DGSM-Kongress in Münster

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Am DGSM-Kongress in Münster werden Schlaf- und Rhythmusstörungen als ein sehr häufiges Symptom bei Krebspatienten thematisiert.

Schlaf- und Rhythmusstörungen sind ein sehr häufiges Symptom bei Krebspatienten, das in der Tumortherapie allerdings oft nicht hinreichend berücksichtigt wird. Dabei mindern Schlafstörungen und Müdigkeit die Lebensqualität von Krebspatienten erheblich. Die 25. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) greift dieses Thema auf.

Die Angaben zu Schlafstörungen bei verschiedenen Formen von Krebs sind häufig und werden von 30 bis 40 Prozent der Patienten angegeben. Einige Studien finden sogar eine Häufigkeit bis zu 75 Prozent bei den Betroffenen. Krebspatienten leiden oft unter Schlaflosigkeit, aber auch unter zu langem Schlaf und Tagesschläfrigkeit. Außerdem werden Durchschlafstörungen, unruhiger Schlaf, periodische Beinbewegungen, das Syndrom der unruhigen Beine (Restless Legs) und nicht erholsamer Schlaf angegeben. Schlafstörungen, verbunden mit nächtlichem Schwitzen, sind bei Antihormonbehandlungen keine Seltenheit. Auch kann der Ruhe-Aktivitäts-Rhythmus oder Tag-Nacht-Rhythmus erheblich beeinträchtigt sein.

Schlafstörungen bei Krebs sind eng verbunden mit dem sogenannten Cancer-Related-Fatigue-Syndrom (CRF), das eines der häufigsten Symptome von Krebspatienten darstellt. Dies bezeichnet ein anhaltendes Gefühl von Müdigkeit, das in Zusammenhang mit einer Krebserkrankung oder einer Krebstherapie auftritt und die Funktionsfähigkeit am Tage beeinträchtigt. Fatigue wird als Mangel an Energie, als affektive, psychische oder kognitive Erschöpfung beschrieben. Konzentrations- und Gedächtnisvermögen sind eingeschränkt.

CRF ist in erster Linie Folge der Krebserkrankung und Tumorlast, aber auch Chemo-, Strahlen- oder Antihormontherapien können Fatigue bedingen und beeinflussen. Im Verlauf von Chemotherapien leiden rund 75 Prozent der Patienten unter Fatigue. Liegen Metastasen vor, so kann die Häufigkeit weiter ansteigen. CRF kann, wie zum Beispiel bei Brustkrebs-Patientinnen, auch ohne Metastasen noch drei bis fünf Jahre nach Abschluss der Chemo- oder Strahlentherapie weiter bestehen. Der aktuell am besten untersuchte Therapieansatz zur Behandlung von CRF ist das Ausdauertraining, gefolgt von schlafbezogenen und verhaltenstherapeutischen, achtsamkeitsbezogenen Therapieansätzen, die eine Wirksamkeit zeigen“, erklärt Privatdozent Dr. Matthias Kröz vom Forschungsinstitut Havelhöhe Berlin.

Erforscht wird momentan, ob die Zirbeldrüse mit ihrem Hormon Melatonin eine Rolle spielen könnte, da Melatonin als wichtiger Faktor bei der Schlafregulation bekannt ist. „Die biochemischen Mechanismen, die der CRF zugrunde liegen, sind bisher noch wenig untersucht und bedürfen weiterer Forschung, um zusammen mit neuen Kombinationstherapien Fatigue zu behandeln und damit die Lebensqualität von Krebspatienten zu verbessern“, so Privatdozent Dr. Christian Bartsch vom Medizinisch-Naturwissenschaftlichen Forschungszentrum (MNF) der Universität Tübingen.

Unklar ist gegenwärtig ebenso die Bedeutung der CRF für das Überleben. Verschiedene Studien geben allerdings Hinweise, dass bei Patienten mit metastasiertem Dickdarm-, Brust- oder Lungenkrebs ein gut ausgeformter Ruhe-Aktivitäts- oder ein stabiler Tag-Nacht-Rhythmus mit einer gesteigerten Überlebenswahrscheinlichkeit einhergeht.

DGSM-Kongress im Messe und Congress Centrum Halle Münsterland, www.dgsm-kongress.de.

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