ESPR 2018 – Kinderradiologie in Berlin

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Am ESPR 2018 – dem 54. Fachkongress der European Society of Paediatric Radiology – findet von 20. bis 22. Juni in Berlin statt.

Die Europäische Gesellschaft für Kinderradiologie (European Society of Paediatric Radiology, ESPR) erwartet zu ihrem 54. Fachkongress, dem ESPR 2018, vom 20. bis 22. Juni in Berlin die weltweit Renommiertesten des Faches aus Stanford und San Francisco. Damt wird der ESPR 2018 zu einem absoluten Highlight für Kinderradiologen, Radiologen und Neuroradiologen: Lane Donelly und James Barkovich haben sich als Verfasser der wichtigsten Standardwerke der Kinderradiologie bzw. Kinder-Neuroradiologie längst als „Marke“ etabliert. Dass auch diese beiden US-amerikanischen Koryphäen den europäischen Kongress mit Vorträgen zu Hirnfehlbildungen bzw. pathologischen Veränderungen bei Neugeborenen (Barkovich) sowie einer neuen Klassifikation von Tumoren bei Kindern (Donelly) bereichern, ehrt den ESPR 2018 wie auch ihren Präsidenten Prof. Dr. Franz Wolfgang Hirsch, Ärztlicher Leiter der Abteilung für Kinderradiologie der Universitätsmedizin Leipzig, besonders.

650 Mediziner werden im Berliner Hilton erwartet, um drei Tage lang aktuelle Forschungsergebnisse auszutauschen und deren Praxistauglichkeit zu diskutieren. Voraus geht vom 18. bis 19. Juni zudem ein zweitägiger Fortbildungskurs, der sich an Radiologen wendet, die am Ende ihrer Fachausbildung stehen, sowie an junge Kinderradiologen zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn.

 

ESPR 2018 – die ESPR tagt seit 14 Jahren wieder in Deutschland

Die europäische Fachgesellschaft tagt erstmals seit 14 Jahren wieder in Deutschland und bietet so den hiesigen Fachmedizinern die Gelegenheit, im internationalen Kontext zu präsentieren, welch wertvolle Forschungsarbeit hier geleistet wird, sagt Prof. Hirsch. Beispiel PET-MRT: die Entwicklung der strahlenschonenden Bildgebung mit Kombinationsgeräten aus Positronen-Emissions- und Kernspintomograf wurde unter Strahlenschutzaspekten auch maßgeblich von deutschen Kinderradiologen vorangetrieben.  Beispiel MRT: selbst bei der Lunge, die bisher als MRT-ungeeignet galt, kommt man heute bei Kindern auch ohne die hoch strahlenintensive Computertomografie (CT) aus – eine Tatsache, die Eltern wissen und einfordern sollten, betont Hirsch. Denn CT-Scans erhöhen das Krebsrisiko insbesondere bei Kindern und Jugendlichen signifikant: Aus ca. 1.000 kindlichen CT-Untersuchungen resultiert eine Tumorentstehung. Bei Patienten, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, lohnt sich daher jede Anstrengung, beim Blick in das Körperinnere auf Strahlung ganz zu verzichten oder sie so weit wie möglich zu reduzieren. Auch wenn die CT immer noch an manchen Kliniken wegen ihrer schnell und mit vergleichsweise wenig Aufwand erzielten Ergebnisse noch öfter eingesetzt wird, als unbedingt nötig wäre.

Strahlenschutz, neue Hybridverfahren der Bildgebung oder fetale MRT-Diagnostik bei Schwangeren gehören zu den Schwerpunktthemen des ESPR-Kongresses in diesem Jahr, dazu modernste Ultraschalltechniken. Der Ultraschall-Elastographie als neuer diagnostischer Modalität beispielsweise ist eine eigene Session gewidmet. Mit Ultraschall beginnt man auch, bei Kindern gezielt nichtinvasive Behandlungen bestimmter Tumoren vorzunehmen. Die so genannte HIFU-Therapie (High-Intensity-Focused Ultrasound) wird bisher angewendet bei Frauen mit Uterusmyom. Hochintensiv fokussierter Ultraschall erhitzt dabei das Myom von außen, bis es förmlich schmilzt. Alessandro Napoli (Rom) und Karun Sharma (Washington D.C.) haben diese Methode für die Behandlung so genannter Osteoidosteome, kleiner und schmerzhafter, aber gutartiger Knochentumore, wie sie nur bei Kindern und Jugendlichen vorkommen, adaptiert und sammeln damit auch bereits Erfahrungen bei anderen Tumor-Arten. Erstmals werden die beiden auf diesem Gebiet führenden Forscher in Berlin ihren Ansatz vor Kinderradiologen präsentieren und zur Diskussion stellen.

Mit insgesamt 250  Vorträgen und weiteren 200 wissenschaftlichen Postern bietet die ESPR 2018 ihren Teilnehmern ein vielfältiges Update, eine spannende Mischung aus Spezialwissen und praktischen Aspekten für ihre tägliche Arbeit. Kinderradiologen – die es momentan in Deutschland zu Hirschs Bedauern zu wenige gibt (lediglich 80 zertifizierte Experten stehen an wenigen großen Zentren für insgesamt 12 Millionen Kinder bundesweit zur Verfügung) sind hier ebenso angesprochen wie Kinderärzte, Neuroradiologen oder Radiologen, die sich für die speziellen Herausforderungen interessieren, welche die Kinderradiologie so besonders macht: die Verbindung ganzheitlicher Ansätze der Kindermedizin mit höchst spezialisierter Hightech-Diagnostik. „Für jungen ärztlichen Nachwuchs ist ein Fach dann attraktiv, wenn es wissenschaftlich innovativ ist“, sagt Prof. Hirsch. „Das soll – und wird – die Tagung zeigen.“

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