Facebook am Arbeitsplatz

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Viele Menschen nutzen Facebook am Arbeitsplatz, da das Gehirn während der Pausen offensichtlich nach sozialen Kontakten verlangt.

Der Grund warum viele von uns Arbeitspausen dazu nützen, um einen Blick in den Facebook-Account zu werfen, liegt möglicherweise an einer ausgeprägten Sehnsucht bzw. einer Grundeinstellung des Gehirns, sozial zu sein. Natürlich gilt das auch für andere Social Media Dienste – Google Plus, Pinterest, Linkedin, Twitter etc. – sowie WhatsApp oder ähnliche Chat- bzw. Kommunikationsprogramme. Doch aufgrund seiner Marktführerschaft in diesem Bereich ist Facebook am Arbeitsplatz am häufigsten im Einsatz, um unsere sozialen Grundeinstellungen zu bedienen.

Hinter all dem steckt die Hyperthese der Forscher, dass das Gehirn des Menschen in offensichtlich nicht aktiven Phasen in eine Art „default mode“ geht, in dem man sich verstärkt um seine Mitmenschen Gedanken macht – um Gefühle, Spiritualität etc. Das Internet mit seinen unterschiedlichen Kommunikationskanälen unterstützt einen derartigen „Default Mode“ nahezu perfekt.

 

Mit Facebook am Arbeitsplatz ein wenig Entspannung durch soziale Kontakte

Es ist nicht ungewöhnlich, im Laufe eines langen Arbeitstages immer wieder abgelenkt zu werden. Beispielsweise gaben 53 Prozent aller Befragten im Zuge einer 2011 durchgeführten Studie an, täglich mindestens eine Arbeitsstunde aufgrund diverse Ablenkungen zu verschwenden.

Für viele bedeutet diese Ablenkung: Facebook am Arbeitsplatz. Dies sei wenig überraschend, behaupten Wissenschafter im Zuge einer neuen Studie. Denn wenn unser Gehirn eine Arbeitspause einlegt, steigert es die Aktiviät eines bestimmten anderen Areals, das für soziale Kontakte, für soziales Denken, verantwortlich ist.

Die Aktivität in bestimmten Gehirnregionen nimmt nur dann zu, wenn das Gehirn eine Pause macht. Genau diese Gehirnregionen sind dafür zuständig, Menschen auf soziale Interaktionen bzw. Reaktionen vorzubereiten.

Das Gehirn arbeitet immer, auch wenn wir keiner aktiven Tätigkeit nachgehen. Das wissen Wissenschafter bereits seit vielen Jahren. Aber was in diesen nicht aktiven Phasen im Gehirn geschieht, bzw. welche Ersatzaktivität einsetzt, war bis dato unbekannt. Die Antwort ist „über andere nachdenken“ oder „sich um andere Menschen – deren, Emotionen, Meinungen, Einstellungen – Gedanken machen“. „Um uns auf soziale Interaktion vorzubereiten, aktiviert der Körper bestimmte dafür vorgesehene Gehirnregionen,“ erklärt Matthew Lieberman, Professor für Psychologie, Psychiatrie und Verhaltensforschung.

 

Das Gehirn aktiviert Areale, die für soziale Interaktion verantwortlich sind, wenn es eine Pause braucht

Die Wissenschafter stellten fest, dass die Aktivität in bestimmten Gehirnregionen nur dann zunimmt, wenn das Gehirn eine Pause macht und dass diese Regionen dafür zuständig sind, Menschen auf soziale Interaktionen bzw. Reaktionen vorzubereiten.

Dies entdeckten sie nachdem sie Teilnehmern mit 40 Photographien konfrontierten, wobei jedes Photo mit einer Beschriftung versehen war, die den Gemütszustand der abgebildeten Person beschrieb. Beispielsweise stand unter den Bildern „Ihm ist langweilig“ oder „Sie hat Selbstzweifel“.

Die Teilnehmer sollten angeben, inwiefern sie der Beschreibung zustimmten bzw. ob diese das Bild und die darauf befindliche Person akkurat beschrieb. Mittels Magnetresonanz stellten die Forscher fest, dass in den Pausen – also zwischen den einzelnen Bildern – dieselben Regionen aktiviert waren, wie zu der Zeit als die Teilnehmer den mentalen Status der abgebildeten Personen versuchten zu beurteilen.

Wurden jedoch Bilder mit anderen Beschriftungen gezeigt, die lediglich die Tätigkeit der abgebildeten Person beschrieb oder eine mathematische Formen darstellte – waren diese Gehirnareale wieder inaktiv.

Die im Zuge der Studie durchgeführten Gehirnscans zeigten zudem, dass in den Pausen zwischen den Abbildungen eine bestimmte Gehirnregion – namens dorsomedialer präfrontaler Kortex – besonders aktiv war. Dadurch waren die Teilnehmer in der Lage, die Photos signifikant rascher zu beurteilen. Dies war jedoch nur dann der Fall, wenn das nächste Photo mit einer entsprechenden Beschriftung versehen war, die die mentale Verfassung der abgebildeten Person beschrieb. Befasste sich die Beschriftung hingegen lediglich mit der Tätigkeit der abgebildeten Person oder mit mathematischen Gleichungen, war in dieser Gehirnregion keine Aktivität zu erkennen.

 

Weiterführende Forschung für Menschen mit sozialen Hemmungen

„Dies ermöglicht uns die Welt aus einem sozialen Blickwinkel zu sehen – Gedanken, Gefühle oder Ziele,“ so Lieberman. „Das Gehirn schaltet Systeme nicht einfach ein. Unser Gehirn versucht ständig, über das Befinden anderer nachzudenken. Deswegen zieht es uns zu sozialen Netzwerken, wenn wir das Bedürfnis nach einer Pause verspüren.“ Diese Erkenntnisse könnten insbesondere jenen Menschen helfen, denen es schwer fällt soziale Kontakte zu knüpfen. Es gilt die Funktion dieser Gehirnareal weiter zu erforschen um möglicherweise neue Wege zu finden, um Menschen von sozialen Hemmungen zu befreien.

Quelle: Spunt R., Meyer M., Lieberman M. (2015) The Default Mode of Human Brain Function Primes the Intentional Stance. Journal of Cognitive Neuroscience. 6, 1116-24.

http://www.mitpressjournals.org/doi/full/10.1162/jocn_a_00785#.VmAE22TqhBc

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About Author

Dipl.-Ing. Alexandra Springler

Seit 2011 ist Dipl.-Ing. Alexandra Springler MEDMIX- und AFCOM-Mitarbeiterin. Nach Abschluss ihres Biotechnoligiestudiums ist sie nun in der Forschung tätig und absolviert zur Zeit ihr Doktorat.

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