Diabetes bei älteren Menschen

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Wie gut Diabetes bei älteren Menschen behandelt beziehungsweise betreut wird, hängt nicht nur von der Beurteilung der Höhe des HbA1c-Wertes ab.

Bei Diabetes bei älteren Menschen sind neben der Kontrolle des HbA1c-Wertes auch die regelmäßige Untersuchung der Augen (um eine Retinopathie auszuschließen), der Nieren (um eine Nephropathie auszuschließen) und der Gefäße (um eine Neuropathie auszuschließen) sowie entsprechende Fußkontrollen notwendig – dies sollte Standard einer adäquaten Behandlung sein. Den Diabetes bei älteren Menschen zu ignorieren und therapeutisch einfach „wegzuschauen“, ist keinesfalls angebracht.

Die Häufigkeit von Glukosetoleranzstörungen beträgt bei Über-75-jährigen über 20%, in geriatrischen Betreuungseinrichtungen bis zu 50%. Große Untersuchungen konnten zeigen, dass die Senkung des HbA1c-Langzeitblutzuckerwertes Spät-komplikationen und deren Folgekosten deutlich vermindern kann.

Laut internationalen Erhebungen nehmen älteren Menschen mit Diabetes (60-74 Jahre) 2 bis 3 mal so viele Gesundheitsleistungen in Anspruch als altersgleiche Nichtdiabetiker. Die Behandlung von diabetischen Folgeerkrankungen verschlingt den größten Teil der Kosten.

Niereninsuffizienz, Diabetischer Fuß und häufiger geriatrische Syndrome führen zu beschleunigtem Verlust der Selbstständigkeit und zu stationärer Pflegebedürftigkeit. Wesentliche klinische Gründe liegen in vaskulären Komplikationen, altersabhängigen Funktionsdefiziten (z.B. kognitive Beeinträchtigung) und in gesteigerter Anfälligkeit für Therapiekomplikationen (z.B. Unterzuckerung oder diabetische Entgleisung) aufgrund eingeschränkter Compliance.

 

Ziel HbA1c-Wert unter 7%

Jüngste internationale Studien konnten zeigen, dass die Senkung des HbA1c-Wertes Spätkomplikationen und Folgekos­ten deutlich vermindern kann. Ein Ziel HbA1c-Wert unter 7% wird daher von den meisten Experten gefordert. Zu beachten ist dabei aber, dass das Lebensalter beim Erstauftreten des Diabetes bei älteren Menschen und damit die Diabetesdauer eine große Rolle spielen dürfte: Personen, bei denen der Diabetes erst nach dem 75. Lebensjahr diagnostiziert wird, scheinen keine wesentlich schlechtere Prognose zu haben als gleichaltrige Nichtdiabetiker.

Die Compliance in der täglichen Praxis ist ein wichtiger Faktor: Haufige Polypharmazie und mehrmals tägliche Einnahmefrequenz sowie niederer sozial­ökonomischer Status müssen bei Diabetes bei älteren Menschen berücksichtigt werden. Schulungsprogramme für ältere Diabetiker sollten vor allem Wissen über die richtige Ernährung, über Verhinderung von hypo- und hyperglykämischen Entgleisungen (z.B. Selbstmessung der Blutglukose und/oder der Uringlukose) und über Prophylaxe des diabetischen Fußsyndroms vermitteln.

 

Therapeutische Prinzipien des Diabetes bei älteren Menschen

Die Vermeidung von hypo- und hyperglykämieassoziierten Akutsymptomen und die Prävention von Spätkomplikationen (Erblindung, Niereninsuffizienz, Amputation aufgrund diabetischen Fußsyndroms) bei gleichzeitiger Gewährleistung einer möglichst hohen Lebensqualität sind primäre Behandlungsziele bei diabetischen Patienten. Grundsäulen der Therapie sind eine entsprechende Ernährungsweise sowie eine erzielbare Steigerung der körperlichen Aktivität. Prinzipiell entspricht das therapeutische Vorgehen beim Diabetes bei älteren Menschen der klassischen Stufentherapie des Diabetes mellitus Typ 2. Die Mehrzahl der älteren PatientInnen mit Diabetes mellitus Typ 2 wird im deutschsprachigen Raum mit oralen Antidiabetika (OAD) behandelt.

Nach Versagen der oralen Therapie wird eine Insulingabe notwendig, um eine adäquate Stoffwechseleinstellung zu erreichen. Zusätzlich zur individuell optimierten Stoffwechselkontrolle ist eine strikte Blutdruckeinstellung mit einem Zielwert von RR < 145/85 besonders beim Diabetes bei älteren Menschen erforderlich. Zudem ist auch eine antiaggregatorische, eine antioxidative und lipostatische Therapie sorgsam zu erwägen.

 

Behandlung des Diabetes bei älteren Menschen an die besonderen Gegebenheiten anpassen

Grundsätzlich muss eine Therapieform des Diabetes bei älteren Menschen gewählt werden, die an die besonderen Bedürfnisse des jeweiligen Betroffenen angepasst sein sollte. Kontraindikationen und potentiellen Neben- bzw. Wechselwirkungen der Medikamente müssen berücksichtigt werden. Eine bedeutende Rolle spielt der funktionelle Status des Patienten, das heisst wie stark er seine Alltagsfunktionen beeinträchtigt sind.

Die Erfassung des Ernährungsstatus sowie der funktionellen und kognitiven Fähigkeiten gilt als unbedingt notwendig für ein erfolgreiche Therapie. Aufgrund des erhöhten Risikos einer Mangelernährung sind strikte Diätformen grundsätzlich abzulehnen.

Quelle: „Diabetes im höheren Lebensalter“, von Prim. Univ.-Doz. Dr. Peter Fasching; MEDMIX 11/2005.

BildDiabetes bei älteren Menschen durch Blutzuckermessung häufig neu bewerten. © Robert Kneschke / shutterstock.com

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