Hänseleien erschweren langfristigen Abnehmerfolg

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Menschen mit Übergewicht und Adipositas, die in jungen Jahren wegen ihres Aussehens Hänseleien ertragen mussten, haben seltener einen langfristigen Abnehmerfolg.

Dass langfristiger Abnehmerfolg mit Hänseleien im Kinder- und Jugendalter zusammenhängen, ergab eine Studie des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) Adipositas-Erkrankungen der Universitätsmedizin Leipzig.

 

Stigmatisierung gegen Abnehmerfolg

Teilnehmer der Studie, die in Kindheit und Jugend für ihr Aussehen gehänselt wurden, konnten das niedrigere Gewicht langfristig schlechter halten als unbelastete Teilnehmer. Als Ursache dafür zeigte sich, dass die durch Stigmatisierung belasteten Personen stärker zu emotionalem Essen neigten.

Emotionales Essen bedeutet, dass bei Ärger, Stress, Traurigkeit, Langeweile und ähnlichen negativen Emotionen Betroffene versuchen, durch Essen wieder eine positivere Stimmung zu erreichen. In der Folge kann leicht ein Teufelskreis aus Hänseleien, negativen Emotionen, Frustessen und weiterem Gewichtsanstieg entstehen, der wiederum noch mehr Hänseleien nach sich zieht.

 

Emotionales Essen gegen Abnehmerfolg

Verschiedene Studien belegen, dass Auffälligkeiten im Essverhalten, wie vor allem auch emotionales Essen, eine langfristige Gewichtsabnahme beeinträchtigen. Man weiss allerdings derzeit wenig darüber, wie sich Stigmatisierung auf die Entwicklung des Gewichts auswirken.

Die Stigmatisierung von Menschen mit starkem Übergewicht hat neben dem geringeren und kürzeren Abnehmerfolg verschiedene weitere gravierende Auswirkungen: dazu gehört ein negatives Selbstbild, Essstörungen bis hin zu Depressionen.

Die Wissenschaftler raten daher, dass für die Behandlung einer Adipositas der Zusammenhang zwischen Stigmatisierung und einem kleineren langfristigen Abnehmerfolg beachtet werden sollte. Denn nur ein anhaltend niedrigeres Körpergewicht hilft, schwere Folgeerkrankungen einer Adipositas wie Diabetes, Arteriosklerose, Fettleber oder Bluthochdruck zu reduzieren.

 

Strategien, um den Abnehmerfolg langfristig zu halten

Derzeit schaffen es nur 17 bis 34 Prozent der Menschen mit Übergewicht und Adipositas nach einer Gewichtsreduktion, den Abnehmerfolg langfristig zu halten. Um Adipositas-Therapien nachhaltiger zu machen, wäre es folglich notwendig, die gewichtsbezogene Stigmatisierung durch mehr gesellschaftliche Aufklärung zu Adipositas zu verringern und den Umgang der Betroffenen damit zu verbessern. Weiters können Bewältigungsstrategien helfen, bei denen Betroffene lernen, wann sie mit Essen auf negative Gefühle reagieren und welche alternativen Verhaltensweisen möglich sind.

Quelle:

Weight-related teasing and non-normative eating behaviors as predictors of weight loss maintenance. A longitudinal mediation analysis, in Appetite. Appetite. 2016 Jul 1;102:25-31. doi: 10.1016/j.appet.2016.02.017. Epub 2016 Feb 11.

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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