis in Mathe ist, wenn man besser ist als andere in der Klasse“).

Motivation fördern mittels individuelle Bezugsnormorientierung

Die Analysen zeigen allgemein, dass sich das Fähigkeitsselbstkonzept und die implizite Fähigkeitstheorie im Verlauf der ersten zwei Jahre in der Sekundarstufe ungünstig entwickelten. Im Zusammenhang mit der Bezugsnormorientierung ergab sich folgendes Bild: Eine soziale Bezugsnormorientierung der Lehrkraft ging mit stärkeren Verschlechterungen im Fähigkeitsselbstkonzept und der impliziten Fähigkeitstheorie einher, und dies umso stärker, je schlechter die schulischen Leistungen waren.

Dagegen ging eine ausgeprägtere individuelle Bezugsnormorientierung mit geringeren Verschlechterungen des Fähigkeitsselbstkonzepts und der impliziten Fähigkeitstheorie einher. Dieser fördernde Effekt zeigte sich unabhängig von der schulischen Leistung.

„Einem ungünstigen Verlauf motivationaler Überzeugungen können Lehrkräfte also dadurch entgegenwirken, dass sie ihren Schülerinnen und Schülern Verbesserungen und Verschlechterungen ihrer Leistungen im Vergleich zu früheren Leistungen zurückmelden“, erklärt Oliver Dickhäuser. „Eine solche Rückmeldung führt ihnen dann mit großer Wahrscheinlichkeit vor Augen, dass sich die Leistung vor allem in Abhängigkeit der eigenen Anstrengung verändert – dass sie also selbst etwas bewirken können.“

Originalpublikation:

Dickhäuser, O., Janke, S., Praetorius, A.-K. & Dresel, M. (2017) Effects of teachers‘ reference norm orientations on students‘ implicit theories and academic self-concepts. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie.

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