Ernährungsstrategie für Frühgeborene

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Durch eine aggressivere Ernährungsstrategie – vor allem mit mehr Eiweiß – kommt es zu einer deutlichen Verbesserung des Ernährungszustands bei Frühgeborenen.

Mit weniger als einem Kilogramm Geburtsgewicht können die kleinsten Frühgeborenen häufig während ihres langen Krankenhausaufenthalts schlecht an Gewicht zulegen. Das hat negative Folgen für das spätere Wachstum. In einer retrospektiven Datenanalyse an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien wurde unlängst nachgewiesen, dass durch eine „aggressivere“, Eiweiß-reichen Ernährungsstrategie der Ernährungszustand, die Entwicklung und das Wachstums der Frühchen deutlich verbessert werden kann.

 

Neue Ernährungsstrategie erfolgreich

In Kliniken ist man grundsätzlich bei kleinen Frühgeborenen extrem vorsichtig. Vor allem die Angst vor einer möglichen Darmentzündung ist oft der Grund für eine gemässigte Ernährungsstrategie. Doch die Wiener Datenanalyse zeigt, dass eine neue Ernährungsstrategie – gestützt auf vorangegangene, internationale Studien – viel bessere Erfolge erzielen kann.

Neu in der Wiener Studie ist die Gabe von vor allem mehr Eiweiß über eine Sonde und mittels Infusion, hinzu kamen Vitamine, Elektrolyte, Kalzium und Zucker. Damit wurde bei den extrem unreifen Frühgeborenen, die vor der 28. Schwangerschaftswoche mit rund einem Kilo Geburtsgewicht zur Welt kamen, jene Nährstoffe hinzugegeben, bei den sich durch die frühe Geburt ein Mangel ergibt. Denn bei einer normalen Geburt hätten die Kinder diese Nährstoffe über den Mutterkuchen im Bauch der Mutter im weiteren Verlauf der Schwangerschaft zugeführt bekommen.

Das Ergebnis der Datenanalyse zeigte, dass die Kinder durch eine derartige Ernährungsstrategie mit einem höheren Gewicht von rund 2,5 Kilogramm – gegenüber durchschnittlich zwei Kilo bei bisher üblicher Ernährung – aus dem Spital entlassen werden konnten. Weiters legten die Säuglinge beim Kopfumfang und bei der Körpergröße gegenüber anderen Frühgeborenen, die weniger hochkalorisch ernährt worden waren, um jeweils einen Zentimeter zu. Diese allerkleinsten Frühgeborenen verlassen somit gestärkt das Spital und sind später nicht viel kleiner als reif geborene Kinder.

Die neue Strategie ist ein weiterer Baustein für die höchst erfolgreiche Betreuung von Frühgeborenen an der MedUni Wien bzw. im AKH Wien. Jährlich werden hier rund 200 Kinder versorgt, die vor der Schwangerschaftswoche 32 geboren werden – davon 100, die zwischen der Schwangerschaftswoche 23 und 27, also bis zu 17 Wochen zu früh, auf die Welt kommen. Vergleichszahlen zeigen, dass an den Stationen der Neonatologie an der MedUni Wien/AKH Wien die Überlebensraten bei diesen unreifsten Frühgeborenen auch im internationalen Vergleich top sind. Von den Frühgeborenen der Schwangerschaftswoche 23 und 24, die derzeit als Grenze der Lebensfähigkeit angesehen werden, überleben an der Wiener Klinik über 70 Prozent aller Kinder, im Unterschied zu etwa 50 Prozent im internationalen Vergleich.

Quelle: MedUni Wien/AKH Wien

Literatur:

PeerJ „Aggressive nutrition in extremely low birth weight infants: impact on parenteral nutrition associated cholestasis and growth.“ Andreas Repa, Ruth Lochmann, Lukas Unterasinger, Michael Weber, Angelika Berger, Nadja Haiden. https://peerj.com/articles/2483/.

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