Hypertonie und LifeStyle

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Bei vorliegender Hypertonie sollte eine Verbesserung des LifeStyle als effizientes Mittel zur Senkung des Blutdrucks bei allen Patienten erfolgen.

Unser LifeStyle steht in dreifacher Weise in Beziehung zu unserem arteriellen Blutdruck (Abb. 1). »Schlechter« LifeStyle kann arterielle Hypertonie auslösen beziehungsweise verstärken. Hingegen kann sich arterielle Hypertonie durch »guten« LifeStyle bessern, er kann sogar beseitigt werden.

Die Folgen der arteriellen Hypertonie können den Patienten letztlich dazu zwingen, seinen LifeStyle zu ändern. Das geschieht dann allerdings unabhängig davon, ob er »will« oder nicht. Zu den Folgen zählen vor allem Insult, Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt, Niereninsuffizenz, pAVK, Retinopathie, Aortendissektion sowie eine Demenz.

Das Ziel medizinischen Handelns ist daher vor allem das Vorbeugen der oben genannten, häufig irreversiblen Folgen der arteriellen Hypertonie. Letztendlich sollte das bereits als Primärprävention beginnen, indem man durch »guten« LifeStyle eine ­arterielle Hypertonie möglichst bereits vor Entstehung ­verhindert.

LifeStyle-Tabelle

Bei bereits vorliegender arte­rieller Hypertonie sollten alle (!) Patienten zur effizienten Blutdrucksenkung ihren LifeStyle verbessern. Wichtige LifeStyle-Elemente sind dabei vor allem die Vermeidung von Adipositas, Bewegungsarmut, Rauchen, vermehrter Kochsalzzufuhr, Koffein und Alkoholmissbrauch. Sie sind sowohl auf der »ursächlichen« als auch auf der »therapeutischen« Seite der arteriellen Hypertonie erfolgversprechend einsetzbar (Tabelle 1).

 

LifeStyle und kardiovaskuläre Risiko

Die potenzielle Gefährlichkeit der arteriellen Hypertonie steht heute völlig außer Zweifel. Denn es ist bekannt, dass sich das kardiovas­kuläre Risiko – beginnend schon bei 115/75 mmHg – mit jedem Blutdruck-Anstieg um 20/10 mmHg verdoppelt!

Dabei endet der optimale Blutdruck bereits bei 120/80 mmHg, es folgen der normale Blutdruck bis 130/85 mmHg und der hoch-normale Blutdruck bis 140/90 mmHg. Schließlich gelten weltweit alle darüber liegenden Werte als hypertensiv.

Die Lebensweise – der ­LifeStyle – jedes Patienten trägt dabei ganz wesentlich zur ­Höhe seines Blutdrucks und damit zu seinem kardiovaskulären Risiko bei. Diese Risikoerhöhung durch verschiedenste LifeStyle-Faktoren beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Höhe des arteriellen Blutdrucks, sondern findet auch in anderen Parametern (z.B. Plasmalipiden, Insulinsensitivität, usw.) ihren Niederschlag, die in ihrer Gesamtsumme das gesamte kardiovaskuläre Risiko eines Patienten bestimmen – das wiederum zu einem ganz wesentlichen Teil von dessen LifeStyle abhängt.

 

Einfluss des LifeStyle auf den arteriellen Blutdruck

Vor allem die folgenden LifeStyle-Faktoren beeinflussen den Blutdruck ganz wesentlich und können damit zum Auftreten einer arteriellen Hypertonie führen: Adipositas führt über Hyper­insulinämie zu erhöhter Sympathikus-Aktivität, verminderter Vasodilatation, vermehrter Kochsalz-Retention, vermehrter Gefäß-Hypertrophie, einem Anstieg der Insulin-Resistenz, und über diese Mechanismen letztlich zu einem Anstieg des Blutdrucks.

Auf der anderen Seite ist Körpergewichtsreduktion (bei übergewichtigen Patienten!) wahrscheinlich die LifeStyle-Modifikation mit dem besten antihypertensiven Effekt: Bei einer Gewichtabnahme von 10 kg darf mit einer Blutdruckreduktion von bis zu –16/–13 mmHg gerechnet werden. Zusätzlich kommt es jedoch auch noch zu einer Reduktion von linksventrikulärer Hypertrophie, Hyperli­pidämie, Insulinresistenz und des Bedarfs an Antihypertensiva.

