Erreger von ­unteren Atemwegserkrankungen

0

Gegen die wesentlichsten Erreger von ­unteren Atemwegserkrankungen muss bei Antibiotika auf eine ausreichend hohe Dosierung geachtet werden.

Gerade in Anbetracht der unterschiedlichen Bioverfügbarkeit einiger Antibiotika ist aus infektiologischer Sicht im Kampf gegen Erreger von unteren Atemwegserkrankungen auf eine ausreichend hohe Dosierung, eine exakte Abklärung der immunologische Kondition des Patienten sowie eine ­valide Entscheidung zur ambulanten oder stationären Therapie Wert zu legen. Im Folgenden werden die wichtigsten und wesentlichsten Erreger von unteren Atemwegserkrankungen – Streptococcus pneumoniae, Staphylococcus aureus, Haemophilus influenzae, Legionella pneumophiliae, Mycoplasma pneumoniae – hinsichtlich der Häufigkeit des Auftretens resistenter Mutanten erörtert.

 

Streptococcus pneumoniae

Die Pneumokokken sind und waren immer schon die häufigsten bakteriellen Erreger unterer Atemwegserkrankungen beim Erwachsenen. Das bedeutet, dass jede Therapie einer Pneumonie immer mikrobiologisch effektiv gegenüber Streptococcus pneumoniae sein muss. Andererseits ist es klar, dass gerade Pneumokokkenpneumonien per se mit einer Mortalität von bis zu 10% assoziiert sind. Diese Mortalität tritt insbesondere bei Patienten mit schweren Grunderkrankungen (Diabetes mellitus, Immunschwäche, Leberinsuffizienz, metastasierte Tumoren), hohem Lebensalter oder schwerem Verlauf mit pulmonaler Insuffizienz oder extrapulmonalen Organinsuffizienzen wie hepa­taler Insuffizienz, renaler Insuffizienz, kardialer Insuffizienz etc. auf. Auch eine mikrobiologisch adäquate Therapie wird bei inadäquater supportiver Therapie im Sinne der beschriebenen Komplikationen nicht erfolgreich sein.

Für viele der Atemwegs-Antibiotika konnte gezeigt werden, dass mit hohen Konzentrationen auch ausreichende Wirkspiegel insbesondere bei intermediären Isolaten zu therapeutischem Erfolg führen. Wobei die zugelassenen Dosierungen diese Bedingungen – insbesondere bei schweren Pneumonien im Zusammenhang mit oralen Therapie – oft nicht erfüllen.

 

Haemophilus influenzae, Staphylococcus aureus, Mycoplasma pneumoniae und Legionella pneumophilia

Die Bedeutung von Haemophilus influenzae bei ambulant erworbenen Lungenentzündungen ist aufgrund seiner geringeren Virulenz im Vergleich zu Streptococcus pneumoniae nicht unumstritten. Modern geworden ist der Erreger heute bei infektexazerbierter chronischer Bronchitis, insbesondere durch die Epitop dynamik an der Oberfläche des Erregers, die etwa 1–2 Wochen vor einer Exazerbation auftritt. Insofern ist auch die Entwicklung der Resistenzsituation bei Haemophilus influenzae erneut von Interesse.

Nachdem Staphylokokkenpneumonien bei Patienten mit Diabetes mellitus (vor allem bei schlechter Einstellung) und bei Patienten mit Niereninsuffizienz – beides Patientenkollektive, die zu rezidivierenden Staphylokokkeninfektionen und auch zu rezidivierendem Antibiotikaabusus neigen – auftreten, ist hier bei der Auswahl der zu verabreichenden Substanz, sowohl was die Dosierung betrifft (Niereninsuffizienz) als auch was die Art der Substanz betrifft, die Antibiotika-Geschichte des Patienten relevant.

Zu Mycoplasma pneumoniae und Legionella pneumophilia liegen kaum Angaben zur antimikrobiellen Resistenz gegenüber Makroliden und Chinolonen vor. Der klinische Einsatz dieser Präpa­rate (bei Legionellen in hoher Dosis!) in unterschiedlichem Krankengut (Kinder, Normal­station, erwachsene Patienten, Intensivstation) zeigt, dass die Therapie mit diesen Substanzen üblicherweise gut funktioniert.

Fazit. Nicht nur die Resistenzlage spielt bei der Auswahl der empirischen Initialtherapie von Atemwegserkrankungen eine wichtige Rolle, sondern es gilt auch pharmakokinetische und pharmakodynamische Parameter sowie die Grunderkrankung und Vorgeschichte des Patienten dafür ins Kalkül zu ziehen.

Aus infektiologischer Sicht ist bei untere Atemwegserkrankungen gerade in Anbetracht der unterschiedlichen Bioverfügbarkeit einiger Antibiotika auf eine ausreichend hohe Dosierung , eine exakte Abklärung der immunologischen Kondition des Patienten und eine valide Entscheidung zur ambulanter oder stationärer Therapie Wert zu legen. Das Zusammenspiel dieser Faktoren ist wirkkräftig im Sinne des klinischen Erfolges und Misserfolges einer antiinfektiven Therapie.

Quelle: Die wesentlichsten Erreger von ­unteren Atemwegserkrankungen. Prim. Univ.-Prof. Dr. Christoph Wenisch. MEDMIX 12/2006

Share.

About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Comments are closed.