Richtige Ernährung bei Reizdarmsyndrom wesentlich

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Die richtige Ernährung bei Reizdarmsyndrom in Form von individuell abgestimmter Diät sollte bei der Therapie der Magen-Darm-Problemen im Vordergrund stehen.

Das Reizdarmsyndrom gehört zu den häufigsten und zugleich zu den am wenigsten bekannten Erkrankungen der westlichen Welt. Millionen Menschen leiden weltweit – 6 bis 25% – unter anhaltenden Bauchbeschwerden, die sich als Blähungen, Schmerzen, Durchfälle oder Verstopfung äußern. Zur Ernährung bei Reizdarmsyndrom sollte eine individuell abgestimmte Diät begleitend zur Therapie im Vordergrund stehen.

Nur etwa 20 bis 50% der Betroffenen suchen wegen eines Reizdarmsyndroms ärztliche Hilfe auf. Grund für den Arztbesuch sind zumeist eine deutlich verminderte Lebensqualität mit eingeschränkter Arbeitsfähigkeit und psychischem Leidensdruck.

Hauptkriterien für ein Reizdarmsyndrom sind abdominelle Schmerzen innerhalb von zwölf Wochen oder länger während der letzten zwölf Monate mit zumindest zwei der folgenden drei Kennzeichen:

  • Vermindert nach der Defäkation
  • Verbunden mit einer Änderung der Stuhlfrequenz
  • Verbunden mit einer Änderung der Stuhlkonsistenz

Fakultative Kriterien sind Änderung der Stuhlform, Änderung der Defäkation, Gefühl der inkompletten Entleerung, Schleimbeimengung und Blähungen.

Im Zusammenhang mit der Ernährung bei Reizdarmsyndrom ist darauf zu achten, dass eine verminderte oder überschießende Zufuhr von Ballaststoffen sowie eine übermäßige Zufuhr von schwer resorbierbarem Zucker­ wie Fruktose und Sorbit oder von Stimulantien der Peristaltik wie Kaffee oder Tee die Symptome eines Reizdarmsyndroms auslösen oder verstärken können.

PatientInnen mit einem Reizdarmsyndrom zeigen ein gesteigertes viszerales Schmerzempfinden – beispielsweise auf Dehnungsreize im Darm sowie verstärkte Darm-Kontraktionen auf Reize (z.B. üppige Mahlzeit). So werden auch normale Verdauungsprozesse oder Gasbildung im Darm als unangenehm oder schmerzhaft empfunden. Diese Überempfindlichkeit kann durch Ereignisse wie eine infektiöse Enteritis, psychische (Dis-) Stresssituationen, Emotionen wie Angst oder Ärger sowie einer Laktoseintoleranz ausgelöst und/oder verstärkt werden.

Im Zentrum der Therapie steht einerseits Aufklärung und Beruhigung sowie Beratung – und hier vor allem auch im Sinne der Ernährung bei Reizdamsyndrom – und Begleitung der betroffenen Patienten. Eine medikamentöse Therapie sollte bei Bedarf und symptomorientiert für das prädominante Symptom verordnet werden.

 

Ernährung bei Reizdarmsyndrom – Eckpfeiler der Behandlung

„Nahrungsbestandteile können wichtige Strukturen im Verdauungstrakt beeinflussen, entweder direkt oder über die im Darm lebenden Bakterien“, erklärt Professor Dr. med. Thomas Frieling, Direktor der Medizinischen Klinik II des Helios Klinikums Krefeld. So können etwa Nahrungsmittel wie Zwiebeln oder Lauch für Reizdarmpatienten die Ursache quälender Schmerzen sein.

„Bei vielen Patienten reagiert das Darmnervensystem auf die Dehnung des Darms durch blähende Gase besonders empfindlich“, erklärt Frieling. Eine gestörte Darmflora – also eine ungünstige Zusammensetzung der Darmbakterien – könne die Gasbildung im Darm noch verstärken. In diesem Fall würde der Verzicht auf blähende Lebensmittel die Symptome lindern.

„Da den Beschwerden unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, gibt es beim Reizdarmsyndrom kein Patentrezept“, betont Frieling. Eine Diät, die sich an den Symptomen ausrichtet, sollte aber immer an erster Stelle stehen. Patienten, die vor allem unter Verstopfung leiden, profitieren von einer ballaststoffreichen Ernährung. Für Betroffene mit schmerzhaften Blähungen ist die faserreiche Kost hingegen wenig förderlich. „Ich empfehle Patienten zunächst mit Hilfe eines Ernährungstagebuchs herauszufinden, welche Nahrungsmittel sie besonders gut vertragen und welche nicht“, sagt Frieling.

 

Die FODMAP-Diät zur Ernährung bei Reizdarmsyndrom

Als erfolgversprechende Diät – für rund Dreiviertel der Reizdarmpatienten – haben Wissenschaftler in großen Studien die so genannte FODMAP-Diät ausgemacht. Betroffene verzichten hierbei auf „Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und (and) Polyole“. Diese Einfach- und Mehrfachzucker sowie Polyalkohole werden von Bakterien im Dickdarm vergärt und tragen so zur Entstehung blähender Gase bei. Zudem ziehen sie große Mengen Wasser in den Darm und verursachen Durchfälle.

Zu ihnen zählen etwa Fruktose in Früchten oder Honig, Laktose in Milchprodukten, Fruktane in Weizen, Knoblauch oder Zwiebeln, Galaktose in Bohnen, Linsen und Sojabohnen, sowie die „Zuckeraustauschstoffe“ Xylit, Sorbit und Maltit, die natürlicherweise in Pflaumen, Aprikosen oder Mais vorkommen. Angesichts der hohen Zahl FODMAP-haltiger Lebensmittel sei die Diät im Alltag jedoch oftmals schwierig umzusetzen, so Frieling. „Auch wenn die Erfolgsaussichten bei einer FODMAP-armen Diät hoch sind, dürfen wir nicht das Ziel aus den Augen verlieren, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern“, sagt der DGVS-Experte. „Wenn die Diät zur Qual wird, ist das Ziel nicht erreicht“.

Mitunter biete sich die Strategie an, zunächst einzelne Nahrungsbestandteile, etwa Fructose, Lactose und Sorbit auf dem Speiseplan zu minimieren. „So können wir neben den Reizdarmtriggern auch klassischen ‚Nahrungsmittelunverträglichkeiten‘ auf die Spur kommen“, sagt Frieling.

Bevor die Diagnose „Reizdarm“ gestellt wird, sollten Ärzte durch eine sorgfältige Diagnostik andere Krankheiten – wie etwa eine chronisch entzündliche Darmerkrankung oder eine Zöliakie – ausschließen. Letztere bezeichnet eine Erkrankung des Darms, die durch Gluten in Getreide verursacht wird.

Quellen:

Leitlinie „Reizdarmsyndrom“ der DGVS mit Ernährung bei Reizdarmsyndrom im Internet unter: http://www.dgvs.de/leitlinien/reizdarmsyndrom/

Rao SSC, Fedewa YS. Systematic review: dietary fibre and FODMAP-restricted diet in the management of constipation and irritable bowel syndrome. Aliment Pharmacol Ther 2015; 41:1256-1270. 

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