MedMix

Suche: im weltweiten Medmix-Pool     im Web

Startseite | Expertenbeirat | Mediadaten | Kontakt | Impressum
Aktuelle Ausgabe  |  Ältere Ausgaben
MEDMIX 05/2009

MEDMIX 05/2009
MEDMIX 05/2009
DGK-Kongress 2009
Von der Prävention zur optimierten Patientenversorgung
Parodontitis – Lokale Antibiotika-Behandlung meist ausreichend
Die Gesamtmenge der im Mund befindlichen Bakterien ist bei Herz-Kreislauf-Patienten signifikant höher als bei gleichaltrigen Kontrollgruppen. Die Rolle von chronischen Infektionen jeder Art als Trigger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bereits hinlänglich bekannt. Die interdisziplinäre Coronary Event and ­Periodontal Disease (CORODONT)-Studie der Universität Ulm wies nach, dass die Gesamtbelastung mit Parodontitis­keimen und vor allem die Menge an Actinobacillus-actinomycetemcomitans in der Zahnfleischtasche signifikant mit koronaren Herzkrankheiten assoziiert sind; ein Zusammenhang des Erkrankungsrisikos mit der Taschentiefe konnte hingegen nicht nachgewiesen werden. Wurde bisher davon ausgegangen, dass Antibiotika bei Parodontitis systemisch verabreicht werden müssen, schließt die Gruppe um Dr. Nathalie Khuseyinova (Heidelberg) aus den Daten, dass auch lokale Gaben (Instillationen) von Antibiotika zielführend sind. Die Studie wurde in der anlässlich der 33. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) veröffentlichten Ausgabe von Cardio News publiziert.   

Gefäßschäden durch Rauchen sind irreversibel
Rauchende Bluthochdruck-Patienten weisen häufiger athero­sklerotische Gefäßschäden auf als nichtrauchende Hypertoniker. Wer mit dem Rauchen aufhört, kann das Risiko zwar reduzieren, aber nicht mehr normalisieren, so eine Studie des Universitätsklinikums des Saarlandes. In der I-SEARCH-Studie wurden mehr als 20.000 Patienten mit Bluthochdruck und anderen kardiovaskulären Risikofaktoren in 26 Ländern auf eine Mikroalbuminurie (MAU, Eiweiß­ausscheidung im Urin) untersucht. Die Häufigkeit der Mikroalbuminurie, welche einen ersten Hinweis auf Atherosklerose darstellt, erwies sich als Tabak-assoziiert: Bei Menschen, die täglich bis zu 20 Zigaretten konsumierten, trat die unerwünschte Eiweißausscheidung um 6,8% häufiger auf als bei Nichtrauchern, bei mehr als 20 Zigaretten pro Tag war die Häufigkeit um 12,5% höher. Aber auch ehemalige Raucher haben noch immer eine um 4,7% höhere MAU-Häufigkeit. (Ukena et al, Rauchen korreliert unabhängig mit dem Auftreten einer Mikroalbuminurie bei hypertensiven Patienten. R Clin Res Cardiol 98 Suppl 2, Oktober 2009, Abstract P389)

Defi-Fernüberwachung ist sicher und effektiv
Die technische Entwicklung implantierbarer Herzschrittmacher und Defibrillatoren ermöglicht es zunehmend, diese innovativen Geräte nicht nur zur Herzstimulation, sondern zugleich auch als telemedizinische Überwachungssysteme zu nutzen. Dies ermöglicht mehr Patientensicherheit und -komfort und reduziert den Betreuungsaufwand in spezialisierten Ambulanzen. In einer Studie des Universitätsklinikums Bonn wurden bei mehr als einem Drittel der Patienten mit einem implantierten Defibrillator via Teleüberwachung gefährliche Herzrhythmusstörungen entdeckt. Bei 46 Patienten mit implantierten Defibrillatoren wurden in einem Zeitraum von 19 Monaten 118 auffällige EKGs von den implantierten Geräten direkt aus dem Herzen übertragen. Die Befunde zeigten bedrohliche Herzrhythmusstörungen und den Beleg der adäquaten Behandlung durch das implantierte Gerät. Nur wenige der »Alarme« gingen auf technische Probleme zurück, die durch Umprogrammierung von außen behoben werden konnten. (Bitzen et al, Möglichkeiten und Limitationen der Anwendung von Home Monitoring bei Patienten mit implantiertem Cardioverter-Defibrillator im klinischen Alltag. Clin Res Cardiol 98 Suppl 2, Oktober 2009, Abstract P324)

Erektionsprobleme als frühes Warnsignal für gefährliche Herz-Kreislauf-Krankheiten
Eine erektile Dysfunktion (ED) kann ein frühes Warnsignal für gefährliche Herz-Kreislauf-Krank­heiten und ein erhöhtes Mortalitätsrisiko sein. Das ist ein Ergebnis der ONTARGET/TRANSCEND-ED Untersuchung an insgesamt 1.549 Patienten aus 14 Ländern. Die Prävalenz der erektilen Dysfunktion beträgt in der Allgemeinbevölkerung ca. 20–30% und steigt bei kardiovaskulären Risikopatienten auf 50–70%. In der Studie stellte sich die erektile Dysfunktion als hochprädiktiv für die Gesamtmortalität und den kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt, Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz sowie Schlaganfall heraus. Die Intervention mit Ramipril/Telmisartan bzw. deren Kombination in ONTARGET zeigte weder einen positiven noch einen negativen Einfluss auf die erektile Funktion. In TRANSCEND zeigte sich ein Trend bezüglich einer Verbesserung der erektilen Funktion unter der Therapie mit Telmisartan im Vergleich zu Placebo. Die Substudie erektile Dysfunktion zu den ONTARGET/TRANSCEND-Studien ergab eine enge Korrelation zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren und der erektilen Funktion. Darüber hinaus war die ED hochprädiktiv für zukünftige kardiovaskuläre Ereignisse. Die ED stellt somit keine eigenständige Erkrankung dar, sondern ist vielmehr ein frühes Symptom einer endothelialen Dysfunktion und generalisierten Atherosklerose.

