Diabetes im Alter als Herausforderung

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Diabetes im Alter ist eine große Herausforderung für die Gesellschaft, von den Patienten mit Diabetes mellitus Typ II sind zwei Drittel älter als 60 Jahre.

Das Auftreten und die anschließende Behandlung des Diabetes mellitus des älteren Menschen stellt somit eher die Regel als die Ausnahme dar. In diesem Sinne kann bezüglich Therapieempfehlungen zu Diabetes im Alter auf verschiedene Leitlinien der Diabetesgesellschaften verwiesen werden.

Besondere Beachtung verdient die Patientengruppe der über 75-jährigen bzw. über 80-jährigen Diabetiker. Entsprechend des raschen Anwachsens dieser hochbetagten Personengruppe im letzten Jahrzehnt stellen sich Fragen nach Behandlungsspezifika in der klinischen Behandlungspraxis dementsprechend häufiger.

In den nächsten Jahrzehnten wird die Altersgruppe der über 80-Jährigen die am stärksten wachsende sein. Bis 2050 ist eine Vervierfachung der Anzahl Hochbetagter in der österreichischen Gesellschaft prognostiziert. Exemplarisch sollen im Folgenden einige Besonderheiten von Diabetes im Alter – vor allem bei Hochbetagten – dargestellt werden. wobei ausschließlich auf den Glucosemetabolismus fokussiert wird.

 

Hypoglykämien

Erst im Rahmen der klinischen Tätigkeit an einer Stoffwechselabteilung eines Schwerpunktkrankenhauses wird ersichtlich, wie häufig schwere Hypoglykämien einen akuten Aufnahmegrund für Hochbetagte mit Diabetes mellitus darstellen. Als häufigste Auslöser einer medikamentös induzierten Hypoglykämie sind Sulfonylharnstoffpräparate und/oder eine Insulintherapie erhebbar. Die Gründe für das stark gesteigerte Unterzuckerungsrisiko im hohen Alter sind vielfältig:

  • Organfunktionsstörungen (vor allem der Nieren), welche eine Kumulation der Medikamente bewirken;
  • eingeschränkte kognitive Funktion, die das rechtzeitige Erkennen von frühen Symptomen einer Unterzuckerung erschwert;
  • mangelnde Compliance hinsichtlich des richtigen Zeitpunktes und der richtigen Menge der Arzneimittelverabreichung (vor allem bei Insulintherapie);
  • große Unterschiede in der täglichen Nahrungsmittelaufnahme aufgrund von Appetitschwankungen;
  • Auftreten interkurrenter Gesundheitsstörungen, wie Erbrechen und Durchfälle.

Schwere Hypoglykämien bei hochbetagten Patienten führen fast immer zur stationären Spitalsaufnahme. Zudem können infolge von Hypoglykämie bedingten Stürzen Verletzungen und Frakturen auftreten. Im ­präklini­schen Akutfall ist eine rasche Differenzialdiagnose (schwere Hypoglykämie oder cerebrale Funktionsstörung anderer Ursache) gelegentlich verzögert oder durch unklare Umstände erschwert.

Das Bemühen, schwere Hypoglykämien bei hochbetagten Patienten zu vermeiden, ist daher ein vorrangiges Ziel der medikamentösen Diabetestherapie.

 

Anpassung der Stoffwechselzielwerte

Diabetesstudien weisen darauf hin, dass auch bei »älteren« Diabetikern (Alter zwischen 60 und 70 Jahren) eine allzu strikte Stoffwechselkontrolle mit einem HbA1c-Zielwert von 6,0% mit einer erhöhten Mortalität assoziiert sein könnte. Dies dürfte vor allem auf jene Patienten zutreffen, bei welchen eine lange Diabetesdauer besteht, bereits kardiovaskuläre Komplikationen vorliegen und die vor der raschen Stoffwechselverbesserung sehr schlecht eingestellt waren. Auch in diesen Fällen werden therapieinduzierte Hypoglykämien als mögliche Ursachen für die erhöhte Mortalität diskutiert. Da bei hochbetagten Diabetikern (über 75 bzw. 80 Jahre) die Vermeidung diabetischer Spätkomplikationen aufgrund der beschränkten prospektiven Lebenserwartung nicht im Vordergrund steht, sollte das Ziel-HbA1c in der Regel nicht unter 7% liegen. Im begründeten Einzelfall (ausgeprägt Multimorbidität, hochgradige Demenz, rezidivierende schwere Hypoglykämien) kann das Ziel-HbA1c auf 7,5 bzw. 8% angehoben werden.

Quelle:

Diabetes im Alter. Prim. Univ.-Doz. Dr. Peter Fasching. MEDMIX 10/2008.

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/leitlinien/evidenzbasierte-leitlinien.html

http://www.oedg.org/pdf/1301_oedg_PocketGuide_Diabetes.pdf

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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