Elektrostimulation gegen Rückenschmerzen

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Die rückenmarksnahe Elektrostimulation bietet ausgewählten Patienten mit Rückenschmerzen und Neuropathien eine nachhaltige Hilfe gegen ihre Beschwerden.

Die rückenmarksnahe Elektrostimulation – auf Englisch Spinal Cord Stimulation, kurz SCS – bietet ausgewählten Patienten mit Rückenschmerzen und Neuropathien (Nervenschmerzen) nachhaltige Hilfe gegen die Beschwerden. Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden werden seit 1995 derartige SCS-Systeme implantiert, die über Elektroden bestimmte Nervenfasern entlang des Rückenmarks anregen und so die Weiterleitung von Schmerzmeldungen ans Gehirn unterdrücken. Die effektive Behandlungsmethode ist allerdings an bestimmte Voraussetzungen gebunden und kommt erst dann zum Einsatz, wenn andere Behandlungsformen bei Rückenschmerzen und Neuropathien keine Linderung bringen.

 

Elektrostimulation mittels implantierter Elektroden

Bei der rückenmarksnahen Elektrostimulation werden über einen kleinen Eingriff Elektroden implantiert, die elektrische Impulse von geringer Spannung epidural – über die harte Hirnhaut des Rückenmarks – an die Hinterstränge des Rückenmarks abgeben. Auf diese Weise lassen sich Missempfindungen und Schmerzen, die über diese Nervenbahnen ins Gehirn gelangen, unterdrücken. Die Experten der Klinik für Neurochirurgie haben auf diese Weise bereits vielen Patienten helfen können.

 

Fallbericht über eine erfolgreiche Elektrostimulation nach Bandscheibenvorfall

Eine über 50-Jährige erlitt vor mehr als 15 Jahren einen schweren Bandscheibenvorfall. Eine Operation konnte ihr die Schmerzen nur knapp drei Jahre nehmen, danach konnte die heftigen Schmerzen weder durch weitere Therapien noch durch starke Medikamente in den Griff bekommen werden. Verstärkt wurde das Leiden durch Veränderungen eines Wirbels. Zwar ließ sich diese zusätzliche Schmerzquelle durch eine zweite Operation ausschalten, doch das brachte weitere Beeinträchtigungen durch das Narbengewebe, wie brennende Schmerzen vom unteren Rücken bis zu den Zehen. Das Leben der Patientin drehte sich nur noch um die Angst vor noch stärkeren Schmerzattacken. An eine reguläre Arbeit als Altenpflegerin war nicht mehr zu denken.

Sechs Jahre später erfuhr die Patientin, dass die rückenmarksnahe Elektrostimulation eine Therapieoption für sie sein könnte. Nach ihrer Untersuchung stellten Neurochirurgen des Universitätsklinikum in Dresden fest, dass bei ihr die Erfolgschancen dieser Methode gut waren, sie entschied sich für eine OP.

Rückenmarksnahe Elektrostimulation OP. Mittels chirurgischem Verfahren wurde der Patientin über einen kleinen Schnitt am Rücken eine Elektrode am Rückenmark implantiert. Hinzu kam ein kleiner, ebenfalls implantierter Impulsgeber. Mit einem Handgerät kann die Patientin die Stärke der Stimulation selber einstellen. Die Elektroden des SCS senden elektrische Impulse geringer Intensität aus, um bestimmte Nervenfasern entlang des Rückenmarks anzuregen. Auf diese Weise werden Schmerzmeldungen nicht mehr an das Gehirn übertragen. Dank der elektrischen Impulse spüren die Patienten anstatt des Schmerzes ein angenehmeres Kribbeln oder eine Empfindung wie bei einer Massage – der sogenannte Parästhesie-Effekt tritt ein.

Die Schmerzen seien zwar da, aber würden in den Hintergrund treten, schildert die Patientin den Effekt. Die rückenmarksnahe Elektrostimulation schalte den Schmerz im Kopf ab. Die erfolgreich Behandlung führte zu einer starken Reduktion von Schmerzmitteln, ermöglichte der Patientin ganz normal ihre Hausarbeit zu verrichten und sich um ihre beiden erwachsenen Kinder zu kümmern. Da das Schmerzempfinden am Morgen häufig geringer als abends ist, braucht sie den Stimulator auch nicht den ganzen Tag angeschaltet lassen. Trotzdem spürt sie die Elektroden im Rücken. Eingeschränkt ist sie dadurch nur, dass sie extreme sportliche Belastung unterlassen und die Nähe zu stärkeren elektromagnetischen Feldern – etwa Induktionskochherde – meiden sollte. Auch muss sie alle acht Tage den implantierten Impulsgeber aufladen. Dass die Patientin nach sechs Jahren zurück in die Klinik für Neurochirurgie des Dresdner Uniklinikums kam, lag daran, dass die Batterie erschöpft war, unter lokaler Betäubung wurde dann ein neues Gerät implantiert.

 

Rückenmarksnahe Elektrostimulation – Erst-Implantation in zwei Schritten

Eine Erst-Implantation des SCS erfolgt in zwei Schritten: Nachdem Spezialisten entschieden haben, dass die Behandlung in der individuellen Situation geeignet sein könnte, testeten sie die rückenmarksnahe Elektrostimulation beim Patienten. Dazu werden zuerst nur die Elektroden implantiert – unter laufender Röntgenkontrolle, um die richtige Position der Elektroden zu finden. Parallel wird getestet, ob die elektrische Stimulation die Schmerzgebiete des Patienten erreicht. Dazu schließen die Neurochirurgen bereits während des Eingriffs die Elektrode an einen externen Stimulator an. Um die Elektroden optimal platzieren zu können, muss der Patient bei vollem Bewusstsein sein. Allerdings sind an diesem Eingriff Narkoseärzte beteiligt, so dass die Implantation schmerzfrei verläuft. Nach erfolgreichem Test wird das akkugetriebene Stimulationsgerät mit den bereits eingebrachten Elektroden verbunden.

Quelle: Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden

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