Gewichtszunahme im Alter bedeutet Herzrisiko
Eine langfristige Gewichtszunahme im Alter ist mit einem erhöhten Risiko einer Volumen-Zunahme des linken Atriums und damit einem erhöhtes Vorhofflimmern-Risiko assoziiert. Dies kann durch ein konstant gehaltenes oder leicht reduziertes Körpergewicht nahezu verhindert werden, so eine Studie des Universitätsklinikums Schles­wig-Holstein. Im Rahmen des MONICA-Augsburg/KORA-Projektes wurden bei insgesamt 925 Probanden im Alter von 25 bis 74 Jahren die Auswirkungen von Änderungen des Körpergewichts auf das linke Atrium untersucht. Im Verlauf von zehn Jahren wiesen die Teilnehmer einer Gruppe eine durchschnittliche Reduktion des Körpergewichts von 4,1 Kilogramm auf, das Volumen des linken Vorhofs blieb bei ihnen nahezu konstant. In der gleichen Zeit legten andere Kontrollgruppen im Schnitt um 10,3 Kilogramm zu, bei ihnen wurde eine hoch signifikante Zunahme des Volumens des linken Atriums gemessen. (J. Stritzke et al: Kardiovaskuläre Alterungsprozesse: Auswirkungen von Änderungen des Körpergewichtes auf die linksatriale Geometrie – Ergebnisse aus dem MONICA-Augsburg/KORA – Projekt Herzinsuffizienz P380; Clin Res Cardiol 98, Suppl 2, Oktober 2009)

Schlafapnoe und Herzschwäche
Ein unbehandeltes schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) geht mit einer Beeinträchtigung der Pumpfunktion des linken und des rechten Ventrikels einher. Zusätzlich sind die vorübergehenden Atemstillstände während des Schlafes ein unabhängiger Risikofaktor für Herzkreislauf-Krankheiten. So ist eine OSAS mit einem erhöhten  Risiko einer globalen Pumpschwäche (Spätfolge: manifeste Herzinsuffizienz) assoziiert. Das ist das Ergebnis der Sleeping-­Heart-Study des Universitätsklinikums Bonn, an der 174 Patienten teilnahmen. Während der negative Einfluss eines unbehandelten schweren OSAS auf die systolische und diastolische linksventrikuläre Herzpumpenleistung bereits gut bekannt ist, sind die Auswirkungen eines OSAS auf die rechtsventrikuläre Performance noch unklar. Mit zunehmendem Schweregrad des OSAS verschlechtern sich die echokardiografisch messbaren Funktionsindizes beider Herzkammern signifikant, so die Studie. Im weiteren Verlauf der Studie soll geklärt werden, ob diese negativen Effekte durch eine Hochdruck-Sauerstofftherapie (CPAP-Therapie) verbessert werden kann. (C. Hammerstingl et al; Einfluss eines Obstruktiven Schlafapnoesyndroms auf die Links- und rechtsventrikuläre myokardiale Performance. Rationale und Patientencharakteristika der Sleeping-Heart- Study; P368; Clin Res Cardiol 98, Suppl 2, Oktober 2009)

Antidepressiva können das Risiko für Herz-Kreislauf­erkrankungen verringern
Depressions-Patienten neigen stärker zu Thrombosen als psychische gesunde Menschen und weisen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen auf. Die Antidepressiva Escitalopram oder Nortriptylin können einer Studie des Universitätsklinikums Bonn zufolge die Plättchenfunktion und damit auch das Herzinfarkt-Risiko von Menschen mit Depression verbessern. 91 Patienten mit einer diagnostizierten schweren Depression wurden zu Beginn einer Behandlung mit Escitalopram oder Nortriptylin und nach drei Monaten Therapie hinsichtlich der Auswirkung auf die Plättchenfunktion untersucht und mit gesunden Probanden verglichen. Unter beiden antidepressiven Substanzen kam es nach drei Monaten zu einer deutlichen Verbesserung der Thrombozytenfunktion. Die Werte fielen letztlich sogar günstiger aus als bei der gesunden Vergleichsgruppe. (Flöck et al, Association of antiplatelet effects of antidepressant treatment and psychiatric response: a randomized double-blind study with escitalopram and nortryptilin. Clin Res Cardiol 98 Suppl 2, Oktober 2009, Abstract V 59)
Quelle: Pressetext DGK 10/2009

www.dgk.org


Kommentar 
­­­
Hypertensiologie-Fortbildung auf ­höchstem Niveau

„Prof. Heidemarie Pilz, von der 1. Med. Abteilung des Kaiserin-Elisabeth-Spital in Wien, hat als Co-Editorin gemeinsam mit den Autoren Prof. Gasser et al., Prof. Magometschnigg und Prof. Pichler einen sehr ­aktuellen und kompetenten Fortbildungsschwerpunkt zu Hypertonie gestaltet (siehe Editorial Prof. Pilz). Weitere Beiträge zu Hypertonie und Kardiologie wurden von unserer Redaktion vor und nach diesem Umfeld ohne Kenntnis des Editorialverfassers platziert.“

OA Prof. Dr. Heidemarie Pilz,
1. Medizinische Abteilung,
Kaiserin-Elisabeth-Spital der Stadt Wien

Zurück zur Übersicht