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MEDMIX 05/2009

MEDMIX 05/2009
MEDMIX 05/2009
Die Rolle von Bewegung in der ­Diabetes Therapie ­
Laut aktuellen Studien sind adipöse Personen über 23 Stunden am Tag inaktiv. »Sedentary« war definiert mit einer Bewegungsintensität von weniger als drei metabolischen Einheiten. Demgegenüber fordert das American College of Sportsmedizin ein Energieäquivalent von 1.200–2.000 kcal/ Woche, um eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Methodik & Maßnahmen
Die SPORTUNION Österreich führt seit März 2007 das Projekt »Zielgerichtete Bewegung bei Dia­betes« an 20 Standorten in Österreich durch. Ziel ist, einerseits die Gesundheit der Teilnehmer zu verbessern, andererseits fördernde und hemmende Faktoren für lebenslange körperliche Aktivität zu identifizieren. Über einen Zeitraum von acht Wochen (16 Einheiten) können Diabetiker kostenlos an einem zielgruppenspezifischen Bewegungsangebot teilnehmen. Die Programme werden von einem Sportwissenschafter geleitet und sollen die Teilnehmer befähigen, selbstständig ein Bewegungsprogramm durchzuführen. Darüber hinaus werden die regionalen Bewegungsangebote vorgestellt. Durch eine Kooperation mit dem Verband der Diätologen Österreichs gibt es begleitend Ernährungsworkshops.

Ergebnisse
Bis jetzt haben etwa 2.500 Personen mit dem Projekt begonnen. Für die Zwischenevaluierung wurden 860 Personen herangezogen. Davon waren 58% weiblich und 42% männlich. Das Durchschnittsalter betrug 59 (SD 9,6) Jahre.
Das Ausmaß der körperlichen Aktivität konnte in den Trainingskategorien (gezieltes Herzkreislauftraining, Kräftigung der Muskulatur, Koordination, Wandern große Spaziergänge) im 6-Monate-Follow-Up deutlich gesteigert werden. Die Kategorien Fahrradfahren, Waldlauf, Dauerlauf, Ballspiele, Tennis und Schwimmen bleiben nahezu unverändert. Geben zu Beginn des Projektes noch knapp 80% der Teilnehmer an, nie ein gezieltes Kraftprogramm zu verfolgen, so kann die Anzahl der Inaktiven in dieser Kategorie nach sechs Monaten auf 40% halbiert werden. Großen Stellenwert hat die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und der Diabetesschulung (Abb. 1). Durch diese Kooperation konnten 58% der Teilnehmer für das Bewegungsprogramm motiviert werden.
Im Projekt ist es bis jetzt auch gelungen, sozial schwächere Gruppen zu erreichen. 56% der Teilnehmer haben als höchsten Schulabschluss die Pflichtschule (mit und ohne Lehre) beendet. Der Anteil der Akademiker ist mit 8% gering. (Abb. 2). Von 653 befragten Personen waren 80% mit dem Programm sehr zufrieden, 71% möchten das Programm völlig oder überwiegend weiterführen (Abb. 3).
In der Ambulanz des AKH Wien wurden 104 Personen bezüglich eines Teilnahmewunsches am Bewegungsprogramm befragt. Davon hatten 46% Interesse und 21% haben schlussendlich mit dem Programm begonnen.  Interessant ist, dass drei von zehn Frauen, aber nur einer von zehn Männern die in der Ambulanz befragt wurden mit dem Programm begonnen haben.

Nordic City Walk – Bring your Family
In Wien fand am 11. Oktober bereits zum vierten Mal der Nordic City Walk der ÖDG statt. In Kooperation mit der SPORTUNION wurden ähnliche Veranstaltungen auch in zehn anderen österreichischen Regionen verwirklicht. Unter dem Motto »Bring your Family« waren auch Angehörige von Diabetikern zum Walken eingeladen, da diese ein besonders hohes Risiko aufweisen, selbst an Diabetes zu erkranken.

Jahresbegleitende »Aktiv-Bewegt« Kurse
Durch das Bewegungsprojekt wurden erstmalig Sportvereine motiviert und qualifiziert, selbstständig zielgruppenspezifische Bewegungsangebote aufzubauen (Tab. 1). Die Vereinseinheiten werden nach denselben Qualitätsstandards des Pilotprojektes durchgeführt und finanzieren sich selbst durch Mitgliedsbeiträge. Weitere Vereine leisten durch ihre gesundheitsorientierten Angebote einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Diabetes mellitus

Diskussion
Durch ein achtwöchiges Bewegungsprogramm gelang es, inaktive Diabetiker an regelmäßige körperliche Aktivität heranzuführen.  Zielgruppenspezifische Angebote leisten einen wichtigen Beitrag in der Prävention und Therapie des Diabetes. Die ärztlich Empfehlung und Anbindung an eine strukturierte Schulung sind Schlüsselelemente bei der Umstellung des Lebensstils.  Einstiegshürden können durch strukturierte Vernetzung von Medizin und Sport minimiert werden. Der regionale Bedarf an Bewegungsgruppen kann durch die Ergebnisse des Projektes gut geschätzt werden.
Literatur beim Verfasser.

www.aktiv-bewegt.at

Mag. Christian Lackinger
Projektkoordinator Fit für Österreich,
Sportunion Österreich

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