Dreitagefieber durch den Erreger HHV-6

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HHV-6 ist der Erreger des Exanthema subitum – auch als Dreitagefieber bezeichnet –, das normalerweise eine relativ harmlose Kindererkrankung ist.

HHV-6 (Human Herpesvirus-6 – Humane Herpesvirus Typ 6 ) ist der Erreger des Exanthema subitum, das vor allem auch als Dreitagefieber bekannt ist. Diese Kindererkrankung, an der fast alle Kinder in den ersten zwei Lebensjahren irgendwann erkranken, wird von Ärzten grundsätzlich als harmlos angesehen. Es können allerdings auch schwere Krankheitsverläufe nach primärer Infektion und vor allem bei Reaktivierung in immunsupprimierten Patienten auftreten.

 

Dreitagefieber zeigt sich in schweren Fällen mit hohem Fieber und Symptomen einer Mittelohrentzündung sowie typische kleinfleckigen Hautausschlägen

In groß angelegten Studien mit Kindern wurde gezeigt, dass etwa 20% der Ambulanzbesuche von Kindern mit fieberhaften Infekten im ersten ­Lebensjahr aufgrund einer primären HHV-6-Infektion erfolgen. Über 10% der an HHV-6 erkrankten Kinder müssen eine stationäre Behandlung bekommen.

Die Hauptsymptome bei schweren Fällen sind hohes Fieber und Symptome einer Mittelohrentzündung. Bei nur knapp einem Drittel der erkrankten Kinder zeigen sich die für das Exanthema subitum typische kleinfleckige Hautausschläge an Rumpf und Extremitäten.

 

HHV im zentralen Nervensystem

Das HHV-6 kann auch das zentrale Nervensystem (ZNS) befallen. Neurologische Begleiterscheinungen wie Reizbarkeit, Erbrechen, Vorwölbung der vorderen Fontanelle und kurz andauernde Fieberkrämpfe sind häufig. Selten werden Ataxien und aseptische Meningitis beobachtet, die meist eine gute Prognose haben, aber differentialdiagnostisch zu Meningitiden anderer Genese von Bedeutung sind.

Mit der Persistenz – dem beharrlichen Aufenthalt – von HHV-6 im ZNS wurden auch in einigen Untersuchungen rezidivierende Fieberkrämpfe in ursächlichen Zusammenhang beobachtet; was in einer neueren Studie aber nicht bestätigt werden konnte.

Bei den selten vorkommenden primären Infektionen bei Jugendlichen und Erwachsenen beobachtet man prolongierte Lymphadenopathie, heterophil-negative Mononukleosen, Hepatitis und auch Enzephalitiden. Die Diagnose einer primären HHV-6-Infektion erfolgt in der Regel durch den Nachweis einer Serokonversion oder eines 4fachen Titeranstiegs bei anfänglich niedrigen IgG-Antikörper-Titern.

Ein zusätzlicher wertvoller diagnostischer Parameter ist der direkte Virusnachweis mittels PCR im Serum oder Liquor. Wie bei allen Herpesviren kommt es auch nach einer primären HHV-6-­Infektion zum Persistieren des Virus. Reaktivierungen können durch Anti­körper­anstiege und direkten ­Virus­nachweis im Serum oder Liquor nachgewiesen werden. Sie werden bei ­immunsupprimierten Patienten mit Auftreten von Fieber mit und ­ohne Ausschlag, neurologischen Symptomen, Hepatitis aber auch Trans­plantatabstoßung und Unterdrückung der Knochmarksbildung in Zusammenhang gebracht.

Lebens­bedroh­liche interstitielle Pneumonien und ­Enzephalitiden wurden bei ­knochenmarkstransplantierten Patienten beschrieben. Auch wenn der ur­sächliche Zusammen­hang mit einer HHV-6-­Reaktivierung schwer zu beweisen ist, wird ein solcher zumindest in einem Teil dieser Krankheitsbilder angenommen.

Quellen und weitere Informationen:

http://cid.oxfordjournals.org/content/33/6/829.full

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM199408183310703#t=article

http://wwwnc.cdc.gov/eid/article/5/3/99-0306_article

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Dr. Reinhold Lautner

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