HIV-Infektion – chronische Erkrankung statt Todesurteil

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Früher noch Todesurteil: heute kann in unseren Breiten nahezu jeder Patient mit einer HIV-Infektion effektiv und nebenwirkungsarm behandelt werden.

In kaum einem anderen Gebiet der Medizin gab es in den letzten Jahrzehnten einen solch rasanten Fortschritt wie bei der Behandlung der HIV-Infektion (Humanes-Immundefizienz-Virus-Infektion). Nach der Erstbeschreibung des Acquired-Immune-Deficiency-Syndroms (AIDS) 1981 und der Entdeckung von HIV als Ursache des Immundefektes 1983, stellte eine HIV-Infektion zunächst ein sicheres Todesurteil für die große Mehrzahl der betroffenen Patienten dar.

 

HIV-Infektion effektiv und nebenwirkungsarm therapieren

Bereits 1995 gelang dann der entscheidende Durchbruch mit der Entwicklung einer wirksamen Kombinationstherapie, die seither immer weiter verbessert und verfeinert wurde. Heute kann in Europa praktisch jeder Patient mit einer HIV-Infektion effektiv und nebenwirkungsarm behandelt werden.

Die Therapie ist für die Patienten auch sehr viel einfacher geworden im Vergleich zu den ersten Jahren. Waren in den Anfängen Cocktails von zehn oder mehr Tabletten pro Tag die Regel, ist heute vielfach eine Behandlung mit einer Tablette pro Tag möglich.

Die enorme Verbesserung der Therapiemöglichkeiten hat dazu geführt, dass Patienten mit einer HIV-Infektion heute ein normales Leben führen können und eine kaum eingeschränkte Lebenserwartung haben. Mehr noch – unter einer effektiven antiretroviralen Therapie gelten HIV-Patienten als nicht mehr ansteckend. Nicht vollständig geklärt ist allerdings, ob die lebenslange Behandlung einer HIV-Infektion nicht doch Langzeitnebenwirkungen hat. Befürchtet werden vor allem Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf- System, auf die Niere und auf die Knochen. Deshalb werden immer noch weitere neue Therapien entwickelt, die diese Risiken reduzieren sollen.

Mit der sehr guten Therapie der HIV-Infektion selbst spielen neben den möglichen Langzeitnebenwirkungen Begleiterkrankungen eine zunehmende Rolle: Bei einem Patienten mit HIV-Infektion und zum Beispiel Diabetes ist heute der Diabetes in der Regel das größere therapeutische Problem.

 

90-90-90-Regel – Herausforderung HIV-Diagnose

Die entscheidende Voraussetzung für eine gute Behandlung einer HIV-Infektion ist natürlich, dass die HIV-Diagnose überhaupt bekannt ist. Hier liegt noch eine der großen Herausforderungen. Die WHO hat dazu die 90-90-90-Regel verkündet:

  • 90 Prozent aller HIV-Patienten in einem Land sollen diagnostiziert sein,
  • davon sollen 90 Prozent behandelt werden und
  • davon wiederum sollen 90 Prozent keine nachweisbare Viruslast im Blut aufweisen.

Besonders die ersten 90 Prozent stellen in unseren Breiten ein Problem dar: Es ist nicht genau bekannt, wie viele infizierte Personen es ohne bekannte HIV-Diagnose gibt. Diese HIV-Positiven Betroffenen sind eine Ansteckungsquelle für andere und kommen häufig erst in einem Spätstadium der Erkrankung mit schweren Folgeerscheinungen in die Behandlung.

Es müssen Anstrengungen unternommen werden, dass besonders bei Personen mit Risikoverhalten vermehrt HIV-Tests durchgeführt werden. Und Ärzte sollten darin geschult sein, frühe Anzeichen einer HIV-Infektion zu erkennen und daraufhin Tests zu veranlassen.

Quelle:

Statement » HIV – vom Todesurteil zur chronischen Krankheit: Was heute in der Behandlung entscheidend ist « Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Task Force Infektiologie der DGIM, Leiter der Infektiologie, Klinik I für Innere Medizin, der Universitätsklinik Köln, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie zum DGIM2018, Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

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