HIV-Infektion schädigt sofort Herzmuskelzellen

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Zu Beginn einer HIV-Infektion treten meistens grippeähnliche Symptome auf, in dieser Akutphase kommt es schon zum Absterben von Herzmuskelzellen.

In den ersten ein bis zwei Wochen nach Übertragung des Virus kommt es in dieser akuten Phase einer neuen HIV-Infektion zu eine enormen Anzahl von HI-Viren im Blut der PatientInnen. Spezifische Antikörper gegen HI-Viren sind hingegen noch nicht vorhanden, da sich diese erst nach einigen Wochen ausbilden.

In dieser Phase einer HIV-Infektion führt das Immunsystem ein schweren Abwehrkampf gegen die Krankheitserreger, was sich in einer ausgeprägten systemischen Entzündungsreaktion im Blut niederschlägt. Aufgrund der massiven Viruslast im Blut beziehungsweise in den Genitalsekreten sind Patienten in dieser Zeit sehr ansteckend. Doch die grippeähnliche Symptome wie Fieber, vergrößerte Lymphknoten, Ausschläge oder Muskelschmerzen verschwinden in der Regel nach etwa zwei Wochen von selbst, weshalb selten an eine HIV-Infektion gedacht wird und bei den wenigsten Betroffenen zu diesem Zeitpunkt bereits krankheitsspezifische Abklärungen vorgenommen werden.

Etwa zwei Millionen Menschen pro Jahr erleiden weltweit  eine HIV-Infektion. In Österreich wurden im Jahr 2016 gemäß der Aids Hilfe Wien 447 Neu-Diagnosen registriert. Die Therapie hat sich in den vergangenen 20 Jahren wesentlich verändert, und dank anti-retroviraler Behandlung gelingt es heute, das Ausbrechen von AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) zu verhindern. Unter der Voraussetzung, dass die mittlerweile sehr gut verträglichen Medikamente konsequent eingenommen werden, erreichen die Betroffenen eine annähernd gleiche Lebenserwartung wie Nicht-HIV-Infizierte.

 

Schädigung von Herzmuskelzellen in der Akutphase einer HIV-Infektion

Ein Forschungsteam um den Dermatologen Christopher Schuster von der Universitätsklinik für Dermatologie, den Kardiologen Georg Goliasch von der Universitätsklinik für Innere Medizin II sowie den Dermatologen und Leiter der HIV-Ambulanz, Armin Rieger, konnte nun nachweisen, dass es in den ersten Tagen nach einer HIV-Infektion – in denen bei den meisten PatientInnen grippeähnliche Symptome auftreten, die häufig Therapie wieder verschwinden – bereits zu einer Schädigung von Herzmuskelzellen und damit zu einem erhöhten Risiko für künftige Herzerkrankungen kommt. Die Dermatologen Christopher Schuster und Armin Rieger betonen: „Es ist wichtig zu wissen, dass zur richtigen Diagnose weniger die objektivierbaren Symptome als vielmehr die anamnestischen Angaben des Patienten betreffend eines allfälligen Risikoverhaltens ausschlaggebend sind“.

Die Wissenschaftler konnten nun in einer Studie mit 49 PatientInnen zeigen, dass schon in der Akutphase bei etwa jedem vierten Erkrankten aufgrund des exzessiven Anstiegs der HIV-Viruslast und der zeitgleich bestehenden Immunaktivierung Herzmuskelzellen absterben. Konkret wurden dazu spezielle Biomarker, die auf eine funktionelle Beeinträchtigung bzw. auf einen strukturellen Schaden des Herzens hindeuten, zum Zeitpunkt der akuten HIV-Infektion sowie nach medikamentöser Unterdrückung der Virusreplikation abgenommen und unter Berücksichtigung diverser Nebenfaktoren verglichen.

Die im Journal of Infectious Diseases publizierte Studie legt nahe, jenen PatientInnen, bei denen eine sogenannte stumme Herzmuskelbeteiligung in der Akutphase vorliegt, ein intensiveres Monitoring zukommen zu lassen. Damit könnte das eventuelle Auftreten von zukünftigen Herzerkrankungen bereits frühzeitig erkannt und behandelt werden. Im Zusammenhang mit der HIV-Therapie ist noch darauf hinzuweisen, dass seit der „START“-Studie von 2015 HIV-PatientInnen lege artis sofort nach Diagnose ungeachtet des Immunstatus behandelt werden. Davor war es üblich, mit der Medikation erst ab bestimmten Schwellenwerten zu beginnen. Es ist abzuwarten, ob durch den frühen Therapiebeginn in den kommenden Jahren das Risiko kardialer Erkrankungen in HIV-Infizierten abnimmt.

Literatur:

The Journal of Infectious Diseases. Acute HIV Infection Results in Subclinical Inflammatory Cardiomyopathy. Christopher Schuster Florian J Mayer Corinna Wohlfahrt Rodrig Marculescu Michael Skoll Robert Strassl Noemi Pavo Theresia Popow-Kraupp Martin Hülsmann Martin Bauer, Maximilian C Aichelburg, Armin Rieger, Georg Goliasch. Doi/10.1093/infdis/jiy183/4955987.

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