Die globale Erwärmung beeinflusst nicht die Wintersterblichkeit

0

Wissenschafter widersprechen bisherigen Behauptungen, dass die globale Erwärmung die Wintersterblichkeit reduzieren würde – das tut sie nicht.

Globale Erwärmung ist Realität: Auf der Erde ist es so warm wie noch nie zuvor seit Beginn der letzten Eiszeit. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts ist die durchschnittliche Erdtemperatur deutlich angestiegen, ein Trend der sich, allen Erwartungen zufolge, auch fortsetzen und für wird. Es sei, so die Experten, mit immer wärmeren Temperaturen zu rechnen. Einige bisherige Studien sprechen von einem Zusammenhang zwischen der steigenden Temperaturen und Wintersterblichkeit beziehungsweise der Reduktion kältebedingter Todesfälle während der kalten Monate.

Der US Environmental Protection Agency (EPA) zufolge, ist die durchschnittliche Erdtemperatur mittlerweile von -17 °C auf -12.5 °C gestiegen. Dies hat zu merklichen Klima- und Wetterveränderungen geführt, wobei viele Regionen weltweit immer häufiger von Trockenperioden, Fluten oder starken Hitzewellen heimgesucht werden.

Globale Erwärmung wird weiter steigen

Schätzungen zufolge, wird die Erdtemperatur in den kommenden 100 Jahren weiter steigen, und zwar auf etwa -11.4 °C. Neben den damit verbundenen umweltrelevanten Herausforderungen, stellen viele bisher durchgeführte Studien einen positiven Zusammenhang zwischen globaler Erwärmung und einer Reduktion der Wintersterblichkeit her.

In diesem Punkt jedoch widersprechen Prof. Kinney und Kollegen. Denn im Zuge ihrer Forschungsarbeit untersuchten die Forscher Temperaturanalysen und Sterblichkeitsdaten von 39 Städten in den US und Frankreich. Demnach sei es eher unwahrscheinlich, dass es aufgrund des Temperaturanstieges zu einer Reduktion der im Winter auftretenden Todesfälle kommt. Der Grund dafür sei einfach. Die erhöhte Sterblichkeit in den Wintermonaten ist keine direkte Folge niedriger Temperaturen, so die Wissenschafter.

Diese Erkenntnisse veröffentlichten Erstautor Patrick Kinney, Professor für Umweltwissenschaften an der Columbia University’s Mailman School of Public Health in New York, NY und sein Team kürzlich im Fachjournal Environmental Research Letters.

 

Die Temperatur ist nicht die Hauptursache für die Wintersterblichkeit

Die Analysen beinhalteten Daten die zwischen 1985 bis 2006 in 36 Städten in den US – darunter New York und Miami – und zwischen 1971 bis 2006 in drei Städten in Frankreich – Paris, Lyon und Marseille – aufgezeichnet wurden.

Die Wissenschafter untersuchten die täglichen Temperaturen und analysierten parallel dazu, die Sterblichkeitsdaten in den jeweiligen Städten. Dabei stellte sich heraus, dass Städte mit wärmeren Wintern eine ähnliche Sterblichkeitsrate aufwiesen, wie jene mit besonders kalten Wintern. Es bestehe also kein kausaler Zusammenhang zwischen Kälte und der in den Wintermonaten erhöhten Mortalität, so die Experten.

„Stünden kalte Temperaturen in direktem Zusammenhang mit der im Winter erhöhten Sterblichkeit, würde sich dies in Städten mit großen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter oder sehr niedrigen winterlichen Temperaturen deutlich stärker auswirken,“ so Kinney. “Unsere Erkenntnisse zeigen, dass die Reduktionen kältebedingter Todesfälle im Zuge der globalen Erwärmung wesentlich weniger signifikant sind, als bisher angenommen.“ Den Forschern zufolge sind es andere Faktoren, die zu einer Erhöhung der Sterblichkeit im Winter führen.

Beispielsweise gilt Influenza als großer Risikofaktor in den Wintermonaten, in der die Ansteckungsgefahr aufgrund diverser Umstände (z.B. nasskaltes Wetter, weniger Bewegung, geringe Luftfeuchte) besonders hoch ist.

Dennoch weist die aktuelle Studie einige Limitierungen auf. Beispielsweise waren die Forscher nicht in der Lage, die Todesursachen in den jeweiligen Todesfällen ausfindig zu machen. Zudem wurde Faktoren, wie Alter, Geschlecht oder ökonomischer Status nicht n die Untersuchung miteinbezogen.

Im Gegensatz zu den aktuellen Ergebnissen, wurde im Mai diese Jahres eine Studie veröffentlicht, die sehr wohl von einem Zusammenhang zwischen winterlichen Temperaturen und klimabedingter Todesfälle ausgeht.

Quelle: Winter season mortality: will climate warming bring benefits?, Patrick Kinney et al., Environmental Research Letters, doi:10.1088/1748-9326/10/6/064016 – veröffentlicht zur Wintersterblichkeit online am 19. Juni 2015.

Share.

About Author

Dipl.-Ing. Alexandra Springler

Seit 2011 ist Dipl.-Ing. Alexandra Springler MEDMIX- und AFCOM-Mitarbeiterin. Nach Abschluss ihres Biotechnoligiestudiums ist sie nun in der Forschung tätig und absolviert zur Zeit ihr Doktorat.

Comments are closed.