Diabetes-Früherkennung am Arbeitsplatz

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Diabetes-Früherkennung am Arbeitsplatz: Die meisten Diabetes-Erkrankungen treten im Erwerbsalter auf.

Ein Screening-Test im Betrieb könnte deshalb einen wichtigen Beitrag zur Diabetes-Früherkennung leisten. Alters- oder Typ 2-Diabetiker sind typischerweise zwischen 55 und 60 Jahre alt, wenn ihre Erkrankung erkannt wird. Der Blutzucker ist dann oft schon seit mehreren Jahren erhöht und viele Patienten leiden bereits unter Spätschäden an Augen, Nieren, Herz oder Nervensystem. Die Krankenkassen bieten ab dem 35. Lebensjahr Vorsorgeuntersuchungen an. Der „Check-up 35“ wird jedoch insbesondere von Männern kaum angenommen, berichtet Dr. med. Sabine Neumann vom Chemie-Konzern BASF in Ludwigshafen. Die Arbeitsmedizinerin plädiert deshalb für die Einführung einer Diabetes-Vorsorge in Betrieben.

Im Stammwerk der BASF in Ludwigshafen mit etwa 35.000 Mitarbeitern hat Dr. Neumann in den letzten Jahren der Belegschaft angeboten, im Rahmen eines allgemeinen Gesundheits-Checks das Diabetes-Risiko testen zu lassen. Dabei wurde nicht nur der aktuelle Blutzucker, sondern auch der Langzeitwert bestimmt – das sogenannte HbA1c. Er ist laut der Expertin besser zur Diabetes-Früherkennung geeignet, da er in einer einzigen Blutprobe und unabhängig von der Tageszeit bestimmt werden kann. Für eine aktuelle Blutzuckerbestimmung müssten die Arbeiter nüchtern sein, was im Rahmen eines Großbetriebes nicht möglich ist, zumal viele Beschäftigte in Schichten arbeiten und nicht alle Tests zu Beginn der Schicht durchgeführt werden können.

12.114 Mitarbeiter nutzten das Angebot zur Diabetes-Früherkennung

Insgesamt 12.114 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nahmen das Angebot an. Bei rund 13 Prozent von ihnen wurden HbA1c-Werte von 5,7 bis 6,4 Prozent gemessen. Dr. Neumann bescheinigt ihnen eine drohende Zuckererkrankung, einen sogenannten Prädiabetes, die durch eine Änderung von Lebens- und Ernährungsstil noch verhindert werden kann. Bei etwa zwei Prozent der Untersuchten war der HbA1c-Grenzwert von 6,5 Prozent bereits überschritten. Sie litten meist ohne es ahnen bereits an einem Typ-2-Diabetes. Die Häufigkeit stieg mit dem Alter an. In der Gruppe der über-50-Jährigen hatten bereits gut 22 Prozent einen Prädiabetes und etwa vier Prozent einen Diabetes.

Neben dem Bluttest füllten die Arbeiter noch einen Fragebogen, auch „Findrisk“ genannt, aus, der die wichtigsten Risikofaktoren erfasst. Dazu gehören Body-Mass-Index, Bauchumfang, körperliche Aktivität, Ernährungsgewohnheiten, Blutdruck und das Vorkommen von Diabetes in der Familie. Rund 19 Prozent hatten im Fragebogen ein erhöhtes Risiko. „Findrisk“ gibt die potenzielle Gefährdung in Prozent an, in den nächsten zehn Jahren einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Dr. Neumann hofft, dass ein erhöhter Wert die betroffenen Arbeiter für ihr Gesundheitsrisiko sensibilisiert und eine Änderung der Lebens- und Ernährungsweise bewirkt.

Weitere Obsorge für Risiko-Probanden der Diabetes-Früherkennung ist vorgesehen

Ob dies der Fall ist, konnte die Arbeitsmedizinerin nicht untersuchen. Zwar wurde den Beschäftigen mit auffälligen Ergebnissen Anschlussangebote zu gesunder Ernährung, Bewegung und Veränderung des Lebensstils gemacht. Ob diese jedoch angenommen wurden, entzieht sich der Kontrolle der Betriebsärzte. Dr. Neumann plant allerdings, die Inanspruchnahme der Gesundheitsangebote in künftigen Gesundheits-Checks zu erfragen und den Effekt auf den Gesundheitszustand in späteren Untersuchungen weiter zu verfolgen.

Quellen: S. Neumann et al.: Diabetes-Screening und Prävention in einem Großunternehmen der chemischen Industrie; DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2015; 140 (10); e94–e100

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MEDMIX Online-Redaktion

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