 

Ernährung

Über eine Körpergewichtsreduktion hinausgehend kann auch eine fettarme und ballaststoffreiche Diät zu einer Blutdruckreduktion beitragen.

 

Bewegungsmangel

Körperliche Aktivität, regelmäßig betrieben, trägt ganz wesentlich zur Blutdruck-Senkung bei, während permanente körperliche Inaktivität die Gefahr des Auftretens einer arteriellen Hypertonie innerhalb von 10 Jahren um 50% erhöht.

 

Kochsalz-Restriktion

Vermehrte Kochsalz-Zufuhr erhöht den Blutdruck, Kochsalz-Restriktion führt hingegen zu ­einer Blutdruck-Senkung bis zu –6/–3 mmHg, zusätzlich verstärkt sie auch noch die Wirkung von Antihypertensiva. Bei »exzessiv« betriebener Kochsalz-Restriktion sollte an die Gefahr einer Hypokaliämie gedacht werden.

 

Rauchen

Rauchen erhöht den arteriellen Blutdruck. Auf der anderen Seite konnte bisher noch nicht schlüssig gezeigt werden, dass die Aufgabe von Nikotinkonsum eine arterielle Hypertonie günstig beeinflussen kann. Aufgrund der zahlreichen weiteren Risiken des Rauchens (Arterio­sklerose mit all ihren Erscheinungsformen, Karzinome verschiedenster Art, usw.) steht jedoch heute völlig außer Zweifel, dass einerseits Rauchen das (v.a. kardiovaskuläre) Risiko erhöht, während umgekehrt die Aufgabe eines regelmäßigen Nikotinkonsums das Gesamtrisiko deutlich senkt.

 

Koffein

Koffein wirkt als indirektes Sympathikomimetikum, es erhöht den Blutdruck vor allem akut, die Wirkung hält etwa 2–4 Stunden an, anschließend kann es sogar zu einem Blutdruck-Abfall kommen. Chronischer Koffein-Konsum kann aber auch durch das Auftreten von Hypotonie bei fehlendem Koffein zu einer Art von Abhängigkeit führen.

 

Alkohol

Alkohol zeigt unterschiedliche Wirkungen auf den Blutdruck: Akuter Alkoholkonsum führt (vor allem über Vasodilatation) zu einer Senkung des Blutdrucks. Nur chronischer Alkoholkonsum (regelmäßig größere Mengen über längere Zeit) führt zu arterieller Hypertonie. Eine solche Alkohol-bedingte arterielle Hypertonie kann dabei bei Abstinenz wieder völlig abklingen. Abgesehen vom arteriellen Blutdruck gilt im Hinblick auf die gesamte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität, dass ein täglicher Alkoholkonsum bei Frauen von maximal 20g/Tag und bei Männern von maximal 30g/Tag eher nützt als schadet. Dies gilt jedoch nicht für Patienten mit psychischen Problemen mit Alkohol oder für (ehema­lige oder aktuelle) Alkohol-Abhängige!

 

Zusammenfassung

In ihrer Gesamtheit stellen LifeStyle-Maßnahmen einen ganz wesentlichen Baustein der präventiven sowie therapeutischen Bluthochdruckbehandlung dar. Deswegen sollten sie fixer Bestandteil jeder Bluthochdruckbehandlung bei allen hypertensiven Patienten sein.

Literatur:

Achim Mortsiefer, Tobias Meysen, Martin Schumacher, Heinz-Harald Abholz, Karl Wegscheider, Jürgen in der Schmitten. From hypertension control to global cardiovascular risk management: an educational intervention in a cluster-randomised controlled trial. BMC Fam Pract. 2015; 16: 56. Published online 2015 May 7. doi: [10.1186/s12875-015-0274-1]

Keith M. Diaz, John N. Booth, III, David A. Calhoun, Marguerite R. Irvin, George Howard, Monika M. Safford, Paul Muntner, and Daichi Shimbo. Healthy Lifestyle Factors and Risk of Cardiovascular Events and Mortality in Treatment-Resistant Hypertension: The Regards Study. Hypertension. 2014 Sep; 64(3): 465–471.


Quelle: Hypertonie und LifeStyle.  Univ.-Doz. Dr. Kurt Stoschitzky, Univ.-Prof. Dr. Robert Zweiker. MEDMIX 4/2006

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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