Dengue-Impfung gegen Virusinfektionen und Dengue-Fieber

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Etwa 390 Millionen Dengue-Virusinfektionen lassen 50 bis 100 Millionen Menschen an Dengue-Fieber erkranken. Die Dengue-Impfung soll dagegen helfen.

Dengue ist eine durch Stechmücken (Aedes aegypti) auf den Menschen übertragene Virusinfektion, die in tropischen und subtropischen Regionen der Welt vorkommt (betroffene Bevölkerung 2-3 Milliarden) und deren Inzidenz in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat. Eine aktuelle Studie geht von ~390 Millionen Dengue-Virus-Infektionen pro Jahr aus. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken davon 50 bis 100 Millionen Menschen an Dengue-Fieber; rund 500.000 der Betroffenen entwickeln die schweren Formen des Dengue-Hämorrhagischen-Fiebers (DHF) und/oder Dengue-Schock-Syndroms (DSS), die in mehr als 20.000 Fällen tödlich verlaufen (vor allem bei Kindern).

 

Dengue-Virusinfektionen nach Europa eingeschleppt

Dengue-Virusinfektionen werden häufig Reise-Rückkehrern aus Endemie-Gebieten nach Europa importiert – vor allem aus Südost-Asien. Das Denguevirus kommt in vier nahe verwandten Varianten vor, die als Serotypen Denguevirus 1, 2 3, und 4 bezeichnet werden und in den meisten Denguevirus-Endemiegebieten kozirkulieren.

Die Infektion mit einem der vier Serotypen bietet eine lang anhaltende Immunität gegen den entsprechenden Serotyp, aber nur eine vorübergehende Immunität gegen die restlichen drei. Aufgrund dieses kurzlebigen heterologen Schutzes kann eine Person im Laufe ihres Lebens Infektionen mit allen vier Serotypen durchmachen. Eine sekundäre Denguevirus-Infektion mit einem anderen Serotyp als bei der Erstinfektion birgt jedoch aufgrund immunpathologischer Reaktionen ein höheres Risiko für schwere Erkrankungen.

 

Dengue-Fieber

Zirka 2 bis 10 Tage nach einer Infektion durch einen Mückenstich kann sich das Dengue-Fieber als grippeähnliche Erkrankung präsentieren. Die typischen Symptome sind hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen Druckschmerzen hinter den Augen sowie sehr häufig zusätzlich eine flüchtige Rötung der Haut. Obwohl Fieber und Schmerzen nach etwa 7 Tagen verschwinden, leiden die Patienten durch das Dengue-Fieber meistens noch mehrere Wochen unter allgemeiner Abgeschlagenheit.

Das Tückische am Dengue-Fieber ist, dass bei einer zweiten oder dritten Denguevirus-Infektion die Patienten sehr schwer erkranken können. Sehr oft treten dann innere Blutungen und Schocksymptome auf, obwohl die erste Erkrankung Jahre zurückliegen kann.

 

Dengue-Impfung gegen alle vier Serotypen

Ein wirksamer Impfstoff gegen das Denguevirus sollte möglichst gleichzeitig eine protektive Immunantwort gegen alle vier Serotypen induzieren. Doch einen solchen tetravalenten Impfstoff zu entwickeln, ist kompliziert. CYD-TDV – mit dem Handelsnamen Dengvaxia ® von Sanofi-Pasteur – ist der erste Impfstoff, der nun in zahlreichen endemischen Ländern für Menschen ab einem Altere von 9 Jahren􀀃 zugelassen ist. Dabei Impfstoff handelt es sich um eine rekombinante tetravalente Lebendvakzine, die durch gentechnische Veränderung des Gelbfieber-Impfvirus die für Dengue protektiven Antigene enthält. Der Impfstoff besteht somit aus vier gentechnisch hergestellten neuen Viren (Chimären zwischen Gelbfieber- und Denguevirus), die sich gleichzeitig in den Geimpften vermehren müssen, um eine breite Dengue-Immunität zu induzieren.

In groß angelegten klinischen Studien mit mehr als 30.000 Teilnehmern in Endemie-Gebieten Südost-Asiens und Südamerikas war der Impfstoff bei Teilnehmern, die vor der Dengue-Impfung eine Denguevirus-Infektion durchgemacht haben (seropositiv), deutlich wirksamer als bei jenen ohne vorherige Denguevirus-Exposition (seronegativ).

Die Schutzrate lag 25 Monate nach der Dengue-Impfung bei seropositiven Personen bei 76%, bei seronegativen nur bei 39% (Sridhar et al., 2018. New England Journal of Medicine).

Darüber hinaus stellte sich bei Langzeitbeobachtung heraus, dass die Dengue-Impfung von seronegativen (nicht aber von seropositiven) Studienteilnehmern das Risiko für schwerere Verlaufsformen und Hospitalisierungen bei nachfolgender natürlicher Infektion erhöhte (Sridhar et al., 2018. New England Journal of Medicine).

Es wird daher vermutet, dass diese Dengue-Impfung bei manchen Geimpften einen Immunitätsstatus ähnlich einer asymptomatische Denguevirus-Erstinfektion induzieren kann und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht, bei nachfolgenden Virusinfektionen schwerer zu erkranken. Obwohl der Impfstoff in Endemie-Gebieten viele schwere Erkrankungen verhindern kann, wenn er Seropositiven verabreicht wird, ist seine Anwendung bei Seronegativen mit einer Erhöhung des Risikos für schwerwiegendere Verläufe bei einer Zweitinfektion verbunden.

Aus diesem Grund empfahl die strategische Beratergruppe der WHO (Scientific Advisory Group of Experts, SAGE) am 19. April 2018, dass in Ländern, in denen die Einführung von Dengvaxia ® erwogen wird, vor der Dengue-Impfung ein Screening zur Ermittlung des Serostatus durchgeführt wird und nur Personen mit Seropositivität geimpft werden sollten. Zu diesem Zweck fordert die WHO auch die rasche Entwicklung von entsprechenden verlässlichen Schnelltests, die derzeit noch nicht zur Verfügung stehen (Veröffentlichung des gesamten Berichts: WHO Weekly Epidemiological Record, 8. Juni 2018).

Aus den geschilderten Gründen besteht einiger Raum für Verbesserungen, und eine Reihe alternativer Impfstoffe befindet sich in Entwicklung. Am weitesten fortgeschritten sind die Impfstoff-Kandidaten der japanischen Firma Takeda sowie des US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Butantan-Institut. Dabei handelt es sich ebenfalls um tetravalente Lebendvakzinen, die sich aber in ihrem Aufbau und ihrer Zusammensetzung stark vom Dengvaxia-Impfstoff unterscheiden. Vorläufige Ergebnisse weisen darauf hin, dass diese Impfstoffe eventuell zu einer stärkeren und auch ausbalancierteren Immunantwort gegen alle vier Dengue-Serotypen führen können. Ob durch diese Impfstoffe das Problem der Dengue-Impfung von seronegativen Personen gelöst werden kann, werden erst Langzeitstudien zeigen, sodass wir wohl noch einige Zeit auf wirksamere Impfstoffe warten müssen.

logo-virusepidemiologische-informationenQuelle:

VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 18 / 18–6.

Mag. Dr. Karin Stiasny. Department für Virologie der Med. Universität Wien.

 

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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