Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit gesundem Lebenstil vermeiden

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Wenn wir Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Griff bekommen könnten, hätten sowohl Frauen als auch Männer einen deutlichen Zugewinn an Lebenserwartung.

Wie statistische Daten zeigen, bleiben Herz-Kreislauf-Erkrankungen in unseren Breiten die häufigste Todesursache. Hier weisen Experten darauf hin, dass diese allerdings zu mehr als 80 Prozent auf vermeidbare Risikofaktoren zurückgehen. Beispielsweise gehören dazu hohe Cholesterinwerte und Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes, schlechte Ernährung sowie mangelnde Bewegung. Jahr für Jahr diskutieren unter anderem Gesundheitsexperten, Politiker und Ärzte effektive Gegenmaßnahmen. Dazu gehört vor allem ein besserer, gesünderer Lebensstil mit den Schwerpunkten Ernährung und Bewegung.

 

Lebensstil ist ausschlaggebend

Viele niederschwellige Projekte zielen darauf, dass die Menschen zukünftig ihren Leben gesünder ausrichten. Denn der Lebensstil ist ausschlaggebend. Allerdings ist trotz jahrezehntelanger Bemühungen das Problem mit Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht gelöst.

Die Entwicklung bei der Häufigkeit von Übergewicht, ­Adipositas und Diabetes ist speziell bei den jüngeren Menschen eher besorgniserregend.

Wenn man hingegen das Problem Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Griffe bekommen könnte, so hätten Frauen einen statistischen Zugewinn in der Lebenserwartung von 6,4 Jahren. Männer hätten sogar einen Gewinn von 9,6 Jahren.

Frühzeitig auftretende Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten prinzipiell als vermeidbar. Zwei Drittel des bereits beobachteten Rück­ganges akuter Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind auf die Verringerung der Cholesterinwerte, der Senkung von Bluthochdruck sowie auf Rauchstopp zurückzuführen.

 

Je besser ausgebildet und sozial höher gestellt umso gesünder

Doch während besser ausgebildete und sozial höher gestellte Menschen zunehmend auf einen gesünderen Lebensstil setzen, gibt es auch negative Parallelwelten. Hierbei scheint speziell unter Migranten und ärmeren Bevölkerungsschichten ein gesunder Lebensstil kein Thema zu sein. Deswegen fordern Experten, dass man speziellen Communities helfen sollte, die besonders betroffen sind.
43 Prozent aller Todesursachen in Österreich sind Herz-Kreislauf­-Erkrankungen, davon allein 19,9 Prozent ischämische Herzleiden. Erhöhte Cholesterinwerte tragen zu 37 Prozent zu einem höheren Risiko bei. Weiters verursacht das Rauchen ein Risiko von 8,8 Prozent, ein erhöhter Blutdruck ein Risiko von 7,5 Prozent. Eine Verbesserung der Sterbestatistik über verbesserte Behandlungsmodalitäten bringt hingegen nur eine Reduktion der Opferzahlen um 23 Prozent.

 

Beispiel Finnland

Wie stark ein gesünderer Lebensstil hier wirkt, zeigte unlängst das Beispiel von Finnland beziehungsweise seiner Region Nordkarelien. Im ganzen Land sank zwischen 1970 und dem Jahr 2014 durch entsprechende Programme die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit um etwas mehr als 70 Prozent, in Nordkarelien sogar um rund 85 Prozent. Dort hatte man wegen einer ehemals horrenden Herz-Kreislauf-Sterblichkeit intensive Aufklärungs-, Lebensstil- und Behandlungsprogramme realisiert.

Die extrem hohe kardiovaskuläre Mortalität in der finnischen Provinz Nordkarelien sorgte bei der Bevölkerung für große Besorgnis. In einer von lokalen Vertretern der Bevölkerung unterzeichneten Petition an die finnische Regierung wurden Maßnahmen zur Verringerung des Problems gefordert. Als Reaktion darauf wurde 1972 das Nordkarelien-Projekt ins Leben gerufen, um ein umfassendes gemeinschaftliches Präventionsprogramm durchzuführen.

Nach den ersten fünf Jahren wurden auch nationale Präventionsmaßnahmen gestartet. Das Hauptziel bestand darin, das extrem hohe Serumcholesterin, den Blutdruck und das Rauchen mit Lebenstil-Änderungen und einer verbesserten medikamentösen Behandlung, insbesondere bei Bluthochdruck, zu senken. Es wurde ein starker Rückgang des Serumcholesterins, des Blutdrucks und des Rauchens beobachtet. Die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringerte sich in der Bevölkerung im mittleren Alter von 1972 bis 2014 um 84%.

Etwa zwei Drittel wurde durch Risikofaktoränderungen und ein Drittel durch die Verbesserung neuer Therapien erklärt, die seit den 1980er Jahren entwickelt wurden.

 

Fazit

Eine Bevölkerungsbasierte Prävention durch Veränderungen des Lebensstils und der Umwelt ist der kostengünstigste und nachhaltigste Weg zur Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen nicht übertragbaren Krankheiten. In der gegenwärtigen globalen Situation wäre das eine mächtige Option.

Literatur:

Erkki Vartiainen. The North Karelia Project: Cardiovascular disease prevention in Finland. Glob Cardiol Sci Pract. 2018 Jun 30; 2018(2): 13. doi: 10.21542/gcsp.2018.13

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Alfred Felsberger

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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