Fibromyalgie-Syndrom – ein weibliches Leiden?

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Am Fibromyalgie-Syndrom, dessen Ursache nach wie vor nicht geklärt ist, leiden etwa 12 Millionen in Europa, wobei Frauen bis zu 10mal häufiger als Männer betroffen sind.

Das Fibromyalgie-Syndrom ist ein Gesundheitsproblem, das in seiner Verbreitung ebenso wie in seinen Auswirkungen weitgehend unterschätzt und vielfach noch unbekannt ist. Geschätzte 12 Millionen Menschen in Europa leiden an Fibromyalgie, Frauen stellen 90 Prozent der Erkrankten.

 

Unbekanntes »Frauenleiden« Fibromyalgie-Syndrom

Weder weiss man heute im Detail, warum Fibromyalgie ein Frauenleiden ist, noch kennt man die genauen Schmerzursachen. Bis jetzt ist nicht klar, ob das Fibromyalgie-Syndrom auf Vererbung oder auf bestimmte Umweltbedingungen zurückzuführen ist. Statistisch belegt ist vor allem der enorme Frauenanteil beim Fibromyalgie-Syndrom.

Oft beginnen die Beschwerden in Stresssituationen, nach einer Krankheit oder einem Unfall. Auch dies weist darauf hin, dass eine Vielfalt von Faktoren Einfluss auf die Entstehung und individuelle Ausprägung der Beschwerden beim Fibromyalgie-Syndrom haben – psychische, soziale, genetische, hormonelle oder in der Schmerzleitung der Nerven liegende Ursachen.

Fibromyalgie-Patienten kämpfen mit vielen Problemen: Ganz besonders beeinträchtigend ist die Tatsache, mit ihren Leiden nicht ernst genommen zu werden, weil keine offensichtliche organische Ursache feststellbar ist.

 

Chronische Schmerzen und schmerzhafte Druckpunkte beim Fibromyalgie-Syndrom symptomatisch

Wesentliche Symptome der Erkrankung sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen über mehr als drei Monate, und schmerzhafte Druckpunkte an speziellen Ansatzstellen von Muskeln und Sehnen – die so genannten „Tender Points“.

Man geht davon aus, dass Menschen mit Fibromyalgie eine herabgesetzte Schmerzschwelle haben. Sie verspüren Schmerz auf weniger starke Reize als andere Menschen.

Begleitet sind die chronischen Schmerzzustände häufig von Müdigkeit, Schlafstörungen, Morgensteifigkeit und sogar kognitiven Defiziten, aber auch besonders häufig von Depression und Angststörungen.

Auffällig ist auch die Vergesellschaftung mit anderen wiederkehrenden oder chronischen Schmerzen wie Regelschmerzen, rheumatischen Erkrankungen, Gesichtsschmerzen oder Rückenschmerzen.

 

Multifaktorielles Geschehen bei Fibromyalgie erfordert eine multimodale Therapie

Auch wenn das Fibromyalgie-Syndrom nicht lebensbedrohlich ist, so ist es doch mit einer massiven Einschränkung der Lebensqualität und oft mit Beeinträchtigungen und Behinderung verbunden. So vielfältig die Faktoren sind, die bei dem Auftreten der Fibromyalgie eine Rolle spielen können, so wichtig ist es, dass auch die Therapie eine multimodale, als eine mit vielfältigen Vorgehensweisen, ist.

Im Allgemeinen gehören zur Behandlung vom Fibromyalgie-Syndrom der Einsatz von Medikamenten und Verhaltensmaßnahmen. Ziel ist es, die Symptome zu minimieren und den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern. Dennoch reicht keinesfalls eine Therapiemaßnahme für alle Symptome aus.

Man weiss heute, dass das Fibromyalgie-Syndrom auf herkömmliche entzündungshemmende Schmerzmittel eher schlecht anspricht. Linderung können Antidepressiva wie Fluoxetin, Dulexetin und Milnacipran (so Experten der Mayo-Clinic) bringen und der beim neuropathischem Schmerz eingesetzte Wirkstoff Pregabalin.

Sehr wichtig in der Therapie beim Fibromyalgie-Syndrom sind nichtmedikamentöse Methoden. Psychologische Schmerzbewältigung, Verhaltenstherapie, Akupunktur und Entspannungstechniken müssen dabei in ein multidisziplinäres Behandlungskonzept eingebunden sein.

Grundsätzlich sollten Ärzte und Therapeuten sowie die betroffenen Patienten auch an »psychosomatische Orthopäde« bzw. psychosomatische Maßnahmen denken.

 

Ausdauer- und Krafttraining für Fibromyalgie-PatientInnen

Nachweislich hilft auch Bewegung bei der Linderung der Beschwerden, vor allem Ausdauertraining wie etwa Schwimmen oder Walking. In Studien wurde auch entdeckt, dass Betroffene mit Fibromyalgie-Syndrom weniger Muskelkraft besitzen – beispielsweise in den Händen.

Ob diese verminderte Muskelkraft eine Ursache für das Fibromyalgie-Syndrom – oder daraus resultiert, dass Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom sich eher schonen, konnte nicht geklärt werden. Moderates Krafttraining kann auf jeden Fall auch die allgemeinen Beschwerden lindern und die Lebensqualität steigern.

 

Fibromyalgie-Syndrom heute als schweres Leiden anerkannt

Fibromyalgie-Patienten kämpfen mit vielen Problemen: Ganz besonders ist es das Risiko, mit ihren Leiden nicht ernst genommen zu werden, weil keine offensichtliche organische Ursache feststellbar ist.

Daher haben Betroffene auch oft eine erschreckend lange Odyssee quer durch die medizinischen Disziplinen hinter sich, bis sie endlich die richtige Diagnose und damit auch eine adäquate Therapie erhalten.

Das wiederum hat nicht nur dramatische Folgen für den einzelnen Fibromyalgie-Patienten, sondern auch für die Volkswirtschaften: Etwa ein Drittel der Fibromyalgie-Patienten, wie europäische Daten zeigen, müssen ihre Arbeitszeit reduzieren oder auf eine weniger anstrengende Tätigkeit umsteigen, um überhaupt zumindest teilweise im Arbeitsprozess bleiben zu können. 15 % der Betroffenen sind US-amerikanischen Daten zufolge wegen Arbeitsunfähigkeit frühpensioniert.

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Quellen und weitere Informationen:

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/fibromyalgia/basics/definition/con-20019243

http://www.efic.org/

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Ass.-Prof. Dr. Hannes Traxler

ARZT FÜR ALLGEMEINMEDIZIN FACHARZT FÜR ANATOMIE MEDIZINISCHE UNIVERSITÄT WIEN

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