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MEDMIX 05/2009

MEDMIX 05/2009
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HPV-Impfung für ­Frauen 26+?
Umfassenden Studien belegen den hohen Nutzen einer HPV-Impfung für Mädchen und junge Frauen bis 26 Jahre  Doch auch wenn die Inzidenz von Humanen Papillomviren fünf bis zehn Jahre nach dem ersten sexuellen Kontakt am höchsten ist, besteht ein Infektionsrisiko – und damit auch jenes von Folgeerkrankungen – für Frauen aller Altersklassen. Zur Effektivität des HPV-Vierfach-Impfstoffs Gardasil bei Frauen bis zum Alter von 45 Jahren liegen mittlerweile die ersten Ergebnisse vor. Die Hintergründe erläutert Univ. Prof. Dr. Elmar Joura von der Universitäts-Klinik für Frauenheilkunde am AKH Wien, der gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter den österreichischen Teil der weltweiten Studie zur Impfung gegen humane Papillomviren leitet.

Für Mädchen und junge Frauen bis 26 Jahre ist der ausgezeichnete Schutz des HPV-Vierfachimpfstoffs vor Gebärmutterhalskrebs und anderen genitalen Erkrankungen sehr gut belegt. Sind die kürzlich publizierten Daten bei Frauen bis 45 Jahren ähnlich gut und würden sie älteren Frauen empfehlen, sich impfen zu lassen?
Die Daten waren fast genauso gut und mit 90% Wirksamkeit besser als erwartet. Ich empfehle auch Frauen über dem Alter von 26 Jahren, sich impfen zu lassen, weil das Infektionsrisiko und auch das Erkrankungsrisiko ja weiterhin gegeben sind. Unterschiede in der Wirksamkeit der Impfung zwischen Frauen in der Altersgruppe 24–45 und jüngeren Mädchen und Frauen sind gering, wenn der Impfstoff vorbeugend angewendet wird.

Wie viele Frauen sind in welchem Alter trotz sexueller Aktivität naiv gegenüber den Impfstofftypen, wie häufig kommen Mehrfach­infektionen vor?
Bei Frauen um die 20 sind über 75% HPV-naiv gegenüber den Impfstofftypen 6, 11, 16 und 18. Die Inzidenz akuter Infektionen nimmt mit dem Alter ab – bei Frauen über 30 findet man bei weniger als 10% akute HPV-Infektionen.

Welchen Nutzen haben Frauen, die bereits eine HPV-Infektion (mit einem Typ) hinter sich haben, sind sie künftig vor Infektionen mit dem selben Typ und vor Folgekrankheiten geschützt?
Ist eine Frau akut infiziert, schützt die Impfung nicht vor den Erkrankungen, die daraus resultieren. Ist die Infektion ­jedoch überstanden, bieten die impfinduzierten Antikörper einen vollständigen Schutz. Im Gegensatz dazu baut man gegen HP-Viren keine natürliche Immunität auf und kann – ­ohne Impfung – immer wieder auch mit dem gleichen Stamm infiziert werden. Wir haben auch neue Daten, denen zufolge geimpfte Frauen auch nach einer chirurgischen Behandlung, z.B. einer Konisation, vor weiteren Erkrankungen geschützt sind.

Ist es bei Frauen, die bereits Sexualkontakte hatten, sinnvoll, vor der Impfung auf HP-Viren zu testen?
Das ist nicht sinnvoll, weil Sie daraus keine medizinischen Entscheidungen treffen können. Im Prinzip ist es so, dass die Impfung in jedem Fall sinnvoll ist: Sie schützt einfach vor neuen Infektionen – egal ob man schon einmal eine Infektion gehabt hat oder nicht.

Lebenslange monogame ­Beziehungen werden im ­gesellschaftlichen Wandel seltener, die Impfung bietet zusätzlichen Schutz nicht nur vor Krebserkrankungen sondern vor allem vor den sehr häufigen Krebsvor­stufen und Genitalwarzen. Gibt es Cofaktoren, die eine Impfung besonders sinnvoll erscheinen lassen?
Wir wissen, dass Raucherinnen besonders gefährdet sind. Es liegen zwar noch keine Daten vor, es wird aber sicher auch interessant sein, ob immun­geschwächte Personen, z.B. nach Nierentransplantation oder HIV-Positive durch die Impfung profitieren, aber das wissen wir im Moment noch nicht.

Wer hat den größtmöglichen Benefit der Impfung ?
Unser Bild wird immer klarer, dass letztendlich jeder von der Impfung profitiert, weil eben Neuinfektionen verhindert werden. Die Restriktionen, die noch in den Köpfen vorhanden sind, dass die Impfung nur vor der Aufnahme der Sexualität wirke, haben sich alle als völlig falsch herausgestellt. Den größten Benefit haben sicher die Jungen, weil sie einfach die längste Zeit geschützt sind – das sagt aber nicht aus, dass später ein Schutz nicht sinnvoll sei.

Univ. Prof. Dr. Elmar Joura
Universitäts-Klinik für Frauenheilkunde
am AKH Wien

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