MedMix

Suche: im weltweiten Medmix-Pool     im Web

Startseite | Expertenbeirat | Mediadaten | Kontakt | Impressum
Aktuelle Ausgabe  |  Ältere Ausgaben
MEDMIX 05/2009

MEDMIX 05/2009
MEDMIX 05/2009
Osteoporose – Vielfalt in Diagnostik und Therapie
Die interdisziplinäre Prävention, Diagnostik und Therapie der Osteoporose ist eine medizinische Herausforderung für das Gesundheitswesen. Osteoporotische Frakturen führen häufig zu irreversiblen Einschränkungen an Mobilität und Lebensqualität und sind auch mit einer Verkürzung der Lebenserwartung verbunden.
Auf dem Gebiet der Diagnostik war im letzten Jahr die Erstellung und Publikation von neuen Algorithmen zur Berechnung des absoluten Frakturrisikos relevant. Ein besonderes Instrument stellt FRAX dar, ein Werkzeug zur Errechnung des individuellen absoluten Frakturrisikos, dessen Entwicklung von der WHO ausging. Merkmal ist die hohe Validität des Verfahrens zur Berechnung des 10-Jahres-Frakturrisikos für größere osteoporotische und Hüftgelenksfrakturen, die breite und unkomplizierte Verfügbarkeit des web-basierten Kalkulators und die Anschaulichkeit des Einflusses der Risikofaktoren. Dies ist von besonderer Bedeutung, da gerade bisher das Frakturrisiko jüngerer Personen tendenziell überbewertet und die Nützlichkeit der Therapie im hohen Alter drastisch unterbewertet wurde. Gerade da zeigen sich der hohe Nutzen und die Effizienz der Dia­gnostik und Therapie der Osteoporose.
Die demographische Entwick­lung Österreichs bedingt eine Zunahme der Osteoporoseprävalenz und Frakturinzidenz. Diese Entwicklung betrifft nicht nur postmenopausale Frauen sondern in zunehmenden Maße auch Männer, die ihren Rück­stand in der statistischen Lebenserwartung verringert haben. Der Osteoporose des Mannes widmet sich deshalb die Übersicht von P. Mikosch aus Klagenfurt.
Sehr differenziert gehen die ­Leitlinien des Dachverbandes deutschsprachiger osteo­lo­gi­scher Gesellschaften (DVO), welche mit der letzten Fassung vom 15. 10. 2009 aktualisiert wurden, auf die klinisch relevanten Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie der Osteoporose ein. Der DVO publiziert evidenzbasierte Konsensus-Leitlinien zur Osteoporose für Frauen ab der Menopause und Männern ab dem 60. Lebensjahr (www.dv-osteologie.org) und geht zudem neben der Glucocorticoid-induzierten Osteo­porose explizit auf sekundäre Osteoporseformen ein, die in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erfahren haben. Eine Übersicht über sekundäre Osteoporoseformen bietet die Arbeit von G. Holak. Einen besonderen Stellenwert nimmt darin auch der Diabetes mellitus ein, eine Erkrankung mit – bekanntermaßen – ebenfalls steigender Prävelanz und Inzidenz. Sowohl Typ-I- als auch Typ-II-Diabetes, aber auch Lebensstilfaktoren und die medikamentöse Therapie mit Glitazonen besitzen einen Einfluss auf das Osteoporose- und Frakturrisiko, das in dieser Patientenpopulation sicherlich in Zukunft einer erhöhten klinischen Aufmerksamkeit bedarf. Die Glucocorticoid-induzierte Osteo­porose führt zu einem besonders drastischen Anstieg des Frakturrisikos und wird in dieser Arbeit ebenso betrachtet.
Einen Überblick über die wachsende Anzahl an pharmakologischen Therapiemöglichkeiten bietet die Arbeit der Autorinnen H. Muchar und E. Buchinger. Sie geben eine Übersicht über die Grundlage für den Einsatz der wichtigsten Pharmaka und über deren Unterschiede hinsichtlich Wirkungsmechanismus, Verabreichungsmodus, klinisch gesicherter Wirksamkeit (Frakturreduktion für Wirbelkörper- bzw. Schenkelhalsfrakturen) und der wichtigsten unerwünschten Wirkungen.
Die Artikel zeigen auf, dass es heute in zunehmenden Maße möglich ist, Patienten eine der Osteoporosegenese, der Erhöhung des Frakturrisikos und der klinischen Manifestation adäquate und den individuellen Bedürfnissen angepasste Therapie zugänglich zu machen.

Eine interessante Lektüre wünschen Ihnen
Univ.-Prof. Dr. Christian Pirich und OA Dr. Helmut Kässmann
FA für Innere Medizin und Nuklearmedizin,
Vorstand der Universitätsklinik für Nuklearmedizin und Endokrinologie,
Paracelsus Med. Privatuniversität Salzburg,
LKH Salzburg
c.pirich@salk.at

Zurück zur Übersicht