Adipositas und Depression

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Adipositas und Depression bedingen und fördern sich gegenseitig; die Wahrscheinlichkeit für eine Depression steigt mit zunehmendem Body-Mass-Index.

Etwa jeder vierte bis fünfte Mensch mit Adipositas ist depressiv. Betroffene haben nicht nur im doppelten Sinn ein schweres Los – sie sind auch noch einer doppelten gesellschaftlichen Stigmatisierung ausgesetzt. Auch im Gesundheitswesen ist eine gewichtsbezogene Stigmatisierung und Diskriminierung adipöser Menschen leider verbreitet; kommen die Symptome einer Depression hinzu, ist die Versorgung oft erst recht unzureichend.

 

Zusammenhang Adipositas und Depression

Schweres Übergewicht, Adipositas und Depression bedingen und fördern sich gegenseitig; die Wahrscheinlichkeit für eine Depression steigt mit zunehmendem Body-Mass-Index. Ein Mensch mit schwerem Übergewicht hat eine um 50% höhere Chance depressiv zu werden als ein Mensch ohne schweres Übergewicht. Ebenso hat ein depressiver Mensch eine um 50% höhere Chance schwer übergewichtig zu werden.
Eine depressive Symptomatik erschwert eine erfolgreiche Adipositastherapie zusätzlich. Sie macht sich meist bemerkbar durch ein mindestens zwei Wochen andauerndes Stimmungstief; Betroffene ziehen sich aus sozialen Beziehungen zurück, leiden unter Schlafstörungen und Lustlosigkeit und haben womöglich suizidale Gedanken oder Tendenzen.

Beide Erkrankungen sollten entsprechend der jeweiligen Leitlinien getrennt, aber nicht losgelöst voneinander behandelt werden: „Mediziner und Psychologen müssten schon im Studium besser auf übergewichtige Patienten vorbereitet werden – immerhin ist die Mehrheit der Bevölkerung bereits übergewichtig und ein Viertel adipös.“, betont Professor Dr. med. Martina de Zwaan. Ein Psychosomatiker, Psychiater oder ein Psychologe, der die Depression behandelt, habe in der Regel wenig Ahnung von leitliniengerechter Adipositastherapie und bekomme das auch nicht bezahlt, erläutert die Psychosomatikerin. Mit fortschreitender Gewichtsabnahme werde eine Depression zwar besser, aber nur vorübergehend1; umgekehrt führe auch eine erfolgreiche Behandlung der Depression allein noch nicht automatisch zu einer nachhaltigen Gewichtsreduktion. „Die Behandler müssen zum Wohle des Patienten kooperieren und sich ergänzen. Wichtig ist z.B., dass der behandelnde Psychosomatiker oder Psychiater keine Antidepressiva verordnet, die Gewichtszunahmen fördern“, erläutert de Zwaan.

Quellen:

http://www.adipositas-gesellschaft.de/

De Zwaan, M (2012): „Könnten operative Eingriffe die Psychopathologie langfristig besser beeinflussen als evidenzbasierte Psychotherapie? Pro und contra bariatrischer Chirurgie in der Adipositasbehandlung Verhaltenstherapie 2012: 22:199-203 https://www.karger.com/Article/Abstract/341543

Hilbert, A; Ried, J; Zipfel, S; de Zwaan, M (2013): „Stigmatisierung bei Adipositas“ – Positionspapier des Kompetenznetzes Adipositas https://www.schattauer.de/index.php?id=5236&mid=20224&L=0

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