Fettarme Ernährung zur Gewichtsreduktion bringt keine Vorteile

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Fettarme Ernährung scheint kaum wirksamer als fetthaltigere zu sein, auch Low-Carb zeigte nur geringe Vorteile. Alles zeigt in Richtung personalisierte Diäten bzw. Ernährung.

Zu einem unerwarteten Schluss kam eine umfassende Auswertung von 53 Studien, die sich mit Gewichtsreduktion beschäftigten und mehr als 68.000 Teilnehmer umfassten: Obwohl von vielen Experten empfohlen und dementsprechend weit verbreitet, zeigte sich, dass fettarme Ernährung – im Zusammenhang mit langfristigen Gewichtsverlust – nicht wirklich effektiver ist als fetthaltigere Ernährung.

„Oft wurden Fette durch Kohlenhydrate ersetzt, was ein geringeres Sättigungsgefühl und damit ein stärkeres Bedürfnis nach Zwischenmahlzeiten erzeugt. Mit bescheidenem Ergebnis!“

„Das ist ein wichtiges Ergebnis“, sagt Kevin Hall, Physiologe am US National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases in Bethesda, Maryland. „Fettarme Ernährung und dahingehende Diätempfehlungen scheinen langfristig relativ ineffektiv zu sein.“

Die Untersuchung – veröffentlicht im renommierten The Lancet Diabetes and Endocrinology – steht im Widerspruch zu den jahrzehntelang verbreiteten ärztlichen Ratschläge und passt zu dem heutzutage wachsenden Konsens darüber, dass der weitverbreitete Drang zu fettarmer Ernährung ein Irrtum war.

Fettarme Ernährung bringt keine Vorteile, fettreichere Ernährung und Low-Carb erzielte bessere Ergebnisse

Behauptungen, dass fettarme Ernährung Vorteile bieten soll, wurde schon lange in Frage gestellt. „Seit Jahrzehnten preisen wir die fettarme Ernährung als den einzig richtigen Weg zur Gewichtsreduktion an, aber die Anzahl übergewichtiger Menschen ist gestiegen“, sagt Deirdre Tobias, Co-Autor der Studie und Epidemiologe am Brigham and Women‘s Hospital in Boston, Massachusetts. „Es scheint nun offensichtlich, dass fettarme Ernährung nicht der richtige Weg war.“

Einige klinische Daten unterstützten diese Beobachtung. Aber Tobias‘ Untersuchungen sind sowohl in ihrer Größe und in ihrem Umfang einzigartig: Die Studie konzentrierte sich nur auf die langfristigen Ergebnisse der Ernährungspläne und es wurde auch deren Ernsthaftigkeit berücksichtigt, sagt Prof. Hall, der nicht an der Arbeit beteiligt war.

Die Ergebnisse ergaben in ihrer Gesamtheit keine statistisch relevante Differenz zwischen fettarmer und fettreicher Ernährung. Und obwohl sich ein leichter Vorteil für – allerdings kohlenhydratarme, also Low-Carb – fettreichere Ernährung ergab, blieb dieser Unterschied (der etwa bei 1 kg Körpergewicht-Abnahme lag) klinisch unbedeutend.

 

Die Geschäfte sind immer noch voll mit Lebensmitteln, die mit wenig Fettgehalt werben

Hersteller von verarbeiteten Lebensmitteln, Köche in Kochshows und sogar einige Kliniker propagieren weiterhin fettarme Ernährung zur Gewichtsabnahme. Aber Tobias hofft, dass sich nun eine Änderung abzeichnet.

Egal, welche Diät – der Schlüssel zum Abnehmen ist, mehr Kalorien zu verbrennen, als man zu sich nimmt. Fette enthalten mehr als doppelt so viele Kalorien pro Gramm, wie Proteine ​​oder Kohlehydrate. Es schien daher logisch, die Fettmenge und damit auch allgemein die Kalorien zu verringern, sagt Dr. Hall.

Niemand weiß nun aber genau, warum diese Strategie gescheitert ist, sagt Tobias. Aber oft wurden Fette durch Kohlenhydrate ersetzt, was ein geringeres Sättigungsgefühl und damit ein stärkeres Bedürfnis nach Zwischenmahlzeiten erzeugt.

 

„Fett“ wieder auf der Speisekarte, aber Low-Carb

Die Studie impliziert daher – soweit es das Abnehmen betrifft – dass es keine Notwendigkeit gibt, gesunde Fette – wie beispielsweise die ungesättigten Fettsäuren in Oliven, Avocados und fettem Fisch – zu reduzieren. Gesättigte Fettsäuren hingegen werden immer noch mit Herz- und Kreislauferkrankungen in Verbindung gebracht. Hingegen zeigten sich in den Studien Vorteile für eine Low-Carb-Ernährung.

Menschen, die abnehmen wollen, halten sich in der Regel am Beginn ihrer Diät strikt an die Vorgaben. Aber sie fallen sehr schnell wieder in ihre alten Gewohnheiten zurück. Nach ca. sechs Monaten haben sie oft ihren „Tiefststand“ an Gewicht erreicht, nehmen aber wieder fast so viele Kalorien zu sich, wie am Beginn ihrer Diät. Und ab diesem Zeitpunkt beginnen sie wieder, Gewicht zuzulegen.

Studien, die die physiologischen Indikatoren der Kalorienzufuhr untersuchen, haben gezeigt, dass dieses Essverhalten anhält, auch wenn Teilnehmer berichten, dass sie immer noch Kalorien reduzieren.

 

Dennoch können natürlich Diäten bei der Gewichtsabnahme helfen, aber eine vollkommene Ernährungsumstellung wird empfohlen

Nicht notwendiger Weise bedeutet dies aber, dass Diäten nicht bei der Gewichtsabnahme helfen. Die Daten in den untersuchten Studien sind Durchschnittswerte. Einige der Studienteilnehmer haben wahrscheinlich in einem Jahr erheblich an Gewicht abgenommen – andere wieder könnten auch Gewicht zugelegt haben. „Es gibt einige Leute, die mit einer kohlehydratarmen oder fettarmen Ernährung abnehmen und ihr Gewicht auch halten können“, sagt Hall. „Wir können nicht voraussagen, wer besser dran ist.“

Ernährungswissenschaftler beginnen, ihren Fokus zu verschieben: fort von einzelnen Nährstoffen und hin zum Gesamtbild der Ernährungsgewohnheiten. Die „mediterrane Ernährung“, zum Beispiel, steht für viel Obst und Gemüse. Es ist ein mehr als komplexe Feststellung – und mehr als schwierig, in klinischen Studien zu untersuchen – aber Tobias denkt, dass letztlich Diäten personalisiert werden. „Zynisch zu behaupten, es gäbe keine wirksame Diät ist – so glaube ich – nicht die ganze Wahrheit.“

 

Kalorien zählen

Im Sinne von Low-Carb sind Kalorien zählen, weniger Kohlenhydrate, Zucker und Stärke, mehr Proteine und Gemüse sowie viel Bewegung daher entscheidend, um einen gesunden Gewichtsverlust zu schaffen. Wie der Studienautor oben aber auch bemerkt, scheinen sich auch bei Diäten und bei der Ernährung personalisierte Konzepte für das jeweilige Individuum aufzudrängen – den jeder Körper reagiert nun mal anders.

 

Quelle: http://www.thelancet.com/pdfs/journals/landia/PIIS2213-8587(15)00367-8.pdf

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Manfred Karner

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