Diabetes und Rauchen

0

Diabetes und Rauchen: Zigarettenrauchen ist bei Typ-II-Diabetikern ein stärkerer Risikofaktor für eine KHK als der HbA1c-Wert– Rauchentwöhnung wird gefordert.

Inhalatives Zigarettenrauchen ist ein Co-Faktor bei der Entwicklung des Meta­bolischen Syndroms und fördert die Komplikationen eines bereits bestehenden Diabetes mellitus. So erhöht Zigarettenrauchen das Risiko für Atherosklerose mit KHK und pAVK, Bronchialkarzinom und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen. Weniger bekannt ist, dass Rauchen sowohl kurz- als auch langfristig negativen Einfluss auf die Insulinresistenz hat und die Wahrscheinlichkeit erhöht, an Diabetes mellitus Typ-II zu erkranken. Bei bereits bestehendem Diabetes und Rauchen steigt zudem das Risiko für Makroangiopathie, Nephropathie und Neuropathie drastisch an. Eine Rauchentwöhung ist dringend angezeigt.

 

Risiko für Diabetes durch Zigarettenrauchen erhöht

Mittlerweile ist auch unbestritten, dass Zigarettenrauchen ein wichtiger Faktor bei der Entstehung des Diabetes mellitus Typ-II ist. Die US Nurses Health Study zeigte bei starken Raucherinnen eine DM-II-Risikoerhöhung um 42%. Laut einer japanischen Studie ist die DM-Wahrscheinlichkeit 3,27-fach erhöht, wobei sie umso höher war, je früher mit dem Zigarettenrauchen begonnen wurde und je mehr geraucht wurde. Dies zeigt die Gefahr besonders für junge Raucher, Frauen und jene mit an Dia­betes erkrankten Verwandten. Aktuelle prospektive Studien ergaben zudem, dass selbst Passivrauchen bei 12- bis 19-Jährigen die Wahrscheinlichkeit für das Metabolische Syndrom vervierfacht.

 

Fettstoffwechsel, Diabetes und Rauchen

Zigarettenrauchen führt darüber hinaus zu einer proatherogenen Veränderung der Blut-Cholesterinwerte. Laut Ergebnissen der Framingham Offspring Study lagen die HDL-Cholesterin-Spiegel rauchender Männer um 4 mg/dl unter jenen der Nichtraucher, bei Frauen sogar 6 mg/dl unter den Werten nichtrauchender Geschlechtsgenossinnen. Die Verminderung des HDL-Cholesterins ist ein unabhängiger Risikofaktor für KHK.

Das Aufgeben des Rauchens kann hier einen Anstieg des HDL-Cholesterins innerhalb von Wochen bis Monaten auf Werte von Nichtrauchern bewirken und trägt damit ähnlich zur vaskulären Risikoreduktion bei, wie die Reduktion des LDL-Cholesterins.

Es darf nicht vergessen werden, dass auch Passivrauchen die HDL-C-Konzentration im Blut senkt. Eine Studie ergab bei Zigarettenrauch exponierten Kindern um 3,8 mg/dl geringere HDL-C-Werte als bei Kindern aus Nichtraucherfamilien. Insgesamt ist die Wirkung des Zigarettenrauchens auf die HDL-Werte dosisabhängig, sodass auch bei leichten Rauchern Effekte nachweisbar sind.

 

Mikro- und makroangiopathische Veränderungen durch die Kombination Diabetes und Rauchen

Das atherogene Potenzial des Rauchens ist gut untersucht: Im Vergleich zu Nichtrauchern zeigten Messungen der Intima-Media-Dicke bei Exrauchern, Passivrauchern und Rauchern eine stärkere Zunahme.

Noch massiver von den Effekten des Zigarettenrauchens betroffen sind Diabetiker. Zahlreiche diabetische Spätschäden treten eher auf und die Mortalität ist doppelt so hoch.

Rauchende Diabetiker haben großen prospektiven Studien zufolge im Vergleich zu nichtrauchenden Diabetikern ein 2- bis 4-fach erhöhtes Risiko für makroangiopathische Veränderungen wie koronare Herzkrankheit, periphere Verschlusskrankheit und cerebrale Durchblutungsstörungen.

Wohingegen in der Allgemeinbevölkerung Zigarettenrauchen die Progression einer Atherosklerose um 50% beschleunigt, tut es dies bei Diabetikern um 200%. Dementsprechend ist auch Passivrauchen für Diabetiker gefährlicher als für Nichtdiabetiker: In der Allgemeinbevölkerung nimmt die Atheroskleroseprogression durch Passivrauchen um 20% zu, bei Diabetikern um 65%.

Auch eine Mikroangiopathie wird durch Tabakrauchen verstärkt. Schon in den 80er Jahren konnte der Zusammenhang zwischen Proteinurie und Rauchen nachgewiesen werden, später ergab eine Studie an Typ-I-Diabetikern mit Nephropathie, dass 53% der rauchenden Patienten eine Progression ihrer Nierenerkrankung erlitten, hingegen nur 11% der Nichtraucher. Auch bei Diabetes mellitus Typ-II ist das Entstehen und die Verschlechterung der Nierenfunktion eine ernste Folge des Zigarettenrauchens. Rauchende diabetische Dialyse-Patienten verringern ihre 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von 37% auf 9%.

