Erkältungssymptome mit Phytopharmaka lindern

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Erkältungssymptome können mit einer Vielzahl von evidenzbasierten Phytopharmaka gelindert werden, wobei deren Wirkung und Sicherheit bei Erwachsenen und Kindern gut geprüft sind.

Die große Gruppe gängiger akuter Infektionen der oberen Atemwege ist für 75 Prozent der gesamten verschriebenen Antibiotika in Ländern mit hohem Einkommen verantwortlich. In vielen Fällen sind jedoch pflanzliche Arzneimittel zur Linderung der Erkältungssymptome wesentlich wirkungsvoller und nebenwirkungsärmer. Mittlerweile steht eine Vielzahl von evidenzbasierter Phytopharmaka zur Auswahl, deren Wirkung und Sicherheit nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern gut geprüft sind.

Bei Atemwegserkrankungen können verschiedenste pflanzliche Drogen allein oder in Kombination zum Einsatz kommen. Als besonders effektive Wirkstoffe gelten Saponine, Alkaloide, ätherische Öle und Schleimstoffe. Im Folgenden ist eine Übersicht über besonders gut untersuchte Pflanzen zusammengestellt.

Efeu-Blätter sind wichtige Saponine-Vertreter. © ternadtochiy / shutterstock.com

Quelle: ternadtochiy / shutterstock.com

Efeu-Blätter sind wichtige Saponine-Vertreter. © ternadtochiy / shutterstock.com

Efeublätter

Efeublätter (Hedera helix) enthalten v.a. Saponine, Flavonoidglykoside, Phenolcarbonsäuren, Polyacetylene und ätherisches Öl. Komplexe Mechanismen vermitteln schleimlösende Effekte, eine Abnahme der Schleimviskosität sowie der Intensität und Frequenz von Husten und darüber hinaus auch eine Entspannung der bronchialen Muskulatur. Nach Auswertung zahlreicher klinischer Studien kam das Kommittee für pflanzliche Medizinprodukte (HMPC) der Europäischen Medizin-Agentur (EMA) zu dem Schluss, dass Hedera helix bei Erwachsenen mit chronischer Bronchitis in vergleichbarem Ausmaß die Hustensymptomatik verbessert wie das häufig eingesetzte synthetische Mittel Ambroxol. Studien mit Kindern zeigten, dass Efeublatt-Zubereitungen bei akuter Bronchitis ebenso wirksam sind wie Acetylcystein. Laut der Europäischen Wissenschaftskooperative für Phytotherapie (ESCOP) ist Hedera helix bei Katarrhen der Luftwege, zur symptomatischen Behandlung chronisch-entzündlicher Bronchialerkrankungen sowie bei Husten – insbesondere mit übermäßiger Absonderung eines zähflüssigen Schleims – geeignet.

Die Arzneipflanze Thymian gilt bei Husten zur Desinfektion als besonders wertvoll. © Mykola Ivashchenko / shutterstock.com

Die Arzneipflanze Thymian gilt bei Husten zur Desinfektion als besonders wertvoll. © Mykola Ivashchenko / shutterstock.com

Thymian

Wesentliche Inhaltsstoffe von Thymiankraut (Thymi herba) sind ätherisches Öl, Flavonoide, Triterpene und Phenolcarbonsäuren. Sie wirken krampflösend, antibakteriell, antimykotisch, antiviral und entzündungshemmend (Begrow F et al., Planta Med 2010;76(4):311-318. Epub 2009 Dec 6). Laut EMA existiert keine akzeptable randomisiert-kontrollierte Studie zu Thymian als Monopräparat. Er ist jedoch als traditionell pflanzliches Arzneimittel verfügbar. Sehr wohl wurde Thymian jedoch in Kombination mit anderen Arzneipflanzen geprüft. Beispielsweise konnten für Thymian und Efeu synergistische Effekte nachgewiesen werden (Wagner U. Pharmazie in unserer Zeit 2009;38(1):83-85). In einer doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie bei 361 Patienten mit akuter Bronchitis und Husten führte Thymian-Efeu-Hustensaft zu einer deutlichen Verbesserung von Husten, Sputum, Rasselgeräuschen, Atembeschwerden sowie Brustschmerz beim Husten (Kemmerich B et al., Arzneimittelforschung. 2006;56(9):652-60) Zu einem vergleichbaren Ergebnis kam eine Anwendungsbeobachtung bei 973 Kindern und Jugendlichen mit Bronchitis.

Gegen Husten und Schnupfen löst vor allem das ätherische Öl von Eukalyptus (Eucalyptus globulus) zähen Schleim. © The Art Friday / shutterstock.com

Quelle: The Art Friday / shutterstock.com

Gegen Husten und Schnupfen löst vor allem das ätherische Öl von Eukalyptus (Eucalyptus globulus) zähen Schleim. © The Art Friday / shutterstock.com

Eucalyptus

Eucalyptus (Blätter/Öl) ist laut EMA ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Husten bei Erkältungen und laut ESCOP bei Erkältungskrankheiten der Luftwege indiziert (EMA/HMPC/307781/2012, 15. Juni 2013). Eine Reihe von klinischen Studien bestätigt die Wirksamkeit eines Kombinationspräparates aus ätherischen Ölen von Eukalyptusöl, Süßorange, Myrte und Zitrone bei Bronchitis und Rhinosinusitis. Die positiven Effekte sind auf eine Steigerung des Schleimabtransports, der Bekämpfung der Schleimhautentzündung sowie antimikrobielle Wirkungen zurückzuführen.

Die Anwendung von Spitzwegerich wurde offiziell zur Linderung von Schleimhautreizungen im Mund und Rachenraum und dem damit verbundenen trockenen Husten anerkannt.

Die Anwendung von Spitzwegerich wurde offiziell zur Linderung von Schleimhautreizungen im Mund und Rachenraum und dem damit verbundenen trockenen Husten anerkannt.

Spitzwegerich

Die in den Blättern von Spitzwegerich (Plantago lanceolata) enthaltenen Polysaccharide bilden eine schützende Schicht auf der Schleimhaut. Darüber hinaus besitzt die Pflanze antimikrobielle, immunmodulatorische und entzündungshemmende Effekte. In einer Anwendungsbeobachtung bei 593 Patienten im Alter zwischen ein und 88 Jahren bewirkte Spitzwegerich-Sirup in rund 70 Prozent der Fälle nach drei Tagen eine starke Besserung der Hustensymptomatik (Loew D. Phytopharmaka III: Forschung und klinische Anwendung, 1997. Steinkopff, Darmstadt).

Eibisch – Althaea officinalis – gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae). © dadalia / shutterstock.com

Quelle: dadalia / shutterstock.com

Eibisch – Althaea officinalis – gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae). © dadalia / shutterstock.com

Eibischwurzel

Die ebenfalls zu den Schleimdrogen zählende Eibischwurzel (Althaeae radix) eignet sich zur symptomatischen Behandlung von Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und damit verbundenem trockenen Reizhusten (ESCOP, HMPC). Diese Effekte sind u.a. durch Anwendungsbeobachtungen und Ergebnisse aus pharmakologischen Untersuchungen belegt (Fasse et al., Praktische Pädiatrie 2005;11:3-8).

Kombinationspräparate

Die schleimlösenden, antiviralen, antibakteriellen, sekretolytischen, entzündungshemmenden und immunmodulierenden Eigenschaften von Holunder (Sambucus nigra), Schlüsselblume (Primula veris), Gelbem Enzian (Gentiana lutea), Sauerampfer (Rumex alpinus) und Eisenkraut (Verbena officinalis) werden in dem pflanzlichen Fertigarzneimittel BNO 1016 synergistisch genutzt. Die Wirkung des Trockenextraktes ist bei akuter Rhinosinusitis gut dokumentiert (Jund R et al., Acta Otolaryngol. 2015 Jan;135(1):42-50).

Pelargonium sidoides konnte positive Wirkungen in mehreren Studien unter Beweis stellen. © Martin Fowler shutterstock.com

Quelle: Martin Fowler shutterstock.com

Pelargonium sidoides konnte positive Wirkungen in mehreren Studien unter Beweis stellen. © Martin Fowler shutterstock.com

Kapland-Pelargonie

Das Wurzelextrakt der Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides, EPs® 7630,) wird in Südafrika seit Jahrhunderten traditionell u.a. bei Atemwegserkrankungen verwendet. Es enthält u.a. Cumarine, Phenolcarbonsäuren, Gerbstoffe und Flavonoide und wirkt antiviral, antibakteriell sowie sekretomotorisch (Phytomedicine. 2011;18(5):384-6; Antiviral Res. 2012;94(2):147-56, Theisen & Muller,. 2012. Reichling 2001, Conrad, A. et al. Phytomedicine, Volume 14, Supplement 1, 2007, 52–59). EPs® 7630 wurde in mehr als 30 klinischen Studien bei über 10.000 Patienten, davon ein Drittel Kinder unter zwölf Jahren, geprüft. Hier die Ergebnisse kurz zusammengefasst:

  • Wirksam und verträglich in der Behandlung von Erkältungskrankheiten, verkürzt die Krankheitsdauer und Arbeitsunfähigkeit (Heger 2005, Lizogub 2007);
  • Reduziert die Schwere der Symptome und verkürzt die Arbeitsunfähigkeit von Patienten mit akuter Bronchitis (Chuchalin 2005, Matthys 2003, Matthys 2007, Kamin 2010, Kamin 2012;
  • Effektiv in der Behandlung der nicht Streptokokken bedingten Tonsillopharyngitis bei Kindern (Heger and Bereznoy 2002);
  • Wirksam zur Behandlung der akuten Sinusitis (Bachert 2009);
  • Sehr gute Verträglichkeit und nur selten Nebenwirkungen (Matthys 2007);

Eine aktuelle Meta-Analyse von 13 Studien mit fast 3.400 Patienten zeigte ermutigende Beweise für die Wirksamkeit und Sicherheit von Pelargonium sidoides Extrakt bei Kindern und Erwachsenen mit akuter Bronchitis sowie bei erwachsenen Patienten mit akuter Rhinosinusitis und bei Kindern mit akuter Tonsillopharyngitis (Matthys H et al., J Lung Pulm Res 2016;3:68-81).

Univ.-Prof. Mag. Dr. Hermann Stuppner

Univ.-Prof. Mag. Dr. Hermann Stuppner

Quelle:

Statement » Erkältungssymptome pflanzlich lindern « von Univ.-Prof. Mag. Dr. Hermann Stuppner Präsident der HMPPA, Vorstandsmitglied der ÖGPhyt, Institut für Pharmazie/Pharmakognosie, Universität Innsbruck

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