Herpes labialis alternativ therapieren

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Herpes labialis –Lippenherpes – kann oftmals mit bekannten Wirkstoffen wie Nucleosid-Analoga nicht zufriedenstellend behandelt werden, Alternativen sind gefragt.

Ein geschwächtes Immunsystem führt speziell in der kalten Jahreszeit zu Erkältung oder grippalen Infekten. Akutem Stress, Müdigkeit oder starke UV-Strahlung sind oftmals dafür verantwortlich, dass Herpes-Viren leicht aus dem Wartezustand erwachen und Lippenherpes bzw. Herpes labialis auslösen.

 

Pflanzliche Alternativen bei Herpes labialis

Während sich der Mechanismus der Nucleosid-Analoga auf die selektive antivirale Wirkung in virusinfizierten Zellen konzentriert, schlägt die pflanzliche Hemmung der Virusausbreitung bei Herpes labialis einen gänzlich anderen Weg ein. Trockenextrakte aus Melissenblättern verhindern das Eindringen der Herpesviren in die Zelle und somit dessen rasante Ausbreitung. So kommt es aufgrund der reversiblen Blockade der für das Eindringen notwendigen Oberflächenrezeptoren zu einer rasch einsetzenden lokalen virustatischen Wirkung sowie zu einer Verkürzung der Abheilungsphase und möglicherweise einer Verlängerung der symptomfreien Intervalle. Die Anwendung, welche 2- bis 4-mal erfolgt, sollte vom Beginn der Herpes labialis-Erkrankung bis einige Tage nach Abheilen der Krankheitssymp­tome stattfinden.

Aber auch andere Komponenten natürlichen Ursprungs ­– beispielsweise aus Rhababerwurzel oder ­Salbei – verfügen über starke Wirkkraft, die sowohl den Virus be­kämpft, aber auch durch entzündungshemmende Eigenschaften zur Wund­heilung beträgt.

Vorteilhaft bei der Behandlung mit pflanzlichen Alternativen ist die sichere, bedenkenlose Anwendungsmöglichkeit auch bei Kindern.

 

Zink, Heparin, Selen und Carbenoxolon

Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass Zink-Sulfat Herpes simplex bei frühzeitiger Anwendung inaktivieren kann. Besonders in der akuten Phase der Herpes-Infektion sollte die topische Anwendung mit einer oralen Verabreichung von täglich 50 mg Zink unterstützt werden. Auch topische Verabreichungen enthalten Zinkionen. Diese lagern sich an der Virushülle ab und verhindern somit die Bindung der Erreger an die Zellrezeptoren der Wirtszelle.

Der Zusatz von Heparin intensiviert die virustatische Wirkung von Zink. Das Andocken des Herpes simplex-Virus an die Zellmembranen zu Beginn der Infektion erfolgt über die viralen Glykoproteine B und C, die an die zellulären Heparansulfat-Proteoglykane binden. Anschließend fusioniert die virale Umhüllung mit der Zellmembran, ein Prozess, der durch verschiedene weitere Rezeptoren der Zellmembranen kontrolliert wird (gB, gD und der gH-gL Komplex).

Auch Selen – beispielsweise als Spray äußerlich angewandt – kann durch seine antioxidativen Eigenschaften schnelle Linderung bei Lippenherpes erzielen. Sogar die Rezidiv-Intervalle zwischen dem Entstehen von Fieberblasen können verlängert werden. Dazu sollte ein mehrmals tägliches Aufsprühen sowohl auf die betroffenen Stellen als auch in die Mundschleimhaut erfolgen.

Altbewährt aber wirkungsvoll im Kampf gegen entzündliche Fieberblasen ist auch der Wirkstoff Carbenoxolon. Als Abkömmling der Glycyrrhetinsäure bewirkt er die irreversible Hemmung der Herpes simplex-Vermehrung.

Erreicht der Herpes simplex-Erreger seinen Aktivitätshöhepunkt, bereitet der Erreger langsam seinen Rückzug vor – die Folge: Das zuvor unbedingt erforderliche Virusstatikum ist nun fehl am Platz. Kaum weichen Viren, beginnen unliebsame Bakterien ihr Werk. Es entstehen bakterielle Superinfektionen – aufgeplatzte Bläschen und benachbarte Hautpartien beginnen zu brennen und zu nässen. Um bösartigen Entzündungen entgegenzuwirken, sind bakteriozid oder bakteriostatisch wirkende Präparate ein Muss.

Neben ihrer virusstatischen Eigenschaften eignen sich altbewährte Präparate mit Zink und Phenol auch in der Abheilungsphase der Herpes simplex-Infektion hervorragend. So besitzt Zink neben seinen antiviralen Eigenschaften auch eine heilungsfördernde, adstringierende Wirkung – die Anwendung ist bei nässenden Ausschlägen und infizierten Wunden bestensgeeignet.

Besonders nach dem Aufplatzen der Fieberblase sind Zink-hältige Heilsalben empfehlenswert, wobei der Zusatz von Heparin die Wirkung intensiviert. Neben der Förderung der Wundheilung besitzen sie zusätzlich eine antiseptische Wirkung gegen das Entstehen begleitender bakterieller Superinfektionen. Zink-hältige Cremes bzw. Gels bewirken bei mehrmals täglichem Auftragen ein Austrocknen der Bläs­chen, das Ausbreiten des Erregers auf gesunde Hautpartien wird verhindert.

Auch der Wirkstoff Carboxenol sollte keinesfalls ausschließlich auf die virusstatische Wirkung reduziert werden, denn er bietet zusätzlich antiinflammatorische Eigenschaften, die einer bakteriellen Superinfektion der betroffenen Stellen entgegenwirken. Das gelförmige Carbenoxolon sollte 4- bis 6-mal täglich bis zur vollständigen Abheilung der Läsionen auf die erkrankte Stelle aufgetragen werden. Eine Verabreichung kann auch bei Kindern erfolgen, jedoch sollten nur geringe Mengen dünn angewendet werden.

 

Aminosäure L-Lysin als Alternative

Die Zufuhr der Aminosäure L-Lysin bei Herpes labialis ist mittlerweile auch gut dokumentiert. L-Lysin verhält sich kompetitiv antagonistisch zur Aminosäure L-Arginin, welche die Vermehrung bzw. das Wachstum von Herpes-Viren fördert. L-Lysin hungert den Virus damit buchstäblich aus. Sowohl bei akuten Herpes-Infektionen als auch zur Reduktion von häufig wiederkehrenden Fieberblasen bietet L-Lysin „spurenlose“ Unterstützung. Der präventive Einsatz von L-Lysin vermag die herpesfreie Zeit zu verlängern (Rezidivprophylaxe). Weiters fördert L-Lysin die Kollagensynthese – ein perfekter Zusatznutzen hinsichtlich einer raschen Wundheilung.

 

Herpespflaster

Eine neuartige Behandlung der Herpes-Bläschen stellt der Einsatz von Fieberblasenpflastern dar, welche auf dem Prinzip der feuchten Wundheilung beruhen. Herpes­pflaster sind durchsichtige Plättchen, die bei den ersten Anzeichen auf die betroffenen Stellen aufgeklebt werden und so vor weiteren Infektionen oder der Virusverbreitung schützen. Des Weiteren bewirken sie eine Schmerzlinderung, verringern Rötungen und Schwellungen und lindern unangenehmes Jucken.

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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