Doppelblind oder personalisiert?

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Da doppelblind getestet wird, haben Studienergebnisse für den Einzelnen eine gewisse Unschärfe, durch Gendiagnostik können Arzneimittelbezogene Probleme entdeckt und gelöst werden.

Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, ob alle Arzneimittel bei allen Menschen gleich wirken? Kein Problem, wenn nicht. Aber wenn Sie jetzt dazu aufgefordert werden, fallen Ihnen vielleicht Beispiele ein, die Sie stutzig machen, so dass Sie zu dem Schluss kommen, dass dies tatsächlich eine interessante Frage sein könnte. Natürlich wirken Arzneimittel keineswegs bei allen Menschen gleich. Und wer tatsächlich nicht wie die Norm auf ein Arzneimittel reagiert – sei es hinsichtlich Wirksamkeit oder hinsichtlich Verträglichkeit – der hat ein richtiges Problem in unserer Gesellschaft. Denn solche Ausreißer sind eigentlich nicht vorgesehen in einem System, das sich „evidenzbasierte Medizin“ nennt. Schließlich wurden die Arzneimittel, denen durch die Zulassung die Verkehrsfähigkeit zugesprochen wurde, in großen klinischen Studien rigoros getestet – prospektiv und doppelblind.

 

Arzneimittel doppelblind getestet bringt Unschärfe für den Einzelnen

Und hier liegt das Problem, mit dem wir uns bisher abfinden mussten. Da doppelblind getestet wird, haben die Ergebnisse der klinischen Studien für den Einzelnen eine gewisse Unschärfe. Die Ergebnisse fallen bekanntlich in Form einer mehr oder weniger ausladenden Gauß’schen Verteilung an. Und wählt man die Testpopulation groß genug, so beobachtet man teils radikale „Ausreißer“. Ausschläge in Richtung „Unwirksamkeit“ sind ebenso möglich, wie Ausschläge in Richtung einer individuellen Überdosierung bei prinzipiell korrekter Anwendung, was sich für die Betroffenen in Unverträglichkeit bis hin zu einer relevanten Toxizität äußert.

Ich möchte Ihnen in einer kleinen Serie Geschichten von Freunden, Bekannten und von Bekannten von Bekannten erzählen, wie sich diese Unschärfe aus der Arzneimittel-Testung für diese Menschen bei der Einnahme ihrer meist sehr wichtigen Arzneimittel teils katastrophal auswirkte, und wie durch neue Strategien die erkannten Probleme gelöst wurden.

Klar ist, dass jeder Mensch nach einem bestimmten Programm funktioniert, das in seinen Genen festgeschrieben ist. Das drückt sich nicht nur in physiologischen Abläufen aus, die wir als solche gar nicht wahrnehmen. Gut sichtbar wird diese programmatische Vielfalt der genetischen Programme aber beispielsweise im Aussehen des einzelnen Menschen. Und da kann es eigentlich nicht überraschen, dass auch der Umgang des Organismus mit Arzneimitteln variieren sollte, was ja schließlich auch die ausladenden Gauß`schen Wirkkurven und die Ausreißer im Rahmen einer klinischen Wirkstoff-Testung zeigen.

Da ist es gut, sich zu erinnern, dass seit über zehn Jahren das komplette humane Genom entschlüsselt ist. So sollte es rein theoretisch kein Problem sein, individuelle genetische Information dahingehend zu befragen, ob mit ungewöhnlichen Reaktionen bei der Einnahme eines Medikamentes zu rechnen ist. Und tatsächlich ist das auch kein Problem.

 

Durch Gendiagnostik Arzneimittel-bezogene Probleme entdecken und lösen

Bevor ich mit Ihnen in dieser Serie konkrete Beispiele erzähle, wie durch Gendiagnostik für einzelne Personen Arzneimittel-bezogene Probleme entdeckt und gelöst werden konnten, müssen wir uns noch einmal ganz kurz klar machen, was so alles passiert, nachdem man eine Tablette oder ein Dragee zur Behandlung einer Krankheit oder Befindlichkeitsstörung heruntergeschluckt hat.

Wer meint, der Wirkstoff interagiert nur mit der biologischen Struktur, die am Krankheitsgeschehen direkt beteiligt ist, um deren Funktion zu korrigieren und damit den Verlauf der Krankheit zu stabilisieren oder zu stoppen, der springt zu kurz. Der eingenommene Wirkstoff wird auch von Körperstrukturen erkannt, die mit Krankheit gar nichts zu tun haben. Denn bevor ein Arzneimittel überhaupt wirken kann, muss es irgendwie in den Blutkreislauf gelangen, um schließlich irgendwo im Organismus sein Ziel finden zu können. Und wenn das Arzneimittel gewirkt hat, muss es auch wieder ausgeschieden werden können, nachdem es vielleicht zuvor chemisch entgiftet wurde.

Aufnahme, Entgiftung und Ausscheidung von Arzneimitteln sind komplexe Prozesse, die von Proteinen gesteuert werden. Und in diese Proteine können sich Fehler einschleichen, die in den Genen für diese Proteine festgeschrieben sind. Solche Probleme bleiben unbemerkt, so lange man keine Arzneimittel einnimmt. Ist man aber einmal auf die Einnahme eines Arzneimittels angewiesen, erlebt man unter Umständen eine böse Überraschung.

Wird der Wirkstoff nicht mit der mittleren Geschwindigkeit aufgenommen, wie dies bei der Mehrzahl der Patienten der Fall ist, kann bei einer verzögerten Aufnahme entweder keine Wirkung oder nur eine eingeschränkte Wirkung eintreten. Oder die Wirkung fällt viel zu heftig aus, wenn zu viel Wirkstoff pro Zeiteinheit aufgenommen wird.

Anders, aber nicht weniger brisant, verhält es sich, wenn diejenigen Mechanismen „untypisch“ funktionieren, die einen Wirkstoff für die Ausscheidung vorbereiten. Hierbei führen die meist in der Leber lokalisierten Enzyme chemische Modifikationen am Wirkstoff ein, die die Voraussetzung dafür sind, dass das Molekül über den Faeces oder den Urin ausgeschieden werden kann. Auch diese Enzyme werden von Genen kodiert, und auch hier können bei einzelnen Menschen Fehler vorliegen, die Funktionslosigkeit der Enzyme nach sich ziehen. Dann wird der entsprechende Wirkstoff sehr untypisch und meist extrem verlangsamt ausgeschieden. Wissen Arzt und Patient dies nicht und nimmt der Patient sein Medikament nach Vorschrift ein, akkumuliert der Wirkstoff mit gefährlichen Folgen. Zunächst treten unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf. Werden diese nicht als Warnsignale wahrgenommen, kann es zu toxischen Wirkungen kommen.

Mit Hilfe einer gezielten Gendiagnostik lassen sich diese Probleme im Vorfeld einer Arzneimitteltherapie erkennen und durch geeignete Maßnahmen vermeiden.

Lassen Sie sich von den Geschichten, die ich Ihnen erzählen werde, überraschen. Und Sie sollten wissen, es gibt eine Lösung zu allen möglichen Problemen: Ein Test, mit dem Sie ermitteln können, wie Sie persönlich mit Arzneimitteln umgehen. Dieser Test heißt STRATIPHARM. Informationen erhalten Sie in Ihrer Apotheke, unter www.stratipharm.at und demnächst auch in dieser Serie.

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About Author

Prof. Dr. Theo Dingermann

Prof. Dr. Theo Dingermann – Pharmazeut, Biochemiker und Molekularbiologe – war bis 2013 Inhaber der C4-Professur für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt und ist seit 2013 Seniorprofessor an dieser Universität. Von 1998 bis 2000 war er Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main und von 2000 bis 2004 Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG). Prof. Dingermann – ausgewiesener Experten auf den Gebieten Biotechnologie, Gentechnische Arzneimittel, Stratifizierte Arzneimitteltherapie und Immunologie – ist Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer und war viele Jahre der Beauftragte für Life-Sciences und Biotechnologie des Landes Hessen.

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