Exogen verabreichte Pankreasenzyme

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Bei Patienten, die sich mit Gewichtsverlust und Steatorrhoe präsentieren, sollte als Therapie Diätmodifikation und Pankreasenzyme erwogen werden.

Die chronische Pankreas­insuffizienz geht neben abdominellen Schmerzen und Verdauungsstörungen meist auch mit Steatorrhoe und in späterer Folge Gewichtsverlust einher. Die dabei verminderte Fähig­keit des Pankreas, exokrine Enzyme zu synthetisieren, betrifft anfangs hauptsächlich die Lipase, in weiterer Folge aber auch Amylase und Protease. Zu Denken ist an die Erkrankung, wenn zumindest ein typisches Symptom wie Gewichtsverlust, Mal­nutrition, Bauchschmerzen/Meteorismus, Durchfall, fettiger Stuhl, Diabetes mellitus in Verbindung mit sonographischen oder radiologischen Hinweisen auftritt oder der Nachweis einer erniedrigten Konzentration von Chymotrypsin oder Elastase im Stuhl besteht. Analgetika und Pankreasenzyme sind die Basis der Behandlung.

 

Therapie der chronischen Pankreatitis und der Pankreasinsuffizienz

Ziel der Therapie der chronischen Pankreatitis und der Pankreasinsuffizienz ist die Beseitigung möglicher kausaler Faktoren wie eine Gallenwegserkrankung oder Alkoholabusus, die Wiederherstellung oder der Erhalt eines normalen Ernährungszustandes und die Behandlung der als unangenehm empfundenen Symptome, wie vor allem der Schmerzen. Der Einsatz hochdosierter Pankreasenzyme reduziert die bei chronischer Pankreatitis auftretende Erhöhung des Cholezystokininspiegel, welche ihrerseits für eine Anregung der exokrinen Pankreassekretion verantwortlich ist.

 

Pankreas­enzyme substitutieren

Alle Patienten mit Gewichtsverlust und Symptomen der Steatorrhoe sind therapiebedürftig und sollten laut aktuellem Wissenstand eine Enzymsubstitution erhalten – mit dem Ziel, eine ausreichende Enzymaktivität im Duodenum zu erreichen. Die lange Zeit geübte Fett- und Kalorienreduktion wird heute nicht mehr empfohlen.

Die Lipase-Aktivität mancher Präparate ist aufgrund vorzei­tiger Inaktivierung der Enzyme und mangelndem Kontakt mit dem Speisebrei nicht nachvollziehbar und die Therapie ungenau. Deswegen ist es wichtig, dass die eingesetzten Pankreasenzyme eine sinnvolle Enzymsubstitution mit Wirksamkeit erzielen: sie sollten sich optimal mit dem Speisebrei durchmischen.

Die Dosierung der Pankreasenzyme hängt zum einen von der Schwere der exokrinen Pankreasinsuffizienz, zum anderen ganz wesentlich von Menge und Fettgehalt der aufgenommenen Nahrung ab. Die Verabreichung sollte direkt zu jeder Mahlzeit – und auch Zwischenmahlzeit – erfolgen, wobei die Dosierung individuell anzupassen ist. Feste Schemata, wie z.B. 3 x 1 Kapsel, sind nicht mehr aktuell. Experten kritisieren, dass erfahrungsgemäß die Neigung zur drastischen Unterdosierung der Pankreasenzyme besteht. Tatsächlich sollten zu jeder Mahlzeit mindestens 10.000 bis 25.000 IE Lipase substituiert werden. Dies gilt auch für Zwischenmahlzeiten.

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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