Depressionen, Angst- und Essstörungen beim Hausarzt behandeln

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Laut Studien möchten 50% der Betroffenen von ihrem Hausarzt behandelt werden, wenn sie unter seelischen oder psychosomatischen Beschwerden leiden.

Nahezu 25 Prozent aller Menschen in unseren Breiten erkranken im Verlaufe eines Jahres an mindestens einer seelischen oder psychosomatischen Störung. Etwa jede fünfte Krankschreibung und 40 Prozent aller frühzeitigen Berentungen gehen zu Lasten von psychischen und psychosomatischen Störungen. Bei der Behandlung dieser Patienten nimmt der Hausarzt eine zentrale Rolle ein. Auch heute noch wird die Mehrzahl der Patienten in hausärztlichen Praxen behandelt.

Hausarzt – erster Ansprechpartner im Gesundheitssystem

Aufgrund des langjährigen Vertrauensverhältnisses, das der Patient zu seinem Hausarzt aufbaut, ist er für viele Betroffene der erste Ansprechpartner im Gesundheitssystem. Ihm berichten die Patienten ihre seelischen und psychosomatischen Beschwerden. Wie unlängst eine Studie in Deutschland zeigte, möchten 50 Prozent der Menschen von ihrem Hausarzt behandelt werden, wenn sie unter seelischen oder psychosomatischen Beschwerden leiden (1). Daher ist der Hausarzt gefordert, die seelischen und psychosomatischen Störungen zu erkennen und die biologischen, psychischen und sozialen Aspekte der Erkrankung zu gewichten.

Hausärzte behandeln viele Patienten mit leichteren und akuten psychischen und psychosomatischen Problemen. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, dass sie dem Patienten und ihren Angehörigen die Erkrankung erklären und ihn als Lotse durch das Versorgungssystem leiten. Im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung können sie sehr niedrigschwellig therapeutische Gespräche mit dem Patienten durchführen, um ihn in der aktuellen Situation zu entlasten und Wege aus der Krise zu finden. Diese Patienten nehmen die Betreuung durch den Hausarzt überdurchschnittlich häufig in Anspruch (2).

Wann der Spezialist konsultiert werden sollte

Patienten mit chronischen sowie schweren psychischen und psychosomatischen Erkrankungen bedürfen aber vielfach einer weiteren spezialisierten fachärztlichen Versorgung u.a. durch einen Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, auch wenn Zugangsbarrieren zum psychosomatischen Versorgungssystem bestehen. So dauert es immer noch mehr als 10 Jahre bis ein Patient mit chronischen funktionellen Körperbeschwerden in die spezialisierte psychosomatische Versorgung kommt.

Um die Zugangsbarrieren gering zu halten, haben sich Kooperationsformen zwischen Hausärzten und psychosomatischen Medizinern als sehr hilfreich erwiesen. Es bedarf der intensiven Verzahnung der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung, um in einem gestuften Behandlungskonzept diesen Patienten gerecht zu werden.

Neue Versorgungskonzepte wie zum Beispiel die gemeinsame Betreuung von Patienten durch einen Hausarzt und einen Psychosomatiker (3), die Integration eines Psychosomatikers in Gemeinschaftspraxen oder enge Kooperationsformen im Rahmen von Konsildiensten (4) sind wesentliche Bausteine für eine verbesserte Versorgung dieser Patienten. Bei zahlreichen Patienten können solche Kooperationsformen auch präventiv wirksam werden. So können sie helfen, dass aus einer leichten psychischen Störung keine schwere Störung und Beeinträchtigung wird (5).

Quelle:

Professor Dr. med. Johannes Kruse

Professor Dr. med. Johannes Kruse

Statement Zusammenarbeit von Hausärzten und Psychosomatikern stärken von Professor Dr. med. Johannes Kruse, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) e.V., Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätsklinik Gießen anlässlich des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Berlin 2017

Literatur:

1. Larisch A, Heuft G, Engbrink S, Brähler E, Herzog W, Kruse J (2013): Behandlung psychischer und psychosomatischer Beschwerden – Inanspruchnahme, Erwartungen und Kenntnisse der Allgemeinbevölkerung in Deutschland. Z Psychosom Med Psychother 59: 153-169.

2. Schneider A, Hilbert B, Hörlein E, Wagenpfeil S, Linde K (2013): Bedeutung der psychischen Komorbidität für die Versorgungssteuerung in der Hausarztpraxis. Dtsch Ärztebl. Int 110(39):653-9.

3. Schaefert R, Kaufmann C, Wild B, Schellberg D, Boelter R, Faber R, Szecsenyi J, Sauer N, Guthrie E, Herzog W (2013): Specific collaborative group intervention for patients with medically unexplained symptoms in general practice: a cluster randomized controlled trial. Psychother Psychosom. 2013;82(2):106-19. doi: 10.1159/000343652.

4. Huang et al. (2017): Collaborative Care for Women with depression: A systematic Review. Psychosomatics 58:11-18.

5. Gilbody et al. (2017): Effect of Collaborative Care vs Usual Care on Depres-sive Symptoms in Older Adults With Subthreshold Depression: The CASPER Randomized Clinical Trial. JAMA(7): 728-737.doi: 10.1001/jama.2017.0130.

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