Unklar ist derzeit noch, ob Zigarettenrauchen auch die Retinopathie beeinflusst, gesichert ist jedoch eine Beziehung zwischen Rauchen und altersabhängiger Makuladegeneration: Das Risiko ist bei Passivrauchern annähernd verdoppelt, bei aktiv Rauchenden verdreifacht.

Sowohl bei rauchenden Typ-I- als auch Typ-II-Diabetikern ist das Risiko, eine Neuropathie zu entwickeln bzw. zu beschleunigen, zwei- bis dreifach erhöht. Daneben sind sowohl Diabetes mellitus als auch Rauchen Risikofaktoren für eine erektile Dysfunktion.

 

Diabetes und Rauchen: Gewichtsprobleme nach Rauchentwöhnung

Oft beeinflussen Raucher mit­hilfe des Zigarettenrauchens ihr Hungergefühl und Körpergewicht. Speziell bei Diabetikern kann dieser Aspekt beim Aufgeben des Rauchens eine Rolle spielen. Das Körpergewicht von Rauchern ist zwar tatsächlich im Durchschnitt geringer als bei Nichtrauchern, allerdings ist bei Rauchern die Fettakkumulation meist abdominell verstärkt und könnte das metabolische Syndrom mitbeeinflussen. Da sich bei Rauchentwöhnung die Insulinempfindlichkeit verbessert, ist trotz einer möglichen Gewichtszunahme das Aufgeben des Rauchens von eindeutigem Vorteil für Diabetiker.

 

Rauchentwöhnung bei Diabetes und Rauchen oberstes Ziel

Jährlich sterben Millionen Menschen an den Folgen des Zigarettenrauchens, 2030 sollen es sogar 8,3 Millionen sein. Das entspricht 10% der weltweiten Todesfälle. Rauchen ist damit die bedeutendste vermeidbare Todesursache und zudem der einzige Risikofaktor, der auf Null reduziert werden kann. Die Rauchentwöhnung ist daher eine der kosteneffizientesten Therapieoptionen für Diabetiker. Doch etwa 40% der rauchenden Diabetiker erhalten von ihren behandelnden Ärzten keine konkreten Vorschläge zur Rauchentwöhnung.

 

Diagnostik des ­ Rauch­verhaltens

Um die langfristigen Erfolgsquoten der Rauchentwöhnung bei Diabetikern zu optimieren, ist ein strukturiertes Vorgehen bei Diagnostik und Therapie der Zigarettenabhängigkeit wichtig. Zur Objektivierung des Rauchverhaltens sollte bei jedem Diabetiker mindestens einmal eine Messung des CO-Wertes der Ausatemluft durchgeführt werden.

Bei positivem Ergebnis sollte die Nikotinabhängigkeit mit dem Fagerström-Test erhoben werden, um das therapeutische Vorgehen der Tabakentwöhnung besser planen zu können. Bei Rauchern sind in der Folge einmal jährliche CO-Messungen sinnvoll.

 

Die Rauchentwöhnung

Wichtig ist, den Raucher von seiner Zufriedenheit mit seinem Rauchverhalten (konsonant) weg- und zu einem Änderungswillen (dissonant) hinzubringen. Dabei kann die regelmäßige Messung des CO-Gehaltes der Ausatemluft unterstützend wirken.

Wurde der Patient durch den Arzt aufgeklärt, was dieser Wert konkret bedeutet, können Betroffenheit und Motivation entstehen. Besteht bereits Aufhörwille, sollten konkrete Möglichkeiten der Rauchentwöhnung angeboten werden, wobei diese meist langfristig – über mindestens ein Jahr – durchzuführen sind. Hier kommen zusätzlich zur Verhaltensmodifikation auch verschiedene Nikotinersatz- und medikamentöse Therapien in Betracht.

 

Passivrauchen vermeiden

Natürlich ist auch das Passivrauchen ein Risikofaktor, weshalb auch auf das Rauchverhalten der Umgebung des Patienten – zuhause, am Arbeitsplatz oder im Stammlokal – zu erheben ist. Durch gute Aufklärung und psychologische Unterstützung kann der Patient auf seine Umwelt wirken und sich besser gegen den Rauch anderer wehren.

Diabetes und Rauchen, Ausweg Rauchentwöhnung – Fazit. In Anbetracht der Anstrengungen zur Risikoreduktion durch HbA1c-, Lipid- und Blutdruck­senkung sollte auch der Rauchentwöhnung ein gleichwertiger Stellenwert eingeräumt werden. Die Gefährdung des Diabetikers durch den »Tabakgenuss« muss unbedingt thematisiert und eingeschränkt werden.

Share.

About Author

Dr. Darko Stamenov

Comments are closed.