Institution Ehe für den Nachwuchs wichtig

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Die Institution Ehe hat sich verändert: Investitionen in den Nachwuchs scheinen heutzutage die Triebfeder zu sein, um zu heiraten bzw. eine Ehe zu erhalten.

Laut US-Forschern ist die Institution Ehe heutzutage dazu da, als unterstützendes Instrument für die Nachkommenschaft da zu sein. Dadurch soll in die Zukunft der Kinder in vielerlei Hinsicht intensiver investiert werden können: zu Sicherheit und Gesundheit aber auch Zeit und Geld. Wo bleibt die Liebe?

Hochschulabsolventen und besser ausgebildete Menschen neigen dazu zu heiraten, bevor sie eine Familie gründen. Und wenn sie heiraten, sind ihre Ehen stabiler und halten wesentlich länger als die von Paaren mit geringerem Bildungsniveau.

 

Institution Ehe im 21. Jahrhundert in den USA

Die Institution Ehe hat im 21. Jahrhundert nicht mehr dieselbe Funktion und somit auch nicht mehr die selben Anreize wie früher. Seit den 1950er Jahren ist die Anzahl der heiratswilligen jungen Paare stetig gesunken. Dennoch heiraten die meisten US-Amerikaner nach wie vor einmal in ihrem Leben, wenngleich sich heute viele dafür entscheiden, dies später in ihrem Leben zu tun. Hier spielt Liebe sehr wohl eine bedeutende Rolle – wobei offensichtlich mit geringeren Langzeitfolgen.

Die beiden Wissenschaftler Prof. Shelly Lundberg, einer US-bekannten Demographie-Professorin am UC Santa Barbara, und Prof. Robert Pollak, Ökonom an der Washington University in St. Louis, untersuchten nun die veränderten Beweggründe der US-Amerikaner hinsichtlich der Institution Ehe. Dabei kamen vor allem ökonomische Faktoren als Messwerkzeuge zur Anwendung.

 

Hohes Einkommen und hohes Bildungsniveau bringen langfristige Beziehungen

Lundberg und Pollak unterstellen nun anhand der erhobenen Daten, dass für Familien mit hohem Einkommen und hohem Bildungsniveau die Institution Ehe als langfristige bzw. dauerhafte Beziehung größere Anreize bietet. Warum ist das so? Ihre Ergebnisse erscheinen aktuell in der Zeitschrift The Future of Children.

Shelly Lundberg untersuchte Veränderungen zur Institution Ehe. © Sonia Fernandez

Quelle: Sonia Fernandez

Shelly Lundberg untersuchte Veränderungen zur Institution Ehe.
© Sonia Fernandez

 

Frau schafft es heute auch alleine

Die Forscher zeigten im Zuge Ihrer Untersuchungen auf, dass sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts die Institution Ehe veränderte. Weiland gab es eine geschlechtsspezifische Spezialisierung: der Mann verdiente das Geld und versorgte so materiell Frau und Kinder, die Ehefrau ihrerseits übernahm zu Hause die Betreuung der Kinder. Das hat sich dramatisch verändert. „In einer geschlechtsspezifisch spezialisierten Wirtschaft, in der Männer und Frauen ganz unterschiedliche produktive Aufgaben ausführen, benötigte man damals ein langfristiges Arrangement, um die ökonomisch gefährdete Partei – das war seinerzeit die Frau – zu schützen und unterstützen“, so Lundberg.

„Aber seit das Bildungsniveau der Frauen anstieg, und das der Männer teilweise sogar übertraf, und seit Frauen mehr und mehr dem Job und der Karriere verpflichtet sind, wurde die Art der seinerzeitigen wirtschaftlichen Ungleichheit, die die erwähnte Arbeitsteilung im Haushalt unterstützte, ausgehöhlt.“ Da eine Trennung keine wirtschaftliche Tragödie mehr darstellt, kommt es folglich heute auch häufiger zu Trennungen und Scheidungen, bzw. gibt es auch wesentlich mehr alleinerziehende Mütter – trotz gemeinsamer Fortpflanzung verzichtet man öfters auf die Ehe.

 

Auffälliges Festhalten an traditionellen Heiratsmustern bei US-Familien mit hohem Einkommen und hohem Bildungsniveau

„Wenn das beschriebene Szenario für Menschen aller sozialer und ökonomischer Schichten Gültigkeit hätte, sollte die Statistik einen massiven Rückzug aus der Ehe aufzeigen. Dem ist aber nicht so, unsere Studie brachte ganz andere Ergebnisse“, so Prof. Lundberg.

Heutzutage würde die Institution Ehe vor allem als Unterstützungsinstrument und als intensive Investition in Zeit und Geld für die Kinder angesehen, um die Nachkommenschaft optimal für ihre Zukunft unterstützen zu können. Zumindest scheint es sich bei US-Familien mit hohem Einkommen und hohem Bildungsniveau so zu verhalten.

„Was sich zeigte, ist ein auffälliges Festhalten an den traditionellen Heiratsmustern bei College-Absolventen und bei Personen mit höherer beruflicher Qualifikation“, sagte Lundberg. „Wenngleich die Heiratsrate konstant rückläufig ist, so sank diese bei Personen mit ‚nur‘ High School-Level wesentlich stärker.“

 

Zuerst heiraten, dann Familie mit Kindern gründen

Dementsprechend neigen Hochschulabsolventen auch eher dazu zu heiraten, bevor sie eine Familie gründen. Und wenn sie heiraten, sind ihre Ehen stabiler als die von Paaren mit geringerem Bildungsniveau. Dies verwirrte Lundberg und Pollak. Die Forscher vermuten deswegen, dass es bei höher gestellten Paaren die primäre Funktion der Institution Ehe es ist, ein langfristiges stabiles Heim für Kinder zu schaffen – das wäre dann das moderne Arrangement zur Institution Ehe.

Es deutet allerdings vieles darauf hin, dass Investitionen in die Nachkommenschaft allgemein zur treibenden Kraft bei der Erhaltung der Institution Ehe wurde. Lundberg stellte fest, dass Mütter aller Einkommensschichten jetzt mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, als noch vor 30 Jahren üblich war.

Die Wettbewerbsbedingungen sind ungleich und der Fokus für einkommensschwache Eltern ist auf die Sicherheit und Gesundheit ihre Kinder gerichtet.

„In Bezug auf Zeit und Geld, haben die gut ausgebildeten, mit höherem Einkommen ausgestatteten Eltern – im Gegensatz zu den Eltern mit geringerem Einkommen – die Investitionen in ihre Kinder heutzutage um ein Vielfaches erhöht“, sagte Lundberg. „Sie haben das Know-how und die Ressourcen, und ihr eigener Anspruch ist es, dass sie ihren Kindern helfen, wirtschaftlich erfolgreich zu werden. Und dies auf eine Art und Weise, wie es für Eltern mit wesentlich geringeren Ressourcen nicht möglich ist.“

 

Ungleiche Wettbewerbsbedingungen könnte man im Sinne der Institution Ehe sozial abfedern und somit steuern

Nach Lundberg sind die Wettbewerbsbedingungen sehr unterschiedlich, der Fokus für einkommensschwache und weniger gebildete Eltern ist auf die Sicherheit und Gesundheit ihre Kinder gerichtet. Doch wenn das Gemeinschaftsprojekt einer intensiven Investition für die Kinder bzgl. Zeit und Geld außer Reichweite ist, scheint der Anreiz auch geringer zu sein, sich den ökonomischen Nachteilen einer Ehe oder Familie zu stellen. Hier könnte man allerdings sozialpolitisch positive Maßnahmen setzen.

„Wenn unsere Überlegungen stimmen, dann könnte man bei Eltern mit niedrigerem Einkommen das Investitionsinteresse in ihre Kinder fördern, indem man mehr und höhere soziale Ressourcen an die frühe Kindheit Zweck bindet, so dass die Eltern eine bessere Zukunft für ihre Kinder erwarten können“, sagte Lundberg. „Diese gesellschaftlichen Investitionen sollten weiters langfristige Beziehungen bei Eltern mit niedrigerem Einkommen und Bildungsniveau erstrebenswerter und vorteilhafter werden lassen.“

 

Wunsch zur Institution Ehe

Ein Aspekt der Institution Ehe hat sich im Lauf der Jahrzehnte allerdings nicht sehr geändert – nämlich der Wunsch danach: denn die meisten Männer und Frauen heiraten letztendlich ja doch. „Wenn man sich den Anteil der 50-Jährigen, die irgendwann einmal geheiratet haben, betrachtet, sind die Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen sehr, sehr klein“, sagt Lundberg. „Was allerdings wirklich auffällt, sind Unterschiede bezüglich Zeitpunkt der Eheschließung sowie der sehr hohe Anteil an Frauen mit niedrigerem Bildungsniveau, die ihr erstes Kind entweder alleine oder in einer bestehenden, nicht ehelichen Beziehung bekommen. Dies trifft bei Frauen mit einem Hochschul- oder höheren Abschluss eher selten zu.

„Das Timing ist außerordentlich suggestiv“ schließt Lundberg ab. „Fast jeder will letztendlich einmal heiraten. Die Frage ist nur, wann bzw. will man warten, bis man heiratet, bevor man ein Kind haben will und andere ähnliche Fragestellung?“ Es stellt sich auch die Frage, inwieweit die Untersuchung US-spezifisch ist, oder ob die Ergebnisse auch in Europa bzw. im deutschsprachigen Raum Relevanz haben.

 

Quelle: http://www.news.ucsb.edu/2015/016124/saying-i-do

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Manfred Karner

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