Gicht-Ursache und Gichttherapie

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Gicht ist ein typisch entzündliches rheumatisches Leiden, als Gicht-Ursache spielen neben Erbfaktoren vor allem Ernährungsgewohnheiten die größte Rolle.

Ein Gichtanfall kommt oft über Nacht: geschwollene und schmerzhafte Gelenke, die heiß und gerötet, druck- und berührungsempfindlich und in der Bewegung stark eingeschränkt sind. Neben Finger- und Zehengelenken können Sprung- und Fußwurzelgelenke, Handgelenke oder Knie- und Ellbogengelenke befallen sein. Gicht kann aber auch chronisch werden. Dann kommt es dauerhaften Gelenkentzündungen mit Verformungen und Knotenbildungen an den Gelenken der Hände und Füße. Kraft, Beweglichkeit und damit die Funktionsfähigkeit der Gelenke sind erheblich eingeschränkt. Mit einer frühzeitigen Therapie kann man das aber verhindern! Bei Auftreten von Gelenkbeschwerden sollten Betroffene daher rechtzeitig einen Spezialisten konsultieren, um die Gicht-Ursache zu eruieren und die richtigen Behandlungsoptionen einzuleiten.

 

Gicht ist ein alter, schmerzhafter Bekannter

 In früheren Jahrhunderten war die Gicht eine Erkrankung der Reichen und Wohlhabenden. Auf zahlreichen Gemälden erkennt man wohlbeleibte Herrscher und Kirchenfürsten mit schmerzverzerrten Gesichtern und geschwollenen Gelenken. Als Gicht-Ursache haben übermäßige kulinarische Genüsse diesen Herren äußerst schmerzhafte Gelenkentzündungen (akute Gichtanfälle) beschert.

Medizinisch gesehen ist die Gicht eine entzündliche Erkrankung der Gelenke und der Weichteile, die durch Ablagerung von Harnsäurekristallen im Gewebe verursacht wird. Sie ist ein typisch entzündlich rheumatisches Leiden. Gleichzeitig zählt die Gicht auch zu den Stoffwechselerkrankungen, da eine erhöhte Bildung von Harnsäure in unserem Körper zur Bildung von Kristallen führt, die dann die schmerzhaften Gelenksentzündungen auslösen.

Gicht nimmt weltweit stark zu. Der hohe Lebensstandard vor allem in den westlichen Industrienationen, zunehmend aber auch in den boomenden Volkswirtschaften wie China, Indien oder Brasilien mit einem Überangebot an Lebensmitteln, hat als Gicht-Ursache in den letzten 20 Jahren zu einem enormen Anstieg an Gichtkranken geführt. Bei Männern ist Gicht mittlerweile die häufigste Ursache für entzündete Gelenke. Frauen holen zuletzt aber tüchtig auf: Die Gichtrate hat sich verdoppelt. Zudem sind immer mehr jüngere Menschen von diesem Leiden betroffen.

Als Gicht-Ursache spielen neben Erbfaktoren vor allem die Ernährungsgewohnheiten die größte Rolle. Essen wir eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch, Wurst, Fisch, Meeres- oder Hülsenfrüchte, werden diese in unserem Körper verdaut und verarbeitet. Als eines der Endprodukte dieser Verarbeitung entsteht Harnsäure, die dann durch die Nieren ausgeschieden wird. Essen wir zuviel von diesen Speisen, kommt die Niere mit der Ausscheidung nicht mehr nach. Der Harnsäurespiegel im Blut steigt an. Die überschüssige Harnsäure lagert sich zusätzlich in Form von Kristallen in den Gelenken und Organen ab und löst damit eine starke Entzündung aus.

 

Der akute Gichtanfall

Die direkte Folge der Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken ist der akute Gichtanfall. Meist aus völliger Gesundheit heraus entsteht eine hoch schmerzhafte Gelenkschwellung, häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden. Die Gelenke sind dabei stark geschwollen, extrem schmerzhaft, gerötet, heiß und oft so berührungsempfindlich, dass nicht einmal die Bettdecke oder eine feine Berührung toleriert werden.

Am häufigsten ist das Großzehengrundgelenk betroffen, in abnehmender Häufigkeit die anderen Fußgelenke, Knie- und Sprunggelenke und die kleinen Fingergelenke. Die Gicht führt auch zu einer Entzündung in den Weichteilen wie Sehnenscheiden und Schleimbeuteln. Ein akuter Gichtanfall dauert von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen. Je häufiger Gichtanfälle auftreten, desto länger und intensiver werden sie.

 

Gicht kann chronisch werden

Wer einen schmerzhaften Gichtanfall erlebt hat, wird sich keinen zweiten wünschen. Doch gerade das tritt in den meisten Fällen ein, wenn man nicht rechtzeitig etwas dagegen tut. Mit jedem Entzündungsschub werden die Gelenke zunehmend zerstört und abgenützt. Sie verformen sich und können dann nicht mehr richtig bewegt werden. Sah man früher oft das Endstadium der Gicht mit knotig entstellten Finger- und Zehengelenken, ist das dank guter Behandlungsmöglichkeiten heute seltener geworden. Im chronischen Stadium treten zusätzlich Gichtknoten in Sehnen, Schleimbeuteln, Ohrknorpel und Nieren auf. Besonders auf die Nieren muß man aufpassen, denn eine schlecht behandelte Gicht führt zu Nierensteinen und zerstört dieses Organ bis hin zur Schrumpfniere.

 

Erhöhte Harnsäurewerte

Die regelmäßige Bestimmung der Harnsäure im Blut ist ein wichtiger Test, um Risikopatienten rechtzeitig zu erkennen und die Therapie zu überprüfen. Im Normalfall findet man bei Frauen in 100ml Blut bis zu 5,5mg und bei Männern bis 6mg Harnsäure. Die Harnsäurespiegel steigen an, wenn die Ausscheidung durch die Nieren gestört ist oder durch starken Eiweißabbau im Körper vermehrt Harnsäure anfällt.

Eiweißreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Sojabohnen, Innereien, Fleisch, Wurst, Meeresfrüchte und Fisch erhöhen die Harnsäure. Vermehrter Alkoholgenuss (vor allem Bier!), eine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr oder strenges Fasten und Stress kommen ebenfalls als Gicht-Ursache in Frage. Neue Studien haben ergeben, dass auch der Fruchtzucker eine wesentliche Rolle bei der Gicht spielt. Ein erhöhter Konsum an Fruchtsäften und der Zusatz von Fruchtzucker in den verschiedensten Lebensmitteln sind daran schuld.

Gichtpatienten weisen meist erhöhte Harnsäuerwerte auf. Allerdings sind bei einem akuten Gichtanfall bei ca. 30% der Betroffenen die Werte im Normalbereich, was die Diagnose oft erschwert. Wichtig ist auch die Abgrenzung der Gicht von anderen rheumatischen Gelenkerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, das ist eine chronische Entzündung der Gelenke durch eine Störung unseres Immunsystems bedingt, oder den Gelenkabnützungen, den Arthrosen.

 

Präventive und akute Gichttherapie

Bei der Behandlung muss man zwischen der Therapie des akuten Gichtanfalls und einer Präventivtherapie zur Vermeidung neuer Gichtanfälle unterscheiden.

Beim schmerzhaften akuten Gichtanfall helfen entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente (Antirheumatika). Neben der oralen Einnahme haben sich entzündungshemmende Mischinfusionen mit hochdosiertem Vitamin-B- und C-Komplex dabei besonders bewährt. Auch Injektionen in die betroffenen Gelenke mit einer kleinen Kortisonmenge führen zu einem raschen Rückgang der Schmerzen. Zusätzlich sind eine lokale Kältetherapie (Eisbeutel, Coolpack, kalter Topfen) und kurzdauernde Bettruhe hilfreich.

Eine neue Gruppe von Medikamenten, die sogenannten Biologika, die seit Jahren erfolgreich zur Behandlung von chronischen Gelenks- und Wirbelsäulenentzündungen (rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Psoriasisarthritis) eingesetzt werden, kommen nun auch bei der Gichttherapie zur Anwendung. Der Interleukin1-Antagonist Canakinumab wird effizient zur Behandlung schwerer Gichtattacken verwendet.

Genauso wichtig wie die Schmerztherapie sind aber eine dauerhafte Senkung erhöhter Harnsäurespiegel und das Vermeiden neuer Gichtanfälle. Grundlage jeder Gichttherapie sind dabei diätetische Maßnahmen. Erst wenn durch eine entsprechende Ernährung die Harnsäure nicht gesenkt werden kann, kommen Medikamente zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Substanzen, die die Bildung von Harnsäure im Körper künstlich hemmen.

Diät bei Gicht im Überblick


Fleisch und Wurst sind gefährlich:

  • Auf Innereien (Hirn, Leber, Lunge etc.) verzichten
  • Fleisch und Wurst nicht mehr als zwei bis drei Mal pro Woche
  • Bei Geflügel und Fisch vor der Zubereitung die Haut entfernen
  • Fisch, Fischkonserven und Meeresfrüchte liefern viel Harnsäure
  • Eier sind unbedenklich

Milch und Milchprodukte

  • Milch, Buttermilch, Joghurt und Käse liefern kaum Harnsäure und sollten zur Deckung des Eiweißbedarfes herangezogen werden

Gemüse und Obst

  • Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen bilden große Harnsäuremengen, ebenso Soja und Sojaprodukte wie Tofu oder Sojafleisch
  • Bei folgenden Gemüsesorten sollten Sie aufpassen: Artischocken, Broccoli, Schwarzwurzel, Lauch, Spinat, Rotkraut, Mais und Kohlsprossen
  • Fruchtzucker führt zu erhöhten Harnsäurespiegeln: Gichtpatienten sollten Fruchtsäfte, generell süßes Obst in großen Mengen und Fertigprodukte mit Fruchtzucker (Fruchtjoghurt, Saucen, Dressings) meiden

 


Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln

  • Knäckebrot, Salzstangerl, Weiß- und Mischbrot in größeren Mengen erhöhen die Harnsäurespiegel

Süße Lebensmittel

  • Fruchtzucker in Obst und Haushaltszucker in Süßspeisen können die Harnsäure akut erhöhen. Süßigkeiten mit Maß!

Alkohol als Gicht-Ursache. Alkohol meiden, denn Alkoholzufuhr führt zu einem raschen Harnsäureanstieg, besonders Bier. Wichtig ist eine Flüssigkeitszufuhr(Wasser, Tee, Fruchtsäfte) von mindestens zwei Litern gleichmäßig über den Tag verteilt.


Übergewicht als Gicht-Ursache. Übergewicht und Gicht sind häufig miteinander verbunden. Bei Gewichtsreduktion stellt sich eine niedrigere Harnsäurekonzentration im Blut ein.

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About Author

Dr. Thomas Schwingenschlögl

Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie sowie Ernährungsmediziner Zusatzausbildungen: Österreichisches Ärztekammerdiplom für Akupunktur Österreichisches Ärztekammerdiplom für Ernährungsmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Kurmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Notfallmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Neuraltherapie Österreichisches Ärztekammerdiplom für Manuelle Medizin (Chirotherapie) Ordination: Reisenbauerring 5/1/5, A - 2351 Wiener Neudorf Ordinationszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag von 8.00 bis 14.00 Uhr Mittwoch von 8.00 bis 18.00 Uhr Tel: 02236 / 865 910 E-Mail: gesundheit@dr-schwingenschloegl.at Wahlarzt für alle Kassen